Leihmutterschaft: Frauen sagen NEIN!
Am Mittwochabend war die Welt für Jens Spahn wohl noch in Ordnung. „CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann sind Papas geworden“, titelte die Bild. Andere große Medien zogen rasch nach und gratulierten den „frischgebackenen Papas“ oder den „Vätern im Babyglück“. Der letzte Satz am Ende der Beiträge wirkte wie die lästige Warnung zu Risiken und Nebenwirkungen bei Medikamenten: „Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten.“
Dieser Widerspruch schien auch für viele Medien erstmal keiner zu sein. Kein Wunder, seit Jahren geistern dort die Märchen-Geschichten vom „Babyglück durch Leihmutterschaft“ umher, gerne mit gutaussehenden homosexuellen Protagonisten, die sich rührend um ihr Baby kümmern.
Tausende Frauen protestierten auf Social Media, hängten sich in Diskussionen in Chats und Foren der Leitmedien und gaben überwältigend Kontra. Tenor: „Da wird ein Kind bestellt und gekauft. Das ist gegen die Menschenwürde!“ und „Dass ein deutscher Spitzenpolitiker sich über deutsches Recht hinwegsetzt, noch dazu gegen die Haltung der eigenen Partei, die er zur Krönung des Ganzen selbst noch wenige Monate zuvor vertreten hat, damit darf er nicht durchkommen“.
Die Proteste aus der Bevölkerung waren so massiv, dass sich das Blatt wendete
Der Verein „Frauenheldinnen“ forderte in einem Offenen Brief die CDU-Frauen auf: „Sie haben das Verbot beschlossen, sorgen Sie jetzt dafür, dass es der Wirklichkeit standhält!“
Gesagt, getan, denn auch unter den CDU/CSU-Frauen brodelt es schon seit langem in Sachen Leihmutterschaft. Die stärkste Kritik kam von Marion Rosin (Landesvorsitzende der Frauen Union in Thüringen) und Cornelia Schmachtenberg (Vorsitzende der Frauen Union Schleswig-Holstein). Rosin erklärte: „Wenn die Glaubwürdigkeit eines Spitzenpolitikers verloren geht, ist Rücktritt eine Frage der Konsequenz.“ Sie betonte, dass Politiker, die moralische und gesetzliche Maßstäbe für die Bevölkerung setzen, sich auch selbst daran messen lassen müssen, und sie verwies ausdrücklich auf den klaren Verbotsbeschluss der CDU im Februar. Sie forderte umgehend den Rücktritt von Jens Spahn. Und Schmachtenberg ergänzte: "Das wäre nur konsequent!"
Auch Klaus Holetschek (CSU) betonte in den Medien: „Leihmutterschaft berührt den Kern unseres Menschenbildes. Die Würde des Menschen ist unantastbar und darf niemals zum Geschäftsmodell werden. Gerade für die CSU steht der Schutz der Menschenwürde an erster Stelle.“
EMMA titelte mit „Spahn hat sich ein Kind gekauft“ und berichtete, was das „Glück des Einen“ auf Kosten „des Anderen“ in Wahrheit bedeutet: Knebelverträge, Hormonbehandlungen, Zwangsabtreibungen, Geschlechts-Selektion, der totale Verzicht auf körperliche Selbstbestimmung. Mutter und Kind werden zu Ware – in einem globalen Milliarden-Dollar-Markt.
Alice Schwarzer warf dem CDU-Politiker öffentlich "Doppelmoral" und Rechtsbruch vor und betonte, dass weder eine Frau als Gebärmaschine noch ein für Geld produziertes Kind käuflich sein dürften.
Auch ein vorbestrafter Sexualstraftäter kann sich ein Kind kaufen
Die Proteste der Bevölkerung waren am Donnerstag so massiv, dass sich das Blatt innerhalb von Stunden wendete. Nun berichteten auch die Leitmedien kritisch und in einigen Fällen sogar kundig, wie Frederik Schindler in der Welt zum Beispiel: „Ein Kinderwunsch begründet keinen Anspruch auf den Körper einer Frau.“ Auch die taz titelte: „Die Frau als Brutkasten - Eine Leihmutterschaft degradiert eine Frau zur Gebärmutter auf zwei Beinen. Ähnlich wie beim Organhandel beuten Reiche die Unterprivilegierten aus!“
Was viele Menschen bis dato nicht wussten: Jeder Mensch, auch ein vorbestrafter Sexualstraftäter, kann sich im Ausland ein Kind kaufen. So geschehen 2020. Da wurde vor dem Landgericht Berlin über Dennis S. verhandelt, der sich ein Kind von einer Leihmutter in Zypern kaufte, um es nach Deutschland zu holen und sexuell zu missbrauchen. Der Fall ging erneut durch Social Media.
Auch der Versuch, Homophobie als Begründung für die Kritik an Spahn anzuführen, lief ins Leere. Die Versuche der Pro-Leihmutterschaftslobby (der die liberale Zeit eine Stimme gab), dieses menschenverachtende Geschäft noch irgendwie in ein „modernes“, „liberales“ Licht zu rücken, scheiterten kläglich. Tenor: „Es geht nicht um queere Elternschaft, Herr Spahn. Auch Heteros kaufen Kinder. Es geht um Menschenhandel und die Ausbeutung von Frauen!“
Pro-Leihmutterschaftsaktivisten wie der Jurist Ralf Höcker oder Jens Landwehr, die selbst in den USA Kinder gekauft haben und den Standpunkt vertreten, die Leihmutter habe mit dem Kind gar nichts zu tun, weil die Eizelle von einer anderen Frau komme und das Sperma von ihnen, griffen nicht (mehr). „Eine Frau ist kein Brutkasten. Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat“, schallte es ihnen entgegen. Und im Fall von Landwehr war selbst dem Moderator auf Welt TV anzusehen, dass er sein Gegenüber nicht für voll nahm.
In Deutschland machen sich bisher ausschließlich die vermittelnden Personen und die beteiligten Ärzte strafbar, während KäuferInnen straffrei bleiben. Die Ärzte und Agenturen sind aber in den Ländern, in denen Leihmutterschaft legal ist. Das muss sich auch juristisch ändern. Es darf nicht länger der Ort zählen, wo die Leihmutterschaft stattfindet, sondern der Ort des Lebensmittelpunktes der Auftraggeber muss entscheident sein.
Dann hätte das straffreie Babyshoppen im Ausland ein Ende.

