„Eine Frage der Menschenwürde"
Julia Klöckner meint es Ernst. Die Bundestagspräsidentin hat dem Rotlichtmilieu den Kampf angesagt. Nachdem sie bei der Verleihung des „HeldinnenAwards“ der Alice-Schwarzer-Stiftung am 4. November in Berlin erklärt hatte, „Deutschland ist der Puff Europas“, geht sie nun den Händlern mit der Ware Frau an den Kragen.
Anlass: Der Chef des „Verbands deutscher Laufhäuser“, John Heer aus Stuttgart, hatte der Bundestagspräsidentin nach ihrer Laudatio auf dem HeldinnenAward in BILD „Amtsmissbrauch“ vorgeworfen und behauptet, sie „verunglimpfe“ eine ganze Branche. Denn seiner Meinung nach seien Bordelle „ganz normale kaufmännische Betriebe“ mit „Buchführung, Steuern und sogar Ausbildungsplätzen“.
Da hat er die Rechnung aber ohne die Wirtin gemacht. Die Bundestagspräsidentin veröffentlichte am 25. November 2025 folgende Antwort an Heer:
Sehr geehrter Herr Heer,
Ihre an mich adressierte Stellungnahme habe ich gelesen, sie verdient eine klare Antwort. Die ökonomischen Interessen an der Prostitution sind mir bewusst. Genau deshalb werde ich mich auch weiterhin dazu äußern. Sie werden meine Überzeugung vernommen haben, dass ich Prostitution mit der Unantastbarkeit der Menschenwürde als nicht vereinbar ansehe. Frauen, ihre Körper und ihre Sexualität sind keine Ware. Man kann sie nicht kaufen.
Dass Sie die Erwartung an mich formulieren, ich möge meine „Anwartsverantwortung“ in Fragen der Menschenwürde von ökonomischen Interessen abhängig machen, ist für mich Bestätigung meiner bisherigen Positionierung.
Sie stellen die Frage, ob und in welchem Rahmen ich mich äußern darf. Sie scheinen Ihre Erwartungshaltung zur Ausführung Ihrer Wünsche gegenüber Frauen in allen Bereichen durchzuziehen. Erfolgreich werden Sie bei mir damit nicht sein.
Die Präsidentin des Deutschen Bundestages ist im Übrigen keine Vertrterin der Bundesregierung und auch nicht an Koalitionsvereinbarungen gebunden oder den Beratungen eines regierungsseitig eingesetzten Expertengremiums. Wo Grundfragen der Menschenwürde berührt sind, ist es meine Pflicht, die Stimme zu erheben. Schön, dass Sie dies vernommen haben. Ich habe nicht vor, daran etwas zu ändern.
Beste Grüße
Julia Klöckner
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Nur eine Sache sei noch erwähnt, denn gerade Stuttgart ist in Sachen Rotlichtmilieu ein Hotspot. Da wurde 2019 der Bordellbetreiber Jürgen Rudloff, Inhaber des Großbordells „Paradise“, vom Landgericht Stuttgart zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Für Beihilfe zu Menschenhandel, Zuhälterei und bandenmäßigen Betrug. Vor Rudloffs Festnahme waren elf Zuhälter, die Frauen ins „Paradise“ geprügelt hatten, zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.
Der damalige Kammervorsitzende Rainer Gless ging grundsätzlich mit dem System Prostitution ins Gericht: „Ein sauberes Bordell in dieser Größe ist kaum vorstellbar.“ Vor seiner Festnahme saß Bordellbetreiber Rudloff regelmäßig als Saubermann in Talkshows und erzählte der Nation das Märchen von der sauberen Prostitution. Und von Bordellen, die ja ganz normale Betriebe seien. Mit Ausbildungsplätzen und so…


