AfD: fremden- UND frauenfeindlich!

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Zu Recht machen 87 Prozent der WählerInnen sich Sorgen wegen des drohenden Anstiegs der Fremdenfeindlichkeit – eben alle, die nicht die AfD gewählt haben. Doch ist die AfD mindestens so sexistisch wie rassistisch. Aber leider machen die 87 Prozent sich kaum Sorgen wegen des drohenden Anstiegs der Frauenfeindlichkeit.

Mit der AfD zieht ein Männerbund in den Bundestag ein, der der Emanzipation den Kampf erklärt hat. Selbst die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry hat gleich nach der Wahl Reißaus genommen. „Ich möchte Realpolitik im Sinne einer konservativen Politik machen. Ich habe deswegen nach langer Überlegung entschieden, dass ich der AfD-Fraktion im Bundestag nicht angehören werde“, erklärte sie am Montag auf der Pressekonferenz der AfD. Inzwischen hat sie ihren Austritt aus der Partei angekündigt. Das kommt den AfD-Jungs wie Alexander Gauland und Björn Höcke vermutlich auch ganz recht.

Die "Gender-Ideologie" soll per Gesetz verboten werden

Gauland hatte ja schon am Wahlabend den Ton vorgelegt, mit dem wir zukünftig also rechnen dürfen: „Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen“, trompetete er siegestrunken in die Mikros. Die AfD werde sich „unser Land und unser Volk zurückholen!“ Menschenjagd, aha. Und: Frauenjagd!

Schon in ihrem Wahlprogramm hat die AfD die „Gender-Ideologie“ für „verfassungsfeindlich“ erklärt. Denn die würde die „naturgegebenen Unterschiede zwischen Männern und Frauen“ in Frage stellen. O-Ton AfD: „Wir lehnen Bestrebungen auf nationaler wie internationaler Ebene ab, diese Ideologie durch Instrumente wie Gender-Studies, Quotenregelungen z.B. für Frauen, Propagandaaktionen wie den ‚Equal Pay Day’ oder die ‚geschlechterneutrale Sprache’ umzusetzen.“

Das Recht auf Abtreibung und das geltende Recht auf Scheidung steht genauso auf der Abschuss-Liste der Partei wie das gerade errungene Recht auf die Homo-Ehe. Das Bundesministerium für „Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ soll in ein „Bundesministerium für Familie und Bevölkerungsentwicklung“ umgestaltet werden, das die „Bevölkerungsentwicklung nach wissenschaftlichen Kriterien koordiniert.“ Die AfD möchte den „Erhalt des Staatsvolkes als Staatsziel ins Grundgesetz aufnehmen“.

Nun ist damit zu rechnen, dass die AfD ihre Provokationen nicht gleich umsetzen kann. Aber dennoch prägen sie den Ton, in dem über Frauen in Deutschland gesprochen wird. Und eines ist klar: Die schlagzeilen-getriebenen Medien werden die AfD-Rhetorik willig im ganzen Land verbreiten. Und das wird auch manchem Macho Mut machen, der sich bisher nur im stillen Kämmerlein gegen diese nervigen Emanzen echauffiert hat. „Mutti muss weg“ ist auch so ein Satz, den man in den letzten Tagen vermehrt gehört hat. Die 16 Prozent Männer, die ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben, haben das nicht zuletzt getan, um endlich die Frau an der Spitze los zu werden.

Der "Erhalt des Staatsvolks" soll als "Staatsziel" ins Grundgesetz

Die AfD wird mit einem Männeranteil von 88,3 Prozent in den Bundestag einziehen, also mit elf Frauen und 83 Männern. Aber auch die FDP schickt 62 Männer und nur 18 Frauen in den Ring. Und die Union entsendet neben 197 Männern gerade mal 49 Frauen. Nur die quotengebundenen Parteien machen es anders: die SPD mit 42 Prozent Frauen, die Grünen mit 58 Prozent und die Linke mit 54 Prozent. Aber die haben ja auch keine Wahl.

Insgesamt wird der Frauenanteil im neuen Bundestag von 37 Prozent auf 31 Prozent sinken, auf 218 Frauen und 491 Männer. Da können es sich die Jungs ja dann richtig gemütlich machen. Gegen Merkel. Und zusammen mit der AfD.

