Studie: Gewalt gegen Frauen
Nein, es ist nicht die dunkle Bahnhofsecke, nicht der einsame Park und auch nicht die spätabendliche Straßenbahn, wo es für Frauen am gefährlichsten ist. Am gefährlichsten ist es nach wie vor in ihren eigenen vier Wänden. Durch die Gewalt des (Ex)Mannes oder Freundes. Das ist nicht neu und das zeigen seit vielen Jahren auch die steigenden Zahlen der Kriminalstatistik.
2024 erreichte diese einen Höchstwert mit 266.000 gemeldeten Fällen „häuslicher Gewalt gegen Frauen“, also Männergewalt. Die Häuser sind nicht das Problem.
Aber nun wurde erstmals auch das Dunkelfeld angeleuchtet. Und daran ist der ganze Staat beteiligt. Bundeskriminalamt, Bundesinnen- und Bundesfamilienministerium haben Anfang Februar eine sogenannte Dunkelfeldstudie veröffentlicht. Titel: „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA). Es wurden Zahlen ermittelt, die bisher in keiner Statistik auftauchten. Von Juli 2023 bis Januar 2025 hat das Umfrage-Institut Verian dafür repräsentativ 15.479 Menschen zwischen 16 und 85 Jahren in Deutschland zu ihren Gewalterfahrungen befragt. Die Menschen wurden aus allen Schichten ausgewählt, Männer und Frauen gleichermaßen. Sensible Fragen wurden in persönlichen Gesprächen gestellt.
Rund sieben Millionen Frauen werden Opfer von häuslicher Gewalt
Hellfeldzahlen werden in den Medien mal zehn gerechnet, um die Dunkelziffer zu erahnen. Das wären bei 266.000 gemeldeten Fällen Männergewalt dann 2.660.000 betroffene Frauen.
Und was sagt die Dunkelfeld-Studie? 18 % der befragten Frauen gab an, während ihres Lebens Opfer körperlicher Gewalt durch ihren (Ex)Mann oder Freund geworden zu sein. Das ist knapp jede fünfte Frau! Auf die deutsche Bevölkerung und die Frauen ab 16 gerechnet, sind das rund sieben Millionen Frauen! Ein epidemisches Ausmaß. Feministinnen überrascht das nicht.
Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf das Thema sexuelle Gewalt mit ihren Unterformen: sexuelle Belästigung, sexuelle Übergriffe und Stalking.
Jede zweite Frau (49 %) hat innerhalb einer Beziehung psychische Gewalt erlebt. Mehr als jede zweite Frau ist innerhalb und außerhalb einer Beziehung (das fasst die Studie an dieser Stelle leider zusammen) sexuell belästigt worden.
Und 18 %, also knapp jede fünfte Frau, hat durch ihren eigenen Mann oder Freund sexuelle Übergriffe erlebt. Knapp 7 % der Frauen wurde gedroht, dass sie verletzt, eingesperrt oder umgebracht werden. 27 % der Frauen sind Opfer von Stalking geworden.
Die Studie zeigt auch: Frauen mit Migrationshintergrund werden in nahezu allen untersuchten Gewaltformen häufiger zu Opfern als Frauen ohne Migrationshintergrund.
Eine weitere schockierende Zahl ist die zum Anzeigeverhalten der Opfer: Nur unter 5 % der gesamten „häuslichen Gewalt“ wird bei der Polizei angezeigt. Das heißt: Rund 96 % der alltäglichen Männergewalt bleibt ohne jegliche Konsequenzen. Millionen Frauen schweigen über das, was ihnen zuhause passiert und Millionen schlagende Männer haben Narrenfreiheit.
Innenminister Dobrindt (CSU) und Frauenministerin Karin Prien (CDU) zeigten sich angesichts dieses Ergebnisses besorgt: „Das Ausmaß dieses Dunkelfelds ist enorm. Das hätten wir so nicht erwartet.“
Dirk Pegelow, Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, erklärte: „Frauen in Deutschland sind in besonderer Weise vulnerabel. Die Gewalt gegen sie ist ein flächendeckendes und gesamtgesellschaftliches Problem.“ Wir fürchten, Herr Kommissar, Frauen sind auf der ganzen Welt die vulnerabelste Gruppe, nicht nur in Deutschland.
Die Studie erregte nicht nur wegen der hohen Zahl der Gewalt gegen Frauen eine große mediale Öffentlichkeit, sondern auch, weil sie erstmals den Blick auch auf Männer richtete.
Mehr über die Dunkelfeldstudie in der Mai/Juni-Ausgabe


