Rosen Hicher marschiert nach Paris. - © Stéphane Durand
Rosen Hicher marschiert nach Paris. - © Stéphane Durand

Rosens langer Marsch gegen Prostitution

Rosen Hicher, heute 58 Jahre alt, ist in Saintes an der Westk√ľste Frankreichs gestartet, an dem Ort, wo sie sich vor vier Jahren zuletzt prostituiert hat. Sie wird bis Paris gehen, der Ort, wo sie zum ersten Mal ihren K√∂rper verkauft hat, in einer ‚ÄěChampagner Bar‚Äú nahe der Champs Elysees. Da war Rosen 31, hatte ihre Stelle verloren, und wusste nicht mehr, wie sie ihren sechs Kindern zu essen geben sollte.

Auf ihrem Marsch wird Rosen in allen St√§dten halt machen, wo sie sich in den 22 Jahren prostituiert hat ‚Äď um die Bev√∂lkerung, KommunalpolitikerInnen und Abgeordnete zu mobilisieren. Damit endlich das vom Parlament im Dezember 2013 verabschiedete Gesetz f√ľr den Ausstieg der Frauen und die Bestrafung der Freier verabschiedet wird.

Hicher hatte 2009 ein Buch ver√∂ffentlicht mit dem Titel: ‚ÄěRosen, une prostitu√©e temoigne‚Äú (eine Prostituierte legt Zeugnis ab). Darin pl√§dierte sie f√ľr die totale Freigabe der Prostitution. ‚ÄěHeute sch√§me ich mich f√ľr das Buch, sagt sie. ‚ÄěAber ich hatte gehofft, dass die Lage der Prostituierten sich durch die Legalisierung der Prostitution verbessern w√ľrde. Das Gegenteil aber ist der Fall.‚Äú

Inzwischen ist die Franz√∂sin eine der Frontfrauen im Kampf gegen die Prostitution in Europa. Sie geh√∂rt zu denen, die entscheidend dazu beigetragen haben zu dem Meinungswechsel in Frankreich, der in der Verabschiedung des Gesetzes zur Freierbestrafung¬†gipfelte. Eine √ľberw√§ltigende Mehrheit des Parlaments stimmte zu, von den Konservativen bis zu den Sozialisten. Nur die Gr√ľnen stimmten dagegen.

Doch seither d√ľmpelt das Gesetz beim Senat (das Pendant zum deutschen Bundesrat), der formal zustimmen muss, auch wenn das Parlament das letzte Wort hat. Rosen will mit ihrem Marsch erreichen, dass der Senat das Anti-Prostitutionsgesetz mit der Freierbestrafung endlich auf die Tagesordnung setzt.

Heute schäme
ich mich f√ľr
das Buch von
damals.

√úber ihre Zeit in der Prostitution spricht Rosen Hicher sehr ehrlich. Zun√§chst prostituierte sie sich aus Not, doch dann fand sie Gefallen daran. ‚ÄěEs war wie ein Rausch. Ich hatte das Gef√ľhl, die sch√∂nste Frau der Welt zu sein.‚Äú Die Luxusprostituierte verdiente viel Geld ‚Äď warf aber alles mit vollen H√§nden wieder aus dem Fenster. Heute lebt sie sehr bescheiden, aber im Reinen mit sich.

Zu EMMA sagte Rosen √ľber ihre Zeit in der Prostitution im Gespr√§ch im Fr√ľhling 2013: ‚ÄěEs erschien mir eine v√∂llig nat√ľrliche Sache zu sein, was ich da tat.‚Äú

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Blog von Rosen Hicher: Marche pour l'abolition
 

 

Rosen Hicher und Ministerin Najat Vallaud-Belkacem.
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