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Frauen wählen Merkel, Männer AfD

AfD-WählerInnen bei der Verkündung des Wahlergebnisses. © Emmanuele Contini/imago
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Diesmal kamen die Kommentatoren bis hin zur Tagesschau am Tag darauf beim besten Willen nicht umhin, das Kind beim Namen zu nennen: Gender Gap. Fast doppelt so viele Männer (16%) wie Frauen (9%) haben die AfD gewählt, was den Herren Schönenborn & Co. am Wahlabend noch nur ein Säulendiagramm wert war.

Noch aufschlussreicher ist ein Blick auf die Geschlechterlücke im Osten: Dort ist die AfD bei den Männern die absolut stärkste Partei. 26 Prozent der ostdeutschen Männer (Männer West: 13%) wählten die Rechtspopulisten, aber „nur“ 17 Prozent der Frauen (Frauen West: 8%).

Im Osten ist die AfD bei den Männern die stärkste Partei

Das ist alarmierend, aber nicht neu: Schon bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst 2016 hatte jeder vierte Mann sein Kreuz bei der AfD gemacht, in der Altersgruppe zwischen 30 und 60 sogar jeder dritte. Auch bei dieser Bundestagswahl schnitt die AfD bei den Mittelalten am stärksten ab.

Es dürften jene Männer sein, die von der im Osten teilweise hohen Arbeitslosigkeit betroffen sind. Aber das allein kann nicht der Grund sein, denn darunter leiden auch die (im Osten einst traditionell berufstätigen) Frauen. Nicht wenige Männer - und das gilt auch für so manchen im Westen - erhoffen sich von den Rechtspopulisten, die in ihrem Wahlprogramm das Hohelied der Hausfrau singen, wohl auch die Wiederherstellung der guten alten Geschlechterordnung.

Die CDU hat ebenfalls einen historischen Gender Gap zu verzeichnen, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Acht Prozent mehr Frauen (37%) als Männer (29%) wählten die Kanzlerinnen-Partei. Zwar verlor Angela Merkel auch bei ihren Wählerinnen sieben Prozent. Die Wähler aber straften die CDU (und die Frau an der Spitze?) noch härter ab: Zehn Prozent weniger Männer wählten die Kanzlerin als bei den Bundestagswahlen 2013.

Die Kanzlerin hat bei den jungen Frauen stark verloren

Am stärksten ist Merkel auch diesmal traditionell bei den Wählerinnen über 60. Da liegt die Kanzlerin bei 46 Prozent. Allerdings hatte sie in dieser Altersgruppe 2013 noch die absolute Mehrheit (53%) geholt. Bei den jungen Frauen verlor Merkel überdurchschnittlich: Nur noch rund jede vierte Frau (27%) zwischen 18 und 29 Jahren machte ihr Kreuz bei der Kanzlerin, bei der letzten Wahl war es noch weit über jede Dritte (37 Prozent) gewesen. Allerdings ist die CDU auch in dieser Altersgruppe immer noch stärkste Partei.

2009 hatte Merkel zum ersten Mal der SPD den Frauenüberschuss abgejagt, den die Sozialdemokraten seit den 1970er Jahren bei den Frauen gehabt hatten. Die Wirkung einer Frau an der Spitze der Regierung dürfte dazu ebenso beigetragen haben wie die fortschrittliche Familienpolitik (Elternzeit, Vätermonate, Kita-Ausbau etc.) von Ursula von der Leyen.

Dass sich die Entwicklung nun wieder umkehrt, ist allerdings nicht zu erwarten. Die SPD profitiert keineswegs von den Verlusten der CDU. Auch die Sozialdemokraten verloren mit ihrem Spitzenkandidaten Martin Schulz durchweg bei Frauen und Männern, je nach Altersgruppe zwischen drei und sechs Prozent. Mit 20 Prozent liegen die Sozialdemokraten bei den Wählerinnen nur minimal schlechter als bei den Wählern (21%).

Überraschung: nur eine Partei hat keinen Gender Gap

Etwas größer ist der Gender Gap bei der FDP und den Grünen: jeweils drei Prozent. Doch während die Grünen häufiger von Frauen gewählt werden, holt der liberale Quoten-Gegner Christian Lindner mehr Männerstimmen.

Die einzige Partei ohne Gender Gap ist Die Linke. Auch das allerdings ist interessant. Denn Die Linke wurde traditionell stets von mehr Männern als Frauen gewählt. Könnte es sein, dass das schlagkräftige Frauen-Duo Kipping/Wagenknecht gerade dabei ist, das zu ändern?

 

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