Dylan Farrow: Und Woody Allen?

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Wir sind mitten in einer Revolution. Von Anschuldigungen gegen Filmproduzenten und Journalisten bis hin zu Zimmermädchen, die von Übergriffen in ihrem Beruf berichten: Frauen enthüllen die Wahrheit und Männer verlieren ihren Job. Aber die Revolution ist selektiv.

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Immer wieder habe ich geschildert, wie Woody Allen mich, als ich sieben Jahre alt war, in einen Dachboden geführt hat - weg von den Babysittern, die eigentlich die Anweisung hatten, mich nie mit ihm alleine zu lassen. Dann hat er mich sexuell missbraucht. Ich habe den Behörden bereits damals die Wahrheit erzählt und ich erzähle sie jetzt, unverändert, seit über 20 Jahren.

Warum wurden Harvey Weinstein und andere beschuldigte Prominente von Hollywood verstoßen, während Allen kürzlich einen Multimillionen-Dollar-Vertrag von Amazon zugesichert bekam? Grünes Licht erhielt er von dem Amazon-Studios-Manager Roy Price, bevor dieser selbst wegen sexuellen Missbrauchs suspendiert wurde. Allens neuester Spielfilm "Wonder Wheel" hatte am 1. Dezember mit großem Spektakel Premiere.

Der Richter ordnete an, Dylan vor Allen "zu beschützen"

Allen bestreitet meine Behauptungen. Aber hier steht nicht Aussage gegen Aussage. Allens unangemessene Verhaltensmuster - seinen Daumen in meinen Mund zu stecken, mit mir in Unterwäsche ins Bett zu steigen, das ständige Belästigen und Betatschen - wurden von Freunden und Familienmitgliedern bezeugt. Zum Zeitpunkt der Vorwürfe war er wegen seines Verhaltens mir gegenüber in Therapie. Drei Augenzeugen bestätigten meine Aussage; darunter ein Babysitter, der Allen mit seinem Kopf in meinem Schoß vergraben sah, nachdem er mir die Unterhose ausgezogen hatte. Allen verweigerte damals einen Lügendetektor-Test, den die Staatspolizei Connecticuts angeordnet hatte.

In der abschließenden gerichtlichen Verfügung verweigerte ihm ein Richter das Sorgerecht für mich und schrieb, dass "Maßnahmen getroffen werden müssten, um mich zu beschützen". Und dass es "keine stichhaltigen Gründe" gebe anzunehmen, dass meine Mutter, Mia Farrow, mich in irgendeiner Weise beeinflusst habe.

Der ermittelnde Staatsanwalt erklärte, dass es einen hinreichenden Verdacht gebe, um Allen anzuklagen - dass er die Anklage aber fallenlasse, um mich, das "zerbrechliche, kindliche Opfer", vor diesem belastenden Prozess zu verschonen.

Dank Allens PR-Team und seinen Anwälten kennen nur wenige diese schlichten Fakten. Das zeigt auch die Macht jener Kräfte, durch die Männer wie Allen von je her geschützt wurden: ihr Geld und ihre Macht, die eingesetzt werden, um das Einfache kompliziert zu machen und um die Geschichte zu ihren Gunsten umzuschreiben.

Männer wie Woody Allen schreiben die Geschichte um

Dank dieser vorsätzlichen Verschleierung entscheiden sich A-Promis, in Allens Filmen mitzuspielen und Journalisten haben Tendenz, das Thema zu vermeiden.

In der Weinstein-Debatte sagte “Wonder Wheel”-Star Kate Winslet: "Die Tatsache, dass diese Frauen anfangen, sich über das grobe Fehlverhalten eines unserer wichtigsten und angesehensten Filmproduzenten zu äußern, ist unglaublich mutig. Was sie erzählten, war zutiefst schockierend." Doch über Allen sagte sie: "Ich kannte Woody nicht, und ich weiß nichts über diese Familie. Als Schauspieler musst du einfach einen Schritt zurückgehen und sagen, ich weiß wirklich nichts. Weder, ob es wahr oder ob es falsch ist. Nachdem man alles durchdacht hat, legt man es beiseite und arbeitet einfach mit der Person. Woody Allen ist ein unglaublicher Regisseur."

