Grüne Fegebank - Die Hanseatin

Foto: Bertold Fabricius/Pressebild.de
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Politisch hatte Katharina Fegebank das Wesentliche geklärt, bevor sie ihre Kinder auf die Welt gebracht hat. Es war der Oktober 2018, weit vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg, und Fegebank stand hochschwanger auf einer kargen Bühne bei dem Landesparteitag der Hamburger Grünen. Sie hielt eine umjubelte Rede, und fast 92 Prozent der Anwesenden stimmten danach für sie als Spitzenkandidatin. Alleine, und nicht zusammen mit einem Mann, wie noch bei der Wahl zuvor. Wenige Wochen später waren ihre Zwillinge auf der Welt. Zur Weihnachtszeit gab sie schon ein Interview über Schlafmangel und Mutterglück mit Foto im Rathaus. Der Wahlkampf war eröffnet.

In Hamburg ist Katharina Fegebank schon lange so etwas wie die erste Frau in der Politik der Stadt, spätestens seit 2015 als Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft. Und umso mehr als erste Bür­germeisterkandidatin, die ihre ­Partei ins Rennen geschickt hat. Es wird oft berichtet, wie freundlich sie sei, wie aufgeschlossen. Eine nahbare Frau, die andere einzubinden versteht. Das ist auch nicht falsch. Es sollte nur nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sich auch behaupten kann. 

Fegebank ist 1977 geboren und als Tochter zweier LehrerInnen – die Mutter „sehr progressiv“, der Vater „extrem konservativ“ – im Hamburger Speckgürtel aufgewachsen. Nach dem Studium der Politik in Freiburg und der Europawissenschaften in Berlin, arbeitete sie bis 2013 unter anderem als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Lüneburger Universität. Ihre Parteikarriere hatte da schon Fahrt aufgenommen, zu den Grünen war sie bereits 2004 gestoßen. Gefördert wurde sie von der heutigen Bundestagsabgeordneten Anja Hajduk. Die brachte die junge Frau in den Hamburger Landesvorstand, 2008 wurde Fegebank ihre Nachfolgerin im Landesvorsitz. 

Ein rasanter Aufstieg. Als die schwarz-grüne Koalition in Hamburg zwei Jahre später platzte, hätte es aber auch für Fegebank schnell vorbei sein können. Sie hielt sich jedoch an der Spitze und führte die Grünen 2015 wieder in die Regierung, nun an der Seite der SPD. Wieder wurde es eng für sie, die Partei war unzufrieden mit dem Koalitionsvertrag. Fegebank aber setzte sich durch. 

In ihrem Amt als Wissenschaftssenatorin sind Innovation und Forschung ihre Themen. Dass die Hamburger Universität den Exzellenz-Status errang, durfte sie als Erfolg für sich verbuchen. Dass Katharina Fegebank auch zuständig ist für Gleichstellung, ging darüber manchmal etwas unter. „Dass die vollständige Gleichstellung aber längst noch nicht erreicht ist, das ist kein abstraktes Gefühl, das ist Fakt“, erklärte die Senatorin, als sie im vergangenen Jahr den „Hamburger Gleichstellungsmonitor“ vorstellte. 

Über ihre Erfahrungen als Mutter sprach sie immer wieder mal. Als die Senatorin kaum vier Monate nach der Geburt ihrer Zwillinge wieder voll in die politische Arbeit einstieg, erwähnte sie „die vielen Hände“, die halfen, den Doppelkinderwagen in den Bus zu hieven und die so unverzichtbare Unterstützung der Großeltern. Der Vater der Kinder ist ein Geschäftsmann, der ebenfalls voll arbeitet. 

In ihrem Wahlkampf war Gleichstellung kein Thema. Nur einmal blitzte es kurz auf bei der Diskussion über eine 16-jährige Schülerin, die auch in der Schule ihren Gesichtsschleier nicht lüften wollte (siehe S. 53). Fegebank forderte ein Verbot: „Burka und Niqab sind für mich Unterdrückungssymbole.“ Ansonsten ging es um den chaotischen Verkehr, die hohen Mieten, das Klima. 199 Bürgermeister sollen Hamburg bislang geführt haben, ganz genau weiß das keiner. Klar ist nur, dass es alles Männer waren. Bei Redaktionsschluss stand das Ergebnis der Wahl noch nicht fest und damit auch nicht, ob Nummer 200 eine Frau werden würde. Mit Fegebanks Kandidatur war es immerhin eine Möglichkeit geworden. 

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