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Autumn Durald Arkapaw: Die Erste!

Sie hat Filmgeschichte geschrieben: Kamerafrau Autumn Arkapaw. © Billie Bennight/Zuma Press/IMAGO
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Sie hat Filmgeschichte geschrieben. Nach fast 50 Jahren Filmakademie wurde Autumn Durald Arkapaw als erste Kamerafrau mit einem Oscar ausgezeichnet. Deshalb mag es auf den ersten Blick sexistisch erscheinen, ein Porträt über sie mit dem Outfit zu beginnen, das sie bei der Verleihung am 3. März in Los Angeles trug. Denn dieses Outfit war ein Statement.

Die Preisträgerin trug keinen glitzernden Traum aus Tüll, keinen geschlitzten Glitzerschlauch, aus dem die Brüste quellen. Sie war aber auch nicht schlecht verborgen und schon gar nicht trug sie ein „Naked Dress“ wie so manche ihrer Kolleginnen bei den Grammys.

Autumn Durald Arkapaw, vollständig bekleidet, und zwar mit einem schwarzen Longblazer, weißem Hemd und schwarzer Krawatte. Das war nicht nur ein klarer Griff zu männlichen Insignien, wie ihr Griff zur Kamera. Autumns Ehemann Adam, ein Kameramann, und ihr gemeinsamer Sohn Aidan trugen ebenfalls schwarz-weiß. Diese Art des Partnerlooks zeigte deutlich, wie es läuft im Hause Arkapaw: „Wenn ich arbeite, kümmert er sich um unseren Sohn – und umgekehrt. Es ist Teamarbeit.“

Als sie die goldene Statue in den Händen hielt, bat die preisgekrönte Kamerafrau „alle Frauen im Saal aufzustehen“. Denn: „Solche Momente passieren nicht, wenn nicht Frauen für dich aufstehen und sich für dich einsetzen.“ So wie Rachel Morrison, die 2018 als erste von vier Frauen in 90 Jahren Oscar-Geschichte für die beste Kamera nominiert gewesen war. Kamerafrau Morrison hatte ihre Kollegin Arkapaw empfohlen, als sie selbst für das Filmprojekt „Blood & Sinners“ verhindert gewesen war.

Und auch für die Mädchen vor den Bildschirmen hatte die Gewinnerin eine Botschaft: „Eine Menge Mädchen, die aussehen wie ich, werden heute nicht schlafen, weil sie Kamerafrau werden möchten.“ Denn: „You have to see you to be you.“ Sinngemäß: Du musst sehen, wer du sein könntest, um du selbst zu sein.

So war es auch der jungen Studentin Autumn gegangen. Zunächst hatte sie Kunstgeschichte studieren wollen. Ihre Leidenschaft für Bilder hatte sie ihren Großeltern mütterlicherseits zu verdanken. Die stammten von den Philippinen und waren nach Kalifornien ausgewandert. „Sie waren sehr gereist und meine Großmutter hatte Tonnen von Fotoalben, die wir zusammen ansahen. So konnte ich die Welt sehen und mich mit anderen Familienmitgliedern verbinden“, erzählt die 47-Jährige.

Die Familie, in der Autumn aufwuchs, bestand aus Frauen. Ihre Eltern trennten sich früh, der Vater, ein Kreole aus New Orleans, ging zurück in seine Heimatstadt. „Meine Mutter war eine Working Mom, also brachte sie mich immer zu meiner Tante, die ich Mama nenne. Sie war wie eine zweite Mutter für mich und ihre Töchter wie meine Schwestern.“

An der Uni belegte Autumn einen Filmkurs und entdeckte ihre Leidenschaft für bewegte Bilder. Mit 21 stellte sie fest, dass der Kameramann eines ihrer Lieblingsfilme, „Blow“, eine Frau war: Ellen Kuras. „Als ich ihren Namen sah, dachte ich: Es gibt eine. Also kann es auch noch mehr geben!“

2010 schloss Autumn das „American Film Institute“ ab. Nach Musik- und Modevideos folgten große Projekte: 2013 ihr erster Spielfilm „Palo Alto“ von Coppola-Enkelin Gia Coppola. 2022 dann der Marvel-Blockbuster „Black Panther – Wakanda Forever“, ein Science-Fiction-Film über ein schwarzes Matriarchat, bevölkert von Königinnen, Ingenieurinnen und Generalinnen. Danach drehte sie mit Ryan Coogler den Film „Blood & Sinners“, ein Vampir-Drama um zwei schwarze Brüder, das im Jahr 1932 in Mississippi spielt, woher Autumns Urgroßmutter väterlicherseits stammte. „Der Film bedeutet mir sehr viel. Ich wollte meine Vorfahren stolz machen.“

Gedreht hat sie ihre erste oscargekrönte Arbeit als Kamerafrau in Color auf IMAX, einem Format für riesige Leinwände. Damit hat sie bewiesen, dass sie an der Spitze ihres Fachs steht. In Hollywood heißen Kamerafrauen und -männer „Director of Photography“, sie sind schließlich Chefinnen eines ganzen Teams. „Wir führen, wir sind stark, wir haben Macht“, sagte Arkapaw bei der Oscar-Verleihung. „Es ist gut, dass die Mädchen das sehen.“

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