Auch Blake Lively sagte über Weinstein: "Es ist wichtig, dass die Frauen jetzt wütend sind. Es ist wichtig, dass es einen Aufstand gibt. Es ist wichtig, dass wir für so etwas nicht einstehen und auch, dass wir uns nicht nur auf eine, zwei oder drei oder vier Geschichten konzentrieren. Es ist wichtig, dass wir uns auf die Menschlichkeit im Allgemeinen beziehen und sagen: So etwas ist inakzeptabel." Aber zum Thema Allen sagte sie: "Es ist sehr gefährlich, sich auf Dinge zu beziehen, von denen man nichts weiß. Ich kann nur meine eigenen Erfahrungen kennen."

Kate Winslet: Ich weiß nichts über diese Familie.

Greta Gerwig, die in Allens "To Rome With Love" mitspielte und Allen ihr "Idol" nannte, sagte über die Enthüllungen über Weinstein und andere mächtige Männer: "Es ist enttäuschend und ich denke, es war überfällig." Aber als Terry Gross von NPR auf die Frage drängte, ob sie keinen Interessenskonflikt in der Zusammenarbeit mit Allen verspüre, wurde es Gerwig unbehaglich. "Wissen Sie, es ist sehr schwierig darüber zu reden ...", sagte sie. “Ich denke, dass ich in dieser Atmosphäre der Angst lebe, in der ich besorgt darüber bin, wie ich darüber spreche, und was ich sage.”

Über Jahrzehnte hat Allen die gleichen Methoden der Verteidigung durch Einschüchterung angewandt, die offensichtlich auch Weinstein genutzt hat. Im Jahr 1997 berichtete das Connecticut Magazine, dass das Rechtsteam von Allen private Ermittler angeheuert habe. Darunter auch einige, die beauftragt wurden, rufschädigende Informationen gegen Strafverfolgungsbeamte zu finden, die an dem Missbrauchsfall arbeiteten.

Als mein Bruder Ronan Farrow letztes Jahr im Hollywood Reporter über den Fall sprach, trat Allens PR-Team, geleitet von Leslee Dart von der Firma 42 West, immer dann in Aktion, wenn die Vorwürfe wieder auftauchten. Dart verbannte die Zeitschrift bei den Filmfestspielen in Cannes von Veranstaltungen zu Allens neuestem Film.

Greta Gerwig nennt Woody Allen ihr "Idol"

Sogar jetzt zögere ich, etwas zu sagen. Allens gewiefte Partner wissen, dass es anrüchig ist, mich, ein mutmaßliches Opfer, direkt anzugreifen. Also richten sich die Schmähungen immer und immer wieder gegen meine Mutter. Das ist schrecklich und macht mich wütend.

Besonders schmerzlich ist, dass Allen es sogar geschafft hat, meinen Bruder Moses gegen mich in Stellung zu bringen. Moses behauptet heute, dass meine Mutter ihn "gehirngewaschen" und mich "gecoached" hätte, Allen anzuklagen - was Zeugenaussagen, die sich über Jahre ziehen, widerspricht. Moses’ Kommentare sind niederschmetternd, aber - wie so viele der Angriffe auf meine Geschichte - sind auch sie irrelevant: Moses war nicht da, als die Übergriffe stattfanden.

Viele Medien lehnen es ab, Breitseiten gegen mich und meine Familie zu fahren, während andere die Verzerrungen gerne wiederholen. Zum Beispiel, dass ich meine Anschuldigungen während eines Sorgerechtsstreits erhoben hätte, was nicht wahr ist. Tatsächlich klagte Allen das Sorgerecht für mich und Ronan erst ein, nachdem die Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs begonnen hatten. Charmant. Viele Medien verweisen auf einen fragwürdigen Bericht von 1993, der zu dem Schluss kommt, dass kein Missbrauch stattgefunden hat. Der Autor dieses Berichts hat nie mit mir gesprochen und das Team hat später seine Aufzeichnungen ohne Erklärung vernichtet.

Das System Weinstein funktioniert
im Fall Allen noch immer

Obwohl sich die Kultur jetzt in Windeseile zu verändern scheint, ist meine Behauptung anscheinend immer noch zu kompliziert, zu schwierig, zu - um Blake Livelys Ausdruck zu verwenden - "gefährlich", zu konfrontierend.

