In der aktuellen EMMA

Anett Keller: Die Besonnene

Anett Keller ist bei EMMA die Frau der Zahlen. Foto: Bettina Flitner
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Im Verlagsbereich geht es formeller zu als im redaktionellen Bereich. Ergo schrieb Anett Keller am 6. November 2001 an die „Sehr geehrte Frau Hösel“. Dem Lebenslauf entnahmen wir Tätigkeiten bei einem großen Verlag und dass sie „aus privaten Gründen“ nach Köln gezogen sei. Der private Grund entpuppte sich als Michael und so heißt er heute noch.

Mit ihm teilt die Kapitänstochter aus Brunsbüttel die Leidenschaft fürs Segeln und ein Segelboot am holländischen Ijsselmeer. Dahin entschwindet Anett an sonnigen Wochenenden, stöhnt aber auch gerne über die Arbeit, die so ein Segelboot macht.

Mit diesem Foto hat sich Anett 2001 bei EMMA beworben.
Mit diesem Foto hat sich Anett 2001 bei EMMA beworben.

Anett ist die große Klare aus dem Norden und das überrascht dann doch, dass sie neben Soziologie auch Musikwissenschaften studiert hat und ihre Leidenschaft die Oper ist. Wenn sich in EMMA Informationen und Artikel zur E-Musik finden, so sind das höchstwahrscheinlich dringliche Hinweise von Anett, denn sie findet, dass dieser Bereich zu kurz bei uns kommt. (Sie hat leider recht.)

Gemeinhin ist nicht im Bewusstsein, dass EMMA ja nicht nur eine Redaktion ist, sondern auch ein Verlag, die EMMA Frauenverlags GmbH. Die Zeitschrift EMMA erscheint im eigenen Verlag, in meinem, ist also ganz und gar unabhängig. Früher haben wir ab und an auch Bücher verlegt, die Cartoon-Bände von Franziska Becker oder 1988 „Pornographie“ von Andrea Dworkin. Aber auch EMMA musste 50 Jahre lang auf die Zahlen achten, sonst wäre es nichts mehr gewesen mit der Unabhängigkeit. 

Anett ist die Frau der Zahlen. Ergo auch die Bedenkenträgerin. Wenn es um die Verabschiedung des nächsten Covers geht, das Hauptverkaufs-Argument eines Magazins, dann wackelte Anett so manches Mal mit dem Kopf. „Ob das am Kiosk ankommt?“ Oft hat sie recht gehabt. Wenn auch nicht immer. Es lässt sich überhaupt schwer voraussagen, welcher Titel sich gut verkauft und welcher schlecht.

Doch zurück zu Anett. Anett ist EMMAs Rückgrat. Sie verhandelt mit den Druckereien und tauscht sich aus mit unserem jahrzehntelangen Vertrieb. Sie korrespondiert mit den Abonnentinnen („Jetzt reicht’s mir aber! Ich bestelle mein Abo ab!“) und kriegt sie manchmal sogar beruhigt. Und sie hat mit EMMAs raren Anzeigenkunden zu tun, zu denen sie besonders freundlich ist. 

Anett war von Anbeginn an auch zuständig für den „EMMA-Marktplatz“, früher auch Kleinanzeigen genannt. Besonders am Herzen lagen ihr dabei die Anzeigen „Frau sucht Frau“. Manchmal stöhnte sie beim gemeinsamen Mittagessen: „Jetzt inseriert die schon zum dritten Mal. Dass das aber auch nicht klappt. Die ist doch so nett.“ (Es ist nämlich so, dass Anett auch mit den Inserierenden telefoniert, bei Bedarf). Und als der Marktplatz wegen Unrentabilität eingestellt werden sollte, da protestierte die sonst so gut rechnende Anett heftig: „Was soll denn aus den tollen Anzeigen für Urlaube mit Frauen werden?“ Und was aus der „Barke“, für „Bestattung und Begleitung in Frauenhänden“? Der Markplatz blieb. 

Die November/Dezember-Ausgabe als Printheft oder eMagazin im www.emma.de/shop
Die November/Dezember-Ausgabe als Printheft oder eMagazin im www.emma.de/shop

Seit einigen Jahren ist Anett auch zuständig für die Auswertung der Klicks auf unserer Website. Wie viele UserInnen sind direkt auf EMMA gegangen? Wie viele nur auf Facebook, X oder Instagram? Woher kommen sie? Und welche Schlüsse ziehen wir daraus? Es ist schon erstaunlich, dass eine überwältigende Mehrheit der UserInnen sich mit drei Sätzen begnügt und gar nicht den Weg zum eigentlichen Artikel auf EMMAonline findet.

Ganz und gar unentbehrlich ist Anett bei den Geburtstagen der EMMAs. Die werden rituell groß gefeiert: mit Kuchen, brennenden Kerzen und Blumen. Plus Geburtstagschor. Da steht die Musikwissenschaftlerin dann vornean und dirigiert den mehrstimmigen Geburtstagschor: Viel Glück und viel Segen …

Das ist auch Anett Keller von ganzem Herzen zu wünschen! Sie wird nach 25 EMMA-Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gehen und hat nun endlich mehr Zeit zum Segeln. Doch ganz bestimmt wird sie immer wieder mal von EMMA angerufen werden: Anett, wo finde ich das? Und, Anett, wie schätzt du das ein? 

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