Prostitution

Es waren Feministinnen, die in den 1970er Jahren Seite an Seite mit Prostituierten protestierten