Die Wahrheit ist schwer zu leugnen, aber leicht zu ignorieren. Es bricht mir das Herz, wenn Frauen und Männer, die ich bewundere, mit Allen arbeiten und sich dann weigern, Fragen dazu zu beantworten. Es bedeutete die Welt für mich, als Ellen Page sagte, sie bereue die Zusammenarbeit mit Allen, und als die Schauspielerinnen Jessica Chastain und Susan Sarandon der Welt erzählten, warum sie nie mit ihm zusammenarbeiten würden.

Es ist nicht nur Macht, die es den beschuldigten Männern erlaubt, ihre Karriere und ihre Geheimnisse zu behalten. Es ist auch unsere kollektive Entscheidung, einfache Situationen als komplizierte zu betrachten und auf offensichtliche Fakten mit der Frage zu reagieren: "Wer kann das schon so genau sagen?" Das System, das Harvey Weinstein Jahrzehntelang gedeckt hat, funktioniert bei Woody Allen noch immer.

DYLAN FARROW

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Der Fall Woody Allen
 

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Es geht immer um Scham

© vika_kuzina - Fotolia.com
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"Die Scham ist vorbei.“ So lautete in den 1970er-Jahren der Titel eines in frauenbewegten Kreisen beliebten Buches. Und ja, es stimmte: Die Scham schien vorbei. Womit die höchste innere Hürde überwunden schien – und der Weg frei für die Überwindung der äußeren Hürden.

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Die Belästigung im Beruf war
vor 42 Jahren erstmals Thema

Vor 46 Jahren hatten Frauen erstmals öffentlich gesagt: Ich habe abgetrieben und schäme mich nicht; im Gegenteil – eine Gesellschaft, die ungewollt Schwangere auf den Küchentisch von Engelmacherinnen treibt und so ihr Leben in Gefahr bringt, sollte sich schämen! Ein paar Jahre darauf gestanden die ersten Frauen: Ja, mein Mann schlägt mich; doch dafür muss nicht ich mich schämen, sondern er. Wenig später erklärten Frauen öffentlich: Ja, ich bin vergewaltigt worden – aber das war nicht meine Schuld, sondern sein Verbrechen. Doch als EMMA dann 1977 als erste über sexuellen Missbrauch von Kindern schrieb, dauerte es noch ein paar Jahre, bis die so früh Gebrochenen sich kollektive Stimmen gaben.

Und die „sexuelle Belästigung im Beruf“? Die machten vor 42 Jahren als erste Amerikanerinnen öffentlich: die sexuelle Jagd, sexual harassment! Deutsche Frauen übernahmen das Schlagwort in der verharmlosenden Formulierung der „sexuellen Belästigung“. 

Seither ist viel passiert. Frauen sind stärker geworden. Männer einsichtiger. Nicht alle, aber viele. Doch es gibt sie immer noch: die Scham. Die Scham der Frauen.

Sie schämen sich dafür, zu der Sorte Mensch zu gehören, mit der man es machen kann. Am liebsten würden sie es sich noch nicht einmal allein vorm Spiegel eingestehen: Ich bin herabwürdigend behandelt worden, weil ich eine Frau bin. Ich bin angetatscht worden, weil ich eine Frau bin. Ich bin vergewaltigt worden, weil ich (s)eine Frau bin.

Nein, ich doch nicht!

Ein fast tragisches Beispiel dafür lieferte jüngst im Stern eine erfahrene Reporterin. Im Rahmen der Berichterstattung der MeToo-Bewegung berichtete sie über 30 Jahre bitterer eigener Erlebnisse mit sexualisierter Erniedrigung. Die Täter: von ihr interviewte Politiker und die eigenen Kollegen. Doch mitten in der Aufzählung des Grauens, das einem schier den Atem verschlug, schrieb sie: „Vieles an der aktuellen Debatte scheint mir überzogen. Wir sind doch deshalb noch keine Opfer!“

Klar, wir doch nicht. Wer will schon Opfer sein?! Opfer. Heutzutage ein Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen: „Du Opfer!“ Dieser Hohn verschließt Opfern endgültig den Mund. Wie praktisch für die Täter. Denn wo keine Opfer sind, sind auch keine Täter.

