Appell gegen Sexismus
Sie lassen sich gehen, Frauen zahlen die Zeche!
„Wir wissen nicht, was in New York passiert ist. Aber wir wissen, was in der letzten Woche in Frankreich los war“ erklärten Frauenorganisationen am Samstag, 21. Mai in einem Appell. Er war im Vorfeld einer Demo gegen den „enthemmten Sexismus“, der im Fall Dominique Strauss-Kahn zu „einer unakzeptablen Vermischung zwischen sexueller Freiheit und sexueller Gewalt beiträgt“, veröffentlicht worden. Der Aufruf, nachfolgend im Wortlaut, wurde bereits von 15.000 Menschen unterzeichnet, darunter die ehemalige sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal und die berühmte Anti-Korruptions-Juristin Eva Joly.
Seit einer Woche sind wir fassungslos über die tägliche Welle frauenfeindlicher Äußerungen, die auf unseren Bildschirmen und im Radio verbreitet werden, die uns an unseren Arbeitsplätzen und in den Sozialen Netzwerken begegnen. Wir haben eine ganze Palette sexistischer Sprüche gehört, von „Es ist schließlich niemand gestorben“ bis „Ist es etwa unrecht, die Frauen zu lieben?“ Oder Kommentare, die eine Verbindung herstellen zwischen dem Aussehen und der Kleidung einer Frau und dem Verhalten der Männer, denen sie begegnet.
Wir sind wütend, wir sind revoltiert, wir sind empört!
Wir wissen nicht, was am letzten Samstag in New York passiert ist, aber wir wissen, was seit einer Woche in Frankreich los ist. Wir sind gerade Zeuginnen eines neuen Ausbruchs sexistischer und reaktionärer Reflexe in einem Teil der französischen Elite.
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Diese Äußerungen zeigen, dass man in unserer Gesellschaft offenbar konsequenzlos öffentlich einen enthemmten Sexismus verkünden kann. Eine solche Toleranz würde in keinem anderen Fall von Diskriminierung akzeptiert werden.
Diese Äußerungen verharmlosen die Schwere einer Vergewaltigung, sie machen aus einem Verbrechen eine Situation, in der die Grenzen ein bisschen verschwommen sind, die mehr oder weniger akzeptabel ist, eine kleine Entgleisung eben. Sie senden den aktuellen und zukünftigen Opfern eine einfache Botschaft: „Erstattet keine Anzeige!“ Wir erinnern: Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung sind Verbrechen.
Diese Äußerungen zeigen, in welchem Ausmaß die Gewalt gegen Frauen verkannt wird. Wenn dies Eliten tun, die über unser Land bestimmen, ist das besonders beunruhigend. 75.000 Frauen aller Schichten und jeden Alters werden jedes Jahr Opfer einer Vergewaltigung. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie Frauen sind. Die einzige Gemeinsamkeit der Täter ist, dass sie Männer sind.
Und schließlich führen diese Äußerungen zu einer nicht tolerierbaren Verwechslung von sexueller Freiheit und sexueller Gewalt. Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung und sexuelle Belästigung sind Ausdruck des Willens eines Mannes, den Körper einer Frau zu beherrschen. Eine Parallele zwischen sexueller Freiheit und sexueller Gewalt zu ziehen, ist gefährlich und unredlich. Es öffnet denjenigen Tür und Tor, die zur alten Ordnung zurückkehren möchten, die die Emanzipation von Frauen und Männern ausbremst.
Die öffentlichen Personen, die mit ihren Äußerungen Klischees in Umlauf bringen, die aus einem vergangenen Jahrhundert stammen, beleidigen damit alle Frauen und alle, die für die Menschenwürde eintreten und jeden Tag für die Gleichheit von Frauen und Männern kämpfen.
Osez le Feminisme (Feminismus wagen)
Paroles de Femmes (Frauen reden)
La Barbe (Der Bart)
EMMAonline, 24.5.2011
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