Klinik weist vergewaltigte Frau ab

© Martina Goyert
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Nach Angaben von Maiworm änderte auch der Hinweis, die Beratung sei bereits erfolgt und die Pille danach verschrieben, nichts an der ablehnenden Haltung des Krankenhauses. Anrufe bei weiteren Krankenhäusern mit katholischen Trägern in Köln kamen zum gleichen Ergebnis.

Der Erzbistumssprecher Christoph Heckeley bestätigte laut Kölner Stadt-Anzeiger die Regelung, die seit zwei Monaten in Kraft sei: Das Verschreiben der Pille danach sei in katholischen Krankenhäusern grundsätzlich ausgeschlossen, es „widerspreche den moraltheologischen Grundsätzen der katholischen Kirche“.
Keine Antwort hatte Heckeley laut Stadt-Anzeiger auf die Frage, warum die Kliniken deshalb auch die Spurensicherung bei einer mutmaßlich vergewaltigten Frau ablehnten. Grundsätzlich gelte, „dass man Frauen, die beides verlangen, an ein anderes Krankenhaus verweisen müsse“.

Dass katholische Kliniken deutschlandweit Frauen abweisen, die ein Rezept für die Pille danach brauchen, ist kein Novum. Institutionen wie Pro Familia beklagen diesen Zustand seit Jahren und fordern eine rezeptfreie Abgabe des Notfallmedikaments, wie es jetzt schon in 28 europäischen Ländern Usus ist.

Aber Krankenhäuser, die mutmaßlich vergewaltigten Frauen deshalb eine notwendige Untersuchung verweigern – und Ärzten mit Kündigung drohen, die diese Regelung umgehen? Das hätte eine neue Qualität.

Die Stiftung der der Cellitinnen zur heiligen Maria, Trägerin des St. Vinzenz-Krankenhaus, erklärte nun in einer Pressemitteilung, es habe sich bei dem Fall um ein Missverständnis gehandelt, das intern geklärt werde. "Alle medizinischen Maßnahmen werden sofort angeboten", heißt es darin. Außer der Abgabe der Notfallkontrazeption, also der Pille danach.

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