Übrigens, Frau Kollegin, sobald Opfer sich wehren, sind sie keine Opfer mehr.

Sobald Opfer sich wehren,
sind sie keine
Opfer mehr.

Aber ist das Ganze nicht eigentlich gar kein Problem zwischen Männern und Frauen, sondern ein allgemein menschliches? Sind nicht auch Männer Opfer? Das fragt man sich vor allem in Deutschland – gegen alle Lebenserfahrungen und Statistiken. Der Spiegel allen voran. Mitten in einer fundierten Titelgeschichte über sexuelle Gewalt im Beruf und die wiedererwachte Gegenwehr zitierte das Blatt einen gewissen Joris Lammers. Nie gehört? Ich auch nicht. Google sagte mir, dass er Assistenzprofessor an der Uni Köln ist. Warum gerade er zitiert wird? Nicht etwa wegen bahnbrechender neuer Erkenntnisse, sondern wegen geschmeidiger Willfährigkeit.

Denn der Psychologe „glaubt nicht, dass Frauen ihre Macht weniger ausnützen würden als Männer“, heißt es. Glaubt. Würden. Da macht der Spiegel sich schon mal vorauseilend Sorgen: „Warum werden dann aber mehr Männer als Frauen auf frischer Tat ertappt?“, fragt er. Allen Ernstes. Herr Lammers kennt die Antwort: „Weil es vielleicht weniger als Skandal gesehen wird, wenn Frauen Untergebene verführen. Und sich die Männer möglicherweise auch weniger laut beschweren.“ Verführen. So steht es 2017 im Spiegel. Und niemand lacht. In Deutschland geht sowas durch.

Über Jahrtausende war Sexualität nicht ein Instrument zur Erzeugung von Lust, sondern von Macht: zur Beherrschung der Frauen. Der Anspruch einer gleichberechtigten, kommunikativen Sexualität, auch zwischen den Geschlechtern, ist relativ neu. Es ist ein zartes Pflänzchen, das gehegt und geschützt werden muss. Aber da, wo weiterhin Machtverhältnisse herrschen, hat dieses zarte Pflänzchen wenig Chancen zu gedeihen.

Das Fundament jeder Gleichberechtigung, also Eigenständigkeit, ist die Ökonomie. Wir wissen, der vor allem Lebenslauf-bedingte Gender Pay Gap zwischen Frauen und Männern beträgt in Deutschland 22 Prozent. Und jede zweite berufstätige Frau arbeitet teilzeit. Das Weltwirtschaftsforum meldet: In Sachen wirtschaftlicher Gleichheit liegen Frauen in Deutschland im Jahr 2017 auf Platz 43, noch hinter Kamerun und Jamaika.

Diese Abhängigkeit ist der Boden, auf dem die Scham gedeiht, oft missverstanden als Demut – und umgekehrt: Diese Scham verhindert das Selbstbewusstsein, das es für einen eigenen, selbstbestimmten Weg braucht. Und dann ist da noch die Angst. Die Angst, dass der Ehemann sich eine Handzahmere nimmt, wenn seine Frau unbequemer wird. Die Angst, die Stelle zu verlieren, wenn die Angestellte fordernder wird. Die Angst vor dem Blick des Anderen, die Angst, sich zu „blamieren“.

Wir wissen es schon lange aus Umfragen: Das Risiko, Opfer sexueller Gewalt zu werden, ist in zwei gegensätzlichen Branchen besonders groß: in klassischen Frauenbranchen, wo Gefälligkeit zum Berufsbild gehört (vom Zimmermädchen bis zur Schauspielerin) und in traditionellen Männerbranchen, wo die Erstgeborenen das Eindringen der Neuen durch sexuelle Stigmatisierung und Gewalt abwehren (von der Polizei bis zum Militär). Und klar, in den Chefetagen.

Das Praktische für die Sexualtäter ist, dass das Opfer immer Beweisschwierigkeiten hat. Denn in der Regel werden die Herren ja übergriffig, wenn sie mit ihren Opfern allein sind. Also „Aussage gegen Aussage“, wie mir jüngst nach meinem Vortrag in Stuttgart ein älterer Gentleman aus der Chefetage triumphierend zuzischte: „Keine Beweise!“

Beim Vergleich mit anderen Ländern der westlichen Welt scheint die Einschüchterung der Frauen in Deutschland noch immer besonders niederschmetternd. Es fällt auf, dass ausgerechnet hierzulande bisher noch kein einziger Täter-Name genannt wurde (Anfang des Jahres fiel ein erster Name: Der des Regisseurs Dieter Wedel - er hat allerdings schon einen Eid darauf geschworen, dass alles ganz anders gewesen sei). Dafür hat aber schon mal ein Berliner Prominentenanwalt vorauseilend mutmaßliche Opfer gewarnt („Beweise!“). Und eine Hamburger Journalistin auf der oberen Hierarchieleiter der Zeit hat tatsächlich zur juristischen Verfolgung ihrer eigenen jungen Kollegin von ZeitOnline geraten. Die hatte gewagt, Andeutungen über sexuelle Gewalttäter im Berliner Kulturbetrieb zu machen, ohne Namen zu nennen.

Gegen solche Einschüchterungsversuche wagen jetzt Frauen in der ganzen Welt – gerade sogar in dem arabischen Land Jordanien! – sich zumindest im öffentlichen und beruflichen Bereich zu wehren. Im privaten Bereich sieht das allerdings nochmal anders aus.

Je „privater“ die sexuelle Gewalt ist, umso heißer wird das Terrain. Die Vergewaltigung auf der Straße wird inzwischen verfolgt (doppelt, sobald es ein dunkler Ausländer ist). Die sexuelle Gewalt im Beruf wird nun immerhin wieder thematisiert. Aber die sexuelle Gewalt im Ehebett oder Kinderzimmer – das ist weiterhin das ganz große Tabu. Diese Opfer stoßen auf eine mächtige Lobby, die grundsätzlich als erstes tönt: Das Kind/die Frau lügt!

Was wir Frauen brauchen, sind männliche Verbündete!

Ein Paradebeispiel dafür ist der Fall Woody Allen. Er ist letztendlich nicht zufällig der Auslöser für den Weinstein-Skandal. Der Sohn von Woody Allen hat ihn ins Rollen gebracht. Nachdem Ronan Farrow vor 25 Jahren ohnmächtig hatte zusehen müssen, wie die Klage seiner siebenjährigen Schwester Dylan wegen Vergewaltigung durch den Vater ungehört verhallte; nachdem der Sohn weiter zusehen musste, wie sein Vater mit einer anderen seiner (sozialen) minderjährigen Töchter Pornos produziert hatte und sodann das traumatisierte ehemalige Straßenmädchen aus Asien heiratete; nachdem der Sohn hinnehmen musste, dass auch die öffentliche Distanzierung von seinem Vater, dem „Zerstörer meiner Familie“, von ihm und seinen Geschwistern ungehört verhallte und der Täter bis heute auf allen Festivals über den roten Teppich schreitet – nach all dem entschloss Ronan sich, zu handeln. Er unterlag bei der Anklage der „privaten“ Sexualgewalt – aber siegte bei der im Beruf.

Woody Allens Sohn Ronan war es, der 2016/2017 zusammen mit seiner Mutter Mia Farrow monatelang recherchiert und es geschafft hat, Stars und Sternchen in Hollywood zum Reden zu bewegen. Doch auch der Bericht des Journalisten landete bei seinem TV-Sender NBC in der Schublade. Monatelang. Bis Ronan Farrow zum New Yorker ging. Das Wochenmagazin veröffentlichte seine Recherchen. Und wenige Tage vor Erscheinen zog die Tageszeitung New York Times mit ihren Enthüllungen vor. Auch die müssen schon lange in der Schublade gelegen haben. Das ist die Rache des Sohns am Vater und an ganz Hollywood, das weggesehen hatte.

Was wir Frauen also brauchen, sind männliche Verbündete! Ihre Stimme, auch die unserer Söhne, wiegt immer noch um so vieles mehr als unsere. Wir brauchen sie auf allen Ebenen: zuhause, im Büro, in den Medien, in der Justiz, in der Politik!

Also, Männer: #HowIWillChange!

Alice Schwarzer

Aktualisierte Fassung vom 12. Januar 2018

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