Annika Ross: Die Zornige
"Liebe EMMAs, ich wäre gerne eine von euch!“ Das schrieb Annika Ross am 28. August 2018. Denn: „Wenn ich irgendein Medium in Deutschland wählen dürfte, mit dem ich mich zu 100 Prozent identifizieren kann, dann ist es nur die EMMA.“ Und da Annika, die bei der Leipziger Volkszeitung arbeitete, uns schon mehrere kompetente (und ostsolidarische) Artikel über die Lage der Frauen in Ostdeutschland geliefert hatte, schauten wir sehr rasch sehr genau hin.
Annika war die erste und letzte „Blattmacherin“, die sich bei EMMA meldete. Sie war verantwortlich für den „Schlingel“, das Familienmagazin der Leipziger Volkszeitung, mit einer Auflage von 20.000. „Ich weiß also“, schrieb sie, „was es bedeutet, ein Heft zu machen. Es thematisch zu durchdenken, starke Themen zu liefern, mit der Druckerei zu verhandeln, Layouts zu entwickeln, sein Gesicht für etwas hin- und Gegenwind auszuhalten.“ Und, fügte sie hinzu: „Selbstverständlich bin ich gegen Prostitution, gegen das Kopftuch und gegen falsche Toleranz. Ich wäre gern Vegetarierin, halte es aber nicht durch. Ich würde gerne umweltbewusster leben, fahre aber sehr gern Auto und fliege in den Urlaub. Ich finde, frau kann nicht an allen Fronten kämpfen.“
Kurzum: Das hörte sich alles rundum handfest und sympathisch an. Vor allem, dass sie vor ihrem Journalistik-, Germanistik- und Amerikanistikstudium schon „Schulreporterin“ gewesen war, mit 16. Eine Vollblut-Journalistin also. Gekauft! Bei EMMA konnten wir dann gar nicht so schnell gucken, wie sie ihre Themen abarbeitete. „Da ruf ich doch dann gleich mal an“, ist ein stehender Spruch von Annika.
In der EMMA-Redaktion konnte Annika dann acht Jahre lang ihre Herzensthemen im Bereich „Gerechtigkeit für Frauen“ und „Kampf dem Machotum“ so richtig entfalten. Contra geben, das hatte die Emsländerin schon beim Vater gelernt! Der reagierte dennoch wohlwollend darauf, dass die Tochter zur EMMA geht. Die Mutter war und blieb begeistert.
In den letzten Jahren kristallisierte sich als Annikas zentrales Anliegen der Kampf gegen die Leihmutterschaft und die Eizellenspende heraus. Sie kann es nicht fassen, wie verlogen mit dem Thema unter dem Deckmantel „Wunschkind“ umgegangen wird und wartete in EMMA mit immer neuen Informationen und Enthüllungen über die Mär von den „Wunschkindern“ und Realität der Ausbeutung und des Elends der gekauften Leihmütter auf. Wenn es in Deutschland inzwischen überhaupt eine neue Nachdenklichkeit in Sachen Leihmutterschaft gibt, dann ist sie Annika Ross zu verdanken.
EMMA-LeserInnen kennen Annikas Privatleben aus ihrer Familienkolumne, die sie seit März 2020 schreibt. Sie ist mit der Lehrerin Claudia verheiratet, die beiden haben zwei Kinder. Was die LeserInnen nicht wissen, ist, dass Annika und Claudia sich seit der Schulzeit kennen, anfangs beste Freundinnen waren und sodann beste Liebende und beste Eltern. Als Mutter von zwei Kleinkindern hat Annika bei EMMA von Anfang an eine Vier-Tage-Woche gemacht.
Wenn Annika auf Ungerechtigkeiten gegen Frauen stößt, kann auch sie so richtig sauer werden. Sie ist empört! Wütend! Während wir altgedienten EMMAs kühl die Schultern zucken (So ist das), gerät Annika, die Jüngste an Lebensjahren und die Dienstjüngste, in Rage. Sie kann sich noch so richtig aufregen. Gut so.
Sohn Ben ist inzwischen zwölf und Tochter Henriette neun Jahre alt. Die beiden sind also quasi mit EMMA groß geworden – und wir EMMAs mit ihnen. Mit Spannung verfolgen wir die Entwicklung der beiden. Wir dürfen verraten: Der Junge ist sanft und eine wahre Taube, das Mädchen ist aufbrausend und kann eine wahre Wutspritze sein. Von wem die Tochter das wohl hat?
Annika Ross, die noch viele herausfordernde Jahre mit ihren sehr geliebten Kindern vor sich hat, wünscht sich auch für die Zukunft „eine sinnvolle Arbeit wie bei EMMA“, am liebsten für Frauen. Wir alle wünschen Annika Glück – und dass sie ihre Empörung nicht verliert.
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