In der aktuellen EMMA

Traumberuf Truckerin

Rennfahrerin Ellen Lohr, die auch Truck-Rennen fährt, im Führerinnenhaus.
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Ich bin ja eine Truckerin. Eine LKW-Fahrerin mit Rennlizenz. So könnte man wahrscheinlich am besten zusammenfassen, was mich mit dem Business verbindet. Sieben Jahre war ich während meiner Motorsportkarriere im Renntruck unterwegs und habe dabei nicht nur diese sehr spezielle Art des Racing, sondern auch die Trucker-Gemeinde lieben und schätzen gelernt. Dabei sind mir natürlich auch einige Truckerinnen begegnet.

Heute sagt man dazu „Trucker Babes“, zumindest im TV bei Kabel Eins, wo die gleichnamige erfolgreiche Sendereihe im September in die sechste Staffel geht. Drei der Protagonistinnen dieser Dokumentation, deren Leben ‚on the road‘ porträtiert wird, sind: Jana Vetter, die „Chaos Queen“; Mona Krafthöfer, der „Diesel Vamp“; und Katrin Oschmann, der „Sonnenschein“.

„Babes“ also!? So richtig können sich die Truckerinnen selber nicht mit dem Label anfreunden. Schließlich fällt einer beim „Babe“ eher die weibliche Begleitperson eines „echten Asphalt Cowboys“ ein. Besondere Merkmale: Sexiness und ja ... nichts weiter. „Wir wollen aber unseren Job vorstellen und zeigen, was es konkret bedeutet, als Frau einen LKW durch Europa zu fahren!“ Das sagen alle drei. Und das dürfen sie bei Kabel Eins auch. Die Reportagen über die drei und ihre Kolleginnen sind bemerkenswert authentisch, die Geschichten der Frauen sind nicht, wie sonst so oft üblich, gescripted, sondern echt.

Nichtsdestotrotz kommen die Fahrerinnen nicht ohne einen TV-gerechten Spitznamen aus, wobei sich nur Jana Vetter den ihrigen selbst ausgewählt hat. Katrin kennen im Job alle nur als „Tinka“, auch wenn sie tatsächlich ein Sonnenscheinchen ist, und Mona ist mit einem „Mönchen“ sehr zufrieden. Sie bezeichnet sich selbst als Dorfkind, damit entlarvt sich die Bezeichnung als „Vamp“ also eher als Verkaufsslogan der Redaktion. Jana Vetter ist seit 19 Jahren im TruckerGeschäft und kann sich nichts anderes für sich vorstellen. „Ich liebe die relative Freiheit an dem Job. Ich kann im Großen und Ganzen meine eigenen Entscheidungen treffen und bin die ganze Woche über da, wo ich mich wohlfühle: auf dem Fahrersitz.“ Die 43-Jährige hat zwei Töchter und „Ich bin schon Oma“. Ihr Name „Chaos Queen“ stammt wohl eher aus der Zeit, als Jana noch die zwei Jobs, Mutter und Truckerin, unter einen Hut bringen musste, zumal ihr damaliger Mann ebenfalls ‚auf dem Bock‘ saß, also ständig unterwegs war. Schon Janas Vater war LKW-Fahrer. Er hat seine Tochter mit der TruckerLeidenschaft infiziert. Bei ihrer Jüngsten scheint sich die Reihe fortzusetzen: Sie hat gerade eine Ausbildung als Mechatronikerin beendet.

Auch bei Katrin Oschmann spielte die Familie eine Rolle bei der Berufswahl. In dem Fall der Bruder. Zunächst allerdings machte sie eine Ausbildung zur Kosmetikerin, erkannte aber schnell, dass das „irgendwie gar nicht mein Ding war“. Sie geht in den Metallbau. Kontrastprogramm. Am Ende überredet ihr Bruder sie zum LKW-Führerschein – und seitdem hat Katrin ihren Traumjob gefunden. Mona Krafthöfer wird in der Fahrschule klar, dass sie beruflich angekommen ist. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe mich sofort wohlgefühlt und wusste: Das ist es. Das willst du machen.“

Diese Leidenschaft ist es, die alle drei gemeinsam haben: für das On-the-Road-Sein und für ihren Truck. Als Jana zum ersten Mal ihren neuen Truck von ihrem Chef präsentiert bekommt, bricht die so toughe Frau vor Ergriffenheit in Tränen aus. Während viele denken würden, dass das „Leben auf der Straße“ hart sein muss – immerhin sind die drei jeweils die gesamte Woche unterwegs und nur am Wochenende zu Hause und fahren Betonteile oder Solarplatten durch ganz Europa –, sehen die „Babes“ darin vor allem Freiheit und Abenteuer. „Der Job ist nie gleich, jeden Tag passiert einem etwas Neues.“

Mona geht sogar so weit zu sagen, dass sie „am liebsten immer zehn Stunden am Stück fahren würde“. Sie sitzt aber auch nie alleine in ihrem Truck, ihr Partner in crime ist immer dabei: Bulldogge Monkey. „Das funktioniert super. Wenn er mal nicht sofort zu sehen ist, fragen die Kunden gleich nach, ob alles okay ist. Monkey und ich, wir sind ein Team.“ Eine Beziehung hat Mona zurzeit nicht und auch bei den anderen beiden fällt auf, dass der zukünftige zweite Ehemann (Jana) und der Lebensgefährte (Tinka) ebenfalls aus der Branche kommen, sie sind Trucker und Disponent. „Das Daten mit Männern, die nicht aus der Branche kommen, ist schwierig“, sagen die Frauen. „Die verstehen unser Leben nicht und es gibt viel Eifersucht. Die kommen nicht damit klar, dass die Frau die ganze Woche unterwegs ist und sie selbst abends zu Hause sitzen.“ Solche Frauen hält nicht jeder Mann aus. Frauen, die Sätze sagen wie: „Wir fahren nicht nur um den Kirchturm herum.“ – „Wir reden hier über Gurten, Ketten, hydraulische Stempel, Ladungssicherung und so was.“

Und vor allem: „Ich steh meine eigene Frau!“ (Jana Vetter) Ein bisschen anders läuft es aber dann doch für eine Frau in dem Job. „Frauen fahren gewissenhafter. Die fahren nicht einfach los, ohne vorher nachzudenken.“ Auch bei der Wahl der abendlichen Übernachtungsstätte wählen sie gerne „Abwegiges“. Obwohl noch keine von den Dreien je belästigt wurde und Tinkas Pfefferspray, das ihr ihre Mutter zum Führerschein geschenkt hat, noch nie zum Einsatz gekommen ist, übernachten sie alle gerne bei Kunden auf dem Parkplatz oder etwas abseits der üblichen Rastplätze. „Denn dort sieht man ja doch den ein oder anderen Kerl oben ohne und im Schlüpper rumlaufen, den Anblick erspare ich mir gerne“, lacht Tinka. „Feierabend heißt für mich, Motor aus, Handbremse rein, Ruhe.“ Eines ist für alle drei „Babes“ klar. Truckerin ist ein Traumjob! Und das wollen sie auch zeigen. „Deshalb machen wir in der Sendung mit.“

Bleibt zu hoffen, dass Kabel Eins sich treu bleibt und auch in der neuen Staffel keinen Babe-Kitsch, sondern starke Geschichten aus dem Truckerinnen-Alltag bringt.

TV Zehn neue Folgen der „Trucker Babes“ ab dem 6. September, 20.15 Uhr auf Kabel Eins.

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