Lehrerinnen fordern: Handelt endlich!

Julia Wöllenstein, Ingrid König und Ute Vecchio: "Es wird nicht besser, sondern immer schwieriger." - Foto: Bettina Flitner
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Sie kamen zu dritt und hatten einiges zu erzählen. Darüber, was sie an ihren Schulen erleben und was dort alles schiefläuft. Aber auch: was gut läuft. Mit beidem sind sie an die Öffentlichkeit gegangen. Zwei von ihnen, Ingrid König und Julia Wöllenstein, sind so besorgt über die Zustände, dass sie sogar ein Buch geschrieben haben: „Schule vor dem Kollaps?“ und „Von Kartoffeln und Kanaken“. Die dritte in der Runde, Ute Vecchio, hat sich mit ihrer Flüchtlingsklasse für die Filmdoku „Klasse Deutsch“ von einem Kamerateam begleiten lassen.

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Wir EMMAs hatten ja schon einiges gehört, als wir im Herbst 2017 für unser Dossier „Problem Schule“ mit zahlreichen Lehrerinnen gesprochen haben. Marode Gebäude, vernachlässigte Kinder oder muslimische SchülerInnen, die einen Film über Darwin ausbuhen, weil „Allah die Welt erschaffen hat“.

Ein großes Problem: Die völlig getrennten Welten

In dem Gespräch mit Ingrid König, Julia Wöllenstein und Ute Vecchio aber waren wir - Alice Schwarzer und Chantal Louis - regelrecht schockiert. Und zwar vor allem über die völlig getrennten Welten, in denen die Brennpunkt-SchülerInnen – von denen 98 Prozent einen Migrationshintergrund haben – und die deutschen SchülerInnen leben. Und auch von gleichgültigen oder resignierten KollegInnen. Oder von der repressiven Rolle der Schulbehörden, die nur eines wollen: keinen Ärger.

„Meine Kinder meinen ernsthaft, Deutschland sei ein muslimisches Land, in dem auch ein paar Christen leben“, berichtete Ingrid König von ihrer Frankfurter Grundschule. Und Julia Wöllenstein aus Kassel erzählte von einem Theatertreffen mit anderen Schulen, nach dem sich ihre Schülerinnen wunderten: „Wir wussten gar nicht, dass es so viele blonde Kinder mit blauen Augen gibt!“

Die drei erzählten von Kindern, die kaum Deutsch können, und Eltern, denen das egal ist. Aber sie berichteten auch von ihrem erfolgreichen Engagement für diese Kinder und ihrem Kampf darum, dass die Gesellschaft endlich hinschaut. „Man engagiert sich halt, weil einem diese Kinder am Herzen liegen,“ sagt Julia Wöllenstein.

Das ganze Gespräch in der aktuellen EMMA.  Am Kiosk und im EMMA-Shop!

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Was ist an den Schulen los?

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Ich unterrichte an einer ausgesproche­nen Brennpunktschule mitten im Ruhrpott. Die Schule gehört zur Kategorie „Standort 5“, also: bildungsfer­ne Elternhäuser, Eltern meist Hartz IV-Bezieher und oft nicht der deutschen Sprache mächtig, mit einem sehr hohen Anteil muslimischer Schülerinnen und Schüler.

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Es gibt Klassen, in denen kein Unterricht mehr möglich ist

In der Sekundarstufe I, also der 5. bis 10. Klasse, gibt es Klassen mit 25 bis 31 SchülerInnen. Die haben von Hause aus weder Erziehung noch Benehmen mitbe­kommen und kommen zum großen Teil völlig gehirngewaschen aus den umliegen­den Moscheen in den Unterricht. Als Lehrer merkt man sofort, welche Kinder „die Ungläubigen“ und das „westliche“ Denken ablehnen.

Es gibt ein paar Klassen, mit denen Unterricht überhaupt möglich ist, und es gibt viele Klassen, in denen fast kein Un­terricht mehr möglich ist. Und diese „schwierigen Klassen“ werden immer mehr. Jeder Lehrer mutiert in solchen Klassen zum Sozialpädagogen, denn es geht nur noch darum, die Horde einiger­maßen zu bändigen, bis es gongt.

In Gesamtschulen gibt es zwar den Trainingsraum, in den man Schüler schi­cken kann, wenn sie sich im Unterricht danebenbenehmen. Im Trainingsraum sollen sie auf einem Blatt ihr Verhalten „reflektieren“. Die Schüler haben das je­doch schnell raus und schreiben einfach, was erwünscht ist. Am realen Verhalten ändert das rein gar nichts.

Schickt ein Lehrer zu viele Schüler in den Trainingsraum und das wiederholt, wird von Seiten der Schulleitung moniert, dass mit dessen Unterricht was nicht stimme. Erfahrene Lehrer wissen das und schicken daher kaum Schüler in den Trai­ningsraum. Überhaupt wird von Lehrern erwartet, dass sie mit solchen Horden umgehen können – wenn nicht, fällt das nicht etwa auf die Schüler negativ zurück, sondern auf die Lehrer. Die Schulleitun­gen sind vorrangig darauf aus, das Image ihrer eigenen Schule nach außen zu wah­ren, eine echte Unterstützung der Lehrer findet so gut wie nicht statt.

Die Schülerinnen und Schüler sind in der Sekundarstufe I extrem unruhig, laut, beleidigen sich gegenseitig („Ich ficke dei­ne Mutter!“), verprügeln sich und kön­nen sich nicht drei Minuten lang – und ich meine: drei Minuten! – auf eine Sache konzentrieren.

Einer zeigte auf dem Handy das Foto seiner "Lieblingsnutte"

Dazu kommt die Gehirnwäsche in den Moscheen, die sie in diesem Alter bereits regelmäßig besuchen. Sobald es darum geht, was Mädchen zuhause dürfen und was Jungs dürfen, sind wir wieder voll im Mittelalter. Muslimische Jungs aus einer meiner 10. Klassen sagten ganz freimütig, dass sie regelmäßig zu Prostituierten gin­gen und einer zeigte mir sogar auf seinem Handy ein Foto von seiner „Lieblingsnut­te“ aus einem Billigpuff. Klar ist gleich­zeitig, dass jedes muslimische Mädchen, das einen Jungen nur ansieht, „die letzte Schlampe“ ist.

Was Jungs dürfen, dürfen muslimische Mädchen noch lange nicht. Ein nettes muslimisches Mädchen hatte einen Freund, ihre Eltern durften nichts davon wissen, weil die sie sonst verstoßen hätten. Sie musste ihn heimlich treffen, hatte we­gen der Heimlichtuerei ständig Probleme und konnte sich deshalb auch oft im Un­terricht nicht konzentrieren.

Auf extrem großen Widerstand stieß ich in dieser 10. Klasse, als ich Weltent­stehungstheorien durchnahm. Wir hat­ten einen Film über Darwin und die Evolutionstheorie gesehen und der wurde geradezu ausgebuht. Die Schüler bestan­den darauf, dass Allah die Welt erschaf­fen hat und basta. Als ich vorsichtig dar­auf hinwies, dass auch der Koran ein Menschenwerk ist und damit kritisierbar, tobte der ganze Kurs: Nein, Allah hat Mohammed den Koran in die Feder dik­tiert! Und damit gilt er unveränderlich für alle Zeiten, ein für allemal in Stein gemeißelt, bis heute.

Der Islam sei die beste Religion und stehe über dem Grundgesetz, heißt es. An dieser Mauer pralle ich ab – und zwar to­tal. Nicht der Hauch einer Einsicht, dass man den Koran vielleicht nicht mehr auf heute beziehen kann, weil er historisch zu lesen ist. Nicht der Hauch. Nur geballter Widerstand.

Für die Äußerungen, dass der Islam über dem Grundgesetz stehe, musste sich keiner der Schüler je bei der Schulleitung rechtfertigen. Allerdings wurde ich, die Lehrerin, zum Gespräch zitiert, weil ich gewagt hatte zu sagen, dass der Islam wie jede andere Religion auch kritisierbar sei.

An der Schule gibt es auch Islamunter­richt von Lehrerinnen mit Kopftuch. In Vertretungsstunden habe ich mir von den Schülern mal zeigen lassen, was sie da so im Unterricht besprechen: Sie lernen die verschiedenen Stellungen beim Beten. Es gibt null Kritik am Islam, keine kritische Lesart des Korans. Die Schülerinnen und Schüler müssen Koranverse auswendig lernen. Die meisten, die den Islam-Unter­richt besuchen, sind flammende Erdoğan-AnhängerInnen. Übrigens auch viele der muslimischen Lehrerinnen und Lehrer.

Ein Film über die Evolutionstheorie wurde ausgebuht

Der Islam steht auch für die meisten muslimischen Schüler der Oberstufe bis hin zu den Abiturienten über dem Grundgesetz – was sie im Unterricht auch ganz offen sagen. Als Lehrerin habe ich die Pflicht, den Schülern demokratische Werte beizubringen. Ich zeige ihnen ger­ne den Film „Die Fremde“, in dem es um einen versuchten Ehrenmord geht. Die Mädchen geben mir hier immer seiten­weise die Kommentare zum Film ab, das Thema scheint sie also zu interessieren. Von den muslimischen Jungs bekomme ich kaum etwas.

Dennoch macht mir der Unterricht in der Regel Spaß, weil ich den einen oder anderen erreichen kann. Wir haben heftig diskutiert und die Schülerinnen und Schüler kamen zumindest ins Denken. Einer dieser muslimischen Schüler ist – obwohl auch er ein kleiner Macho ist – nun auf dem Weg, Finanzbeamter zu wer­den. Seine Eltern haben ihm von Anfang an gesagt, dass er die Lehrer hier wie sei­ne zweiten Eltern sehen soll. Kinder und Jugendliche, die diese Message von Hause aus mitbekommen, sind – mit Abstrichen – integrierbar.

Wie die Schule mit dem fundamenta­listischen Islam umgeht, ist oftmals ab­hängig von der Parteizugehörigkeit der Verantwortlichen und vor allem von dem Mut der Schulleiterin oder des Schullei­ters. Die alltägliche Gewalt, das Mobbing untereinander und der allgegenwärtige Is­lamismus werden von der Schulleitung gedeckelt und vertuscht. Vorrangig geht es immer um das eigene Schulleiter-Re­nommee, das vor der Bezirksregierung nicht beschmutzt werden soll. Die Fassa­de der eigenen Schule soll nach außen hin gut aussehen.

Die Lehrer wagen kaum noch etwas im Unterricht gegen islamistische Schüler zu sagen, weil sie dann selbst – nicht etwa die Schüler – am Pranger stehen und zur Schulleitung zitiert werden. Sie halten fortan die Klappe und sehen zu, dass sie keinen Ärger verursachen bzw. sprechen nur noch über Unverfängliches. Weil sie einfach nicht mehr können. Nur wenige Kollegen wispern sich zwischen Tür und Angel ins Ohr, dass sie das alles nicht mehr ertragen und nur noch laut schreien könnten – über unwidersprochene isla­mistische Äußerungen von Schülern und über die allgegenwärtige Feigheit der Schulleitung, die sich wegduckt.

Die Schulleitung vertuscht den allgegenwärtigen Islamismus

Es ist so, dass man als Lehrer sehr ge­nau aufpassen muss, was man vor der Klasse sagt, denn alles, was man sagt, kann weitergetragen werden und den Job kosten. Die Schule ist ein Minenfeld. Für demokratische Werte zu kämpfen, kann den Kopf kosten. Honoriert wird es schon gar nicht. Der Lehrer ist am besten angesehen, der den wenigsten Ärger verursacht.

Das System Schule ist so beto­niert, dass inner­halb dieses Systems kaum Besserung zu erhoffen ist. Die Politik müsste die Schulen zwingen, dafür Sorge zu tra­gen, dass der Isla­mismus und alle seine Folgen – Be­nachteiligung von Mädchen, Verach­tung der Lehrerin­nen, Intoleranz ge­genüber anderen Religionen etc. – an der Schule aktiv bekämpft und ge­brandmarkt wird. Bislang wollen die Schulen nur „Schu­le gegen Rassismus“ sein, nicht aber „Schule gegen Sexis­mus“ – und schon gar nicht „Schule ge­gen Islamismus“. Dabei müsste das das gute Renommee einer Schule sein: Dass sie für Demokratie und Geschlechterge­rechtigkeit eintritt! Und dass sie durch­greift und sanktioniert, wenn sich Schüler nicht daran halten.

Schulleiter sollten unbeschulbare Schülerinnen und Schüler viel schneller los werden und von der Schule verweisen können. Es müsste viel härtere Sanktio­nen gegenüber unverschämten, respektlo­sen Schülern geben. So viele denken nicht im Traum daran, sich hier vernünf­tig zu integrieren und zumindest eine Ausbildung zu machen, das sind ver­schwendete Ressourcen von Lehrern und Schulen. Integrationsunwillige sollten von der Schule verwiesen werden. Der Maulkorb für Lehrer muss weg. Die Angst der Lehrer muss weg.

Andrea F.

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