Die große Verschleierung

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Schon vor Erscheinen löste der Band lebhafte Debatten aus. So schrieb Iris Radisch in der Zeit über das „wichtige Buch“, es erscheine „rechtzeitig zur aktuellen Debatte um Integration und Parallelgesellschaften“ und habe „den großen Vorzug, aus dem unseligen Streit um Vererbung und Gene einen Streit um Menschen- und vor allem Frauenrechte zu machen“. Sie resümiert: „Es werden viele wichtige Forderungen erhoben in Alice Schwarzers Buch (…). Die Forderung nach einem Kopftuchverbot für Schülerinnen an deutschen Schulen ist dabei die bedeutendste.“

Ganz ähnlich sieht das die WAZ, in der Wilhelm Klümper seine Rezension mit den Worten schließt: „All den Zaghaften, die ihre Kritik an dem Islamismus aus Angst vor dem Rassismusvorwurf nur hinter vorgehaltener Hand artikulieren, ruft Schwarzer zu: ‚Mit einer offenen und aufgeklärten Kritik an dieser Entwicklung sprecht ihr der Mehrheit der Bevölkerung aus dem Herzen.’“

Aber da muss es doch Gegenstimmen geben? Da ist ja schon eine! Patrick Bahners von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte sich bereits in den vergangenen Jahren immer wieder als Freund eines „Rechts auf das Kopftuch“ und Gegner eines „Rechts auf Abtreibung“ zu erkennen gegeben (so trifft man sich wieder). In dem EMMA-Band gegen den Islamismus erkennt der Leiter des Feuilletons jetzt einen „jakobinischen Kreuzzug, der über den Geist des liberalen Rechtsstaats hinweg geht“. Und er beklagt den „fanatischen Rationalismus“ der „GesinnungspolizistInnen von EMMA“, die doch tatsächlich auf Schwimmunterricht für muslimische Mädchen bestehen.

Nur eines vergisst Bahners zu erwähnen: Dass die von ihm am schärfsten kritisierten Artikel von Schwarzer alle zuerst im Feuilleton der FAZ erschienen.

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Alice Schwarzer (Hrsg.): „Die große Verschleierung – für Integration, gegen Islamismus“ (KiWi/EMMA-Buch, 9.95 €).

Mehr zum Thema:
EMMA über Islamismus

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