In der aktuellen EMMA

Boykott: Die schwierigen Anfänge

Das EMMA-Team 1977.
Das EMMA-Team 1977.
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Oktober 2026.
Wir ordnen gerade das EMMA-Archiv, um es im Sommer 2027 dem Literaturarchiv in Marbach übergeben zu können. Da werden dann, nach der wissenschaftlichen Erschließung des Materials, alle Interessierten Zugang zum kompletten EMMA-Nachlass haben. Beim Durchforsten kommen Dokumente zutage, von denen wir selber nicht wussten, dass sie (noch) existieren. Anfang September 1976 hatte Alice Schwarzer die ersten Redaktionsräume gemietet: in der dritten und vierten Etage des Eckhauses Kolpingplatz 1a, schräg gegenüber vom WDR und einen Steinwurf entfernt vom Kölner Dom. Da saßen nun Alice Schwarzer und die frisch angeheuerte Redaktionssekretärin Christiane Ensslin. Und abends bzw. am Wochenende schauten erste Mitarbeiterinnen vorbei. Alice hatte den ganzen Sommer über schon vorgearbeitet, Organisatorisches angeleiert, von Berlin und Köln aus potenzielle Kolleginnen kontaktiert und ein erstes Konzept erarbeitet. 

DER RUNDBRIEF vom 29. September 1976
Am 29. September 1976 verschickte Alice Schwarzer mit den ersten Frauen, die am Kolpingplatz dazu kamen, einen Rundbrief an „die Frauenbewegung“, das heißt an alle Adressen, die der in der Bewegung engagierten Alice vorlagen. Nachfolgend veröffentlichen wir dieses erste Konzept im Original. Vieles ist für heutige Generationen vermutlich gar nicht richtig einzuordnen. Der Zeitgeist war ein ganz anderer. Die Zusammenarbeit mit den „etablierten Medien“ oder gar „etablierten Parteien“ war verpönt, „der Kapitalismus“ sowieso. EMMA zum Beispiel geriet ganz rasch in die Kritik, weil sie fest Angestellten (wie der Redaktionssekretärin) ein Gehalt zahlte. Am Ende des Rundbriefes deuten wir die Probleme schon an. Die ließen auch nicht auf sich warten.

DER BOYKOTT vom 15. November 1976 
Es traf Alice Schwarzer und das erste kleine Team überraschend. Alle Journalistinnen arbeiteten sehr engagiert, unbezahlt und Tag und Nacht. Am 30. Oktober 1976 flog Alice Schwarzer nach Berlin und stellte sich den Fragen der über 200 Frauen und ihrer Wortführerin Sibylle Plogstedt im Frauenzentrum. Zu diesem Zeitpunkt war die von Sibylle Plogstedt und Sabine Zurmühl sowie einem wechselnden „Kollektiv“ gemachte Courage noch eine Berliner Stadtzeitung, feministisch mit starkem Linksdrall und DDR-Nähe. Alice stand vier Stunden lang Rede und Antwort, bis in Details, wie zukünftige Autorinnen. Mit dem Resultat, dass zum Beispiel Margarete Mitscherlich, eine der geplanten Autorinnen, von Sibylle Plogstedt angerufen und vor Alice gewarnt wurde. Alice fuhr nach Köln zurück und arbeitete weiter. 

DIE ANTWORT vom 27. November 1976
Wir EMMA-Macherinnen sind genervt. In zwei Monaten soll die erste gedruckte EMMA am Kiosk liegen – und das wird sie: am 26. Januar 1977 in einer Auflage von 200.000. Aber wir haben uns permanent gegen Unterstellungen und Diffamationen zu wehren, allen voran durch Courage (die von Spiegel & Co. hämisch kommentiert werden). Nach Erscheinen der ersten EMMA werden die EMMAs ins Frauenzentrum zitiert. Nun ins Kölner. Sie erscheinen. Es wird ein Tribunal. Hauptvorwurf an Alice: Dass sie mit Romy Schneider gesprochen hatte. Sie hätte besser mit Arbeiterinnen sprechen sollen (zu dem Zeitpunkt hatte Schwarzer schon mit vielen Arbeiterinnen gesprochen, wie ihre Bücher belegen; sicherlich mit mehr als die Studentinnen, die da richteten, darunter übrigens mindestens eine, die schon in Berlin dabei gewesen war). Und überhaupt: Wo ist EMMAs Programm?! Wir wiesen darauf hin, dass eine Zeitung keine Partei ist, also kein Programm hat, und die erste Ausgabe doch nun vorläge. Eine EMMA fiel nun tatsächlich um. Und alle gingen nie wieder in ein Frauenzentrum. Außer Alice. Die wusste da ja schon, dass es auch ganz tolle Frauen in so einem Frauenzentrum gab. 

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