Wissenschaftler schlagen Alarm!

Initiatorinnen des Manifests: Caroline Eliacheff und Céline Masson. Foto: Hannah Assouline
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Fünf Wochen ist es her, dass 100 deutsche WissenschaftlerInnen, MedizinerInnen und PsychologInnen die Medien wegen ihrer einseitigen und oft unsachgemäßen Berichterstattung zum Thema Transsexualität kritisiert hatten. Sie hatten die Medien zu einer „faktenbasierten Darstellung biologischer Sachverhalte nach dem Stand von Forschung und Wissenschaft“ aufgefordert. 

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Jetzt legen MedizinerInnen aus acht Ländern nach. „Wir,  Wissenschaftler, Mediziner, Psychologen, Pädagogen und Vertreter anderer Professionen aus Europa, rufen die öffentlich-rechtlichen und privaten Medien unserer Länder dazu auf, in ihrer Berichterstattung zum Thema Geschlecht und Geschlechtsdysphorie (bzw. Transsexualität) seriöse Studien und wissenschaftlich belegte Fakten korrekt und wahrheitsgemäß darzustellen“, heißt es in dem „Europäischen Manifest“

Und weiter: „Derzeit gibt es zu viele Sendungen und Berichte, in denen Forderungen von Transaktivisten unhinterfragt und oft ohne jede Objektivität wiedergegeben werden. Kritische Wissenschaftler haben in diesen Sendungen entweder gar keinen Platz oder sie werden öffentlich desavouiert, bevor die Debatte überhaupt begonnen hat.“ Fazit: „Wir fordern die Fernseh- und Radiosender sowie die Printmedien auf, die Vielfalt der Standpunkte zum Thema zu repräsentieren sowie auch, die wissenschaftlich belegten Fakten zum Thema Geschlechtsdysphorie und Transsexualität angemessen darzustellen.“

Derart schwerwiegende und irreversible Entscheidungen bei Jugendlichen müssen sehr genau hinterfragt werden

Initiatorinnen des Manifests sind die französische Psychologie-Professorin Céline Masson und Caroline Eliacheff, eine der bekanntesten Psychoanalytikerinnen Frankreichs (Foto). Masson und Eliacheff haben die Initiative „La Petite Sirène“ gegründet, ein Netzwerk aus (Kinder)PsychologInnen, SoziologInnen, JuristInnen und anderen , die erklären: „Wir sind der Ansicht, dass derart schwerwiegende und irreversible Entscheidungen (wie eine Transition bei Kindern und Jugendlichen, Anm. d.Verf.) sehr genau hinterfragt werden müssen.“ Andernfalls seien die Folgen dramatisch: "Die Frühmedikalisierung wird ausgeweitet, obwohl die Zahl der sogenannten Detransitioner stetig wächst. Von diesen betroffenen jungen Menschen, die oft schwer an den körperlichen Folgen ihrer Transition leiden, beklagen immer mehr die Leichtfertigkeit, mit der sie von Ärzten behandelt wurden."

Dieser Ansicht sind auch die UnterzeichnerInnen des Europäischen Manifests: 140 MedizinerInnen, KinderpsychologInnen, ProfessorInnen für Genetik oder Gynäkologie, Philosophinnen und Psychoanalytiker aus Frankreich, Belgien, Deutschland, der Schweiz, Großbritannien sowie Schweden, Norwegen und Finnland. 

Darunter die französische Philosophin und Feministin Elisabeth Badinter und gleich mehrere PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, die die britische Tavistock-Klinik aus Protest gegen die aus ihrer Sicht fahrlässigen Behandlungen von Kindern und Jugendlichen verlassen haben. Eine dieser Jugendlichen ist die inzwischen 23-jährige Keira Bell, die die Gender-Klinik verklagt hat, weil sie eine Hormonbehandlung eingeleitet hatte, ohne die angebliche Transsexualität der 16-Jährigen angemessen zu hinterfragen. Für Deutschland sind drei der fünf VerfasserInnen des deutschen Aufrufs an die Medien dabei, sowie zahlreiche PsychologInnen und BiologInnen. Auch die Eltern-Initiative „Trans Teens Sorge berechtigt“ hat unterzeichnet, ebenso die Sprecherin der „LGB Alliance“. 

Die Académie Nationale de Médicine warnt vor einer "Überdiagnose" bei Jugendlichen und mahnt "größte Vorsicht" an

Das Manifest erscheint einige Wochen, nachdem in Frankreich die „Académie Nationale de Médicine“ ebenfalls vor der leichtfertigen Medikalisierung Jugendlicher gewarnt hat. Es handle sich um ein „Phänomen epidemischen Ausmaßes“. Die Akademie warnte vor dem Risiko der „Überdiagnose“, weshalb bei der Gabe von Pubertätsblockern und Hormonen „größte Vorsicht“ herrschen und die Phase der psychologischen Betreuung so lang wie möglich ausgeweitet werden sollte. 

Angesichts der immer lauter werdenden Wortmeldungen von WissenschaftlerInnen mutet es immer merkwürdiger an, dass sämtliche Kritik am von der Ampel-Koalition geplanten „Selbstbestimmungsgesetz“ als „unwissenschaftlich“ diskreditiert wird. Auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann wehrt jede inhaltliche Auseinandersetzung über die Folgen eines solchen Gesetzes damit ab, dass er die Kritik als „unwissenschaftlich“ abtut und darüber hinaus KritikerInnen -MedizinerInnen, Eltern-Initiativen oder auch Transmenschen selbst – als „transfeindlich“ oder gar „menschenfeindlich“ beschimpft. 

Der Queer-Beauftragte Lehmann und auch Bundesfrauenministerin Lisa Paus, die bei der Präsentation der Eckpunkte des Selbstbestimmungsgesetzes am 30. Juni keinerlei Kenntnisse der alarmierenden Studienlage zu haben schien, täten gut daran, die immer lauter werdenden Alarmrufe ernstzunehmen. Alles andere wäre nicht nur „unwissenschaftlich“, sondern: wissenschaftsfeindlich. 

Das Europäische Manifest kann hier unterzeichnet werden.

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Humboldt-Uni cancelt Vortrag

Marie-Luise Vollbrecht hat ihren Vortrag doch noch gehalten, auf youtube.
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Wollte Marie-Luise Vollbrecht in ihrem Vortrag transsexuellen Menschen ihre Rechte absprechen? Wollte sie die Existenz von Transsexualität leugnen? Wollte sie gar zum Hass gegen Transmenschen aufrufen? Nein. Die Biologin, die gerade an der Humboldt-Universität zum Thema schwach-elektrische Fische promoviert, wollte in der „Nacht der Wissenschaften“ einen Vortrag über die Frage halten, „warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“. Doch das wurde verhindert. Zunächst.

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Der „arbeitskreis kritischer jurist*innen“ (akj) rief zu einem „Gegenprotest“ auf. Begründung: Die „Behauptung“, in der Biologie gäbe es nur zwei Geschlechter, sei „unwissenschaftlich“ und außerdem „menschenverachtend und queer- und trans*feindlich“.

Die „Behauptung“, in der Biologie gäbe es nur zwei Geschlechter, sei „transfeindlich“

Stellte sich nun die Humboldt-Uni vor ihre Doktorandin? Sorgte sie für Schutz? Stand sie dafür ein, dass Marie-Luise Vollbrecht ihren Vortrag halten konnte? Nein. Die Universität sagte den Vortrag ab: aus „Sicherheitsgründen“. Die Aktivist*innen haben ihr Ziel erreicht.

Was steckt hinter dem Protest gegen die Biologin? Marie-Luise Vollbrecht ist eine von fünf VerfasserInnen eines Aufrufs, in dem sie Ende Mai die einseitige Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien über das Thema Transsexualität kritisiert hatten. „Wir fordern eine Abkehr von der ideologischen Betrachtungsweise zum Thema Transsexualität und eine faktenbasierte Darstellung biologischer Sachverhalte nach dem Stand von Forschung und Wissenschaft“, hatten die AutorInnen erklärt.

Der Aufruf wurde von über 100 WissenschaftlerInnen u.a. aus Medizin, Biologie oder Sozialwissenschaften sowie PsychologInnen und PsychotherapeutInnen unterzeichnet. Der Aufschrei gegen das „transfeindliche Pamphlet“ ließ nicht lange auf sich warten.

Einschüchterungsversuche der trans Lobby häufen sich leider auch in Deutschland

Marie-Luise Vollbrecht ist nicht nur Biologin, sondern auch laut Eigendefinition „sehr links“ und Feministin. In einem Interview mit dem Autonomie-Magazin erklärte sie, warum sie den Aufruf unterzeichnet hatte. Frage: „Warum ist Zweigeschlechtlichkeit nicht egal?“ Antwort: „Warum ist es nicht egal, dass die Erde keine Scheibe ist? Weil Ideologie nichts in der Wissenschaft zu suchen hat. Weil es entscheidend für die medizinische Forschung ist. Weil es nötig ist, das politische Subjekt der Frau sichtbar zu machen, welches juristisch nicht mal 100 Jahre als gleicher Mensch gilt und in vielen Teilen der Welt immer noch nicht.“

Und Vollbrecht hatte erklärt: „Wenn eine Frau dagegen aufbegehrt, und sei es, dass sie nicht glaubt, dass Männer per Sprechakt zur Frau werden können, oder wenn sie darauf besteht, frauenzentrierten Aktionismus zu betreiben, dann ist sie nach queerfeministischem Verständnis menschenfeindlich. Die Ablehnung des Glaubensbekenntnisses ist die moralische Rechtfertigung einer Hexenjagd.“

Keine zwei Wochen nach Erscheinen des Interviews wird die Biologin selbst zum Opfer einer solchen Hexenjagd. Solche – oft erfolgreichen – Einschüchterungsversuche häufen sich leider auch in Deutschland.

Den Vortrag von Vollbrecht haben inzwischen über 77.000 Menschen gesehen

Und die Transaktivisten und ihre Allies sind nicht zimperlich. In Köln beschmierten sie den FrauenMediaTurm, den Sitz der EMMA-Redaktion, mit dem Spruch „EMMA-TERFs ins Klo“. In Halle besprühten sie das Frauenzentrum „Dornrosa“ mit dem Spruch „TERFs boxen“ und auf dem Kölner Dyke March boxten sie tatsächlich: Eine Gruppe Frauen hatte sich an einer Unterführung, unter der der Dyke March entlanglief, mit Plakaten postiert: „Lesbe = homosexuelle Person weiblichen Geschlechts“ stand dort und „Lesbe = homosexuell, nicht queer“. Eine Regenbogenfahne mit den Buchstaben „LGB“ (ohne T) sollte zum Ausdruck bringen, dass Homorechte und Transrechte nicht zwingend identisch sind.

Die Frauen wurden angegriffen, gestoßen und geschüttelt, ihre Transparente weggenommen. Plakate anderer Dyke March-Teilnehmerinnen, auf denen „Fuck TERFs“ stand, blieben hingegen unbehelligt. „Lesbenräume verschwinden – dafür steht auch der Dyke March als Paradebeispiel“, twitterten die Protestierenden von der Womens Declaration International (WDI).

Marie-Luise Vollbrechts Vortrag hat trotz aller Proteste doch noch stattgefunden – auf youtube. Inzwischen haben ihn über 77.000 Menschen gesehen. Wer seine Kenntnisse über die geschlechtliche Fortpflanzung von Pflanzen und Tieren, sein Wissen über diploide und haploide Keimzellen aus dem Biologieunterricht auffrischen möchte, der und die ist hier richtig. Auch die Frage, warum Kiwibäume und Seeigel zwar ein Geschlecht (sex), aber keine Geschlechtsidentität (gender identity) haben, wie zuweilen fälschlicherweise von Medien behauptet, erklärt die Biologin einleuchtend. Von Transsexualität ist im gesamten Vortrag übrigens nicht mit einem Wort die Rede. 

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