Kriegsvergewaltigung
Für die Würde der Überlebenden
Die Anerkennung der Vergewaltigten als „zivile Kriegsopfer“ fordern bosnische und deutsche Menschenrechtsgruppen.

- Demo 1993 vor der UN-Menschenrechtskonferenz in Wien.
Zum ersten Mal in der Geschichte sind Vergewaltigungen von Frauen, die während des Krieges in Bosnien und Herzegowina geplant und gezielt durchgeführt wurden, als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit benannt worden. Doch bis heute, zehn Jahre nach Beendigung des Krieges in Bosnien und Herzegowina, haben die Schicksale der Frauen, die die Kriegsvergewaltigungen überlebt haben, den Staat nicht dazu bewegen können, das Recht zur Unterstützung dieser Frauen zu ändern. Es gibt kein Gesetz für den Status der Frauen, die – meistens mehrfach – Opfer von Kriegsvergewaltigungen wurden.
Eine genaue Zahl der Frauen, die Kriegsvergewaltigungen überlebt haben, ist bis heute nicht bekannt. Man weiß nur, dass es sich um Tausende handelt. Auch ist nicht bekannt, wie viele Kinder aus diesen grausamen Verbrechen hervorgingen.
Diese Frauen leben, bis auf wenige Ausnahmen, ohne finanzielle Unterstützung; sie sind meist arbeitslos oder durch das erlittene Trauma nur eingeschränkt arbeitsfähig. Darum sind sie finanziell abhängig. Die meisten Überlebenden haben keine ausreichende Krankenversicherung, geschweige denn das Recht auf psychosoziale Unterstützung. Und sie haben auch keine Unterstützung zur Ausbildung ihrer Kinder erhalten.
Die Traumata sind oft der Grund, der diese Frauen daran hindert, an ihre Vorkriegs-Wohnorte zurückzukehren, und darum stellen sie auch selten Antrag auf Rückgabe ihres Eigentums. Nur wenige hatten die Stärke, einen Antrag auf Anerkennung des Status als „ziviles Kriegsopfer“ zu stellen, und auch sie haben dann nur ein Minimum an finanzieller Wiedergutmachung erreicht.
Diese Frauen leben in Schweigen, mar-ginalisiert und eingeschlossen in ihre schmerzlichen Erinnerungen. Sie sprechen, wenn überhaupt, nur selten über ihre Erfahrungen – die sie nie vergessen können. Ihre Erinnerungen sollten auch unsere sein. Das Opfer, das sie bringen mussten, geht nicht nur sie an – es sollte uns alle angehen; und nicht nur die Menschen in Bosnien.
Frauen, die Kriegsvergewaltigungen überlebt haben, dürfen nicht vergessen und vernachlässigt werden. Auch, damit sich so etwas nicht wiederholen kann. Darum treten wir, die UnterzeichnerInnen dieser Petition, für die Verabschiedung eines Gesetzes ein, das den überlebenden Frauen von Kriegstraumata die Rechte von zivilen Kriegsopfern garantiert.
Zentrum für Folteropfer, Sarajevo; Sektion der ehem. weiblichen Kriegsgefangenen der Allianz der Verbände der Kriegsgefangenen; Verband der Journalisten Bosnien und Herzegowina; ‚Frauen für Frauen‘, Sarajevo; Therapie- und Sozialstation für Frauen und Kinder, Tuzla; Medica Zenica; Deblokada, Filmproduktionsfirma, Sarajevo; u.a. –
EMMA Juli/August 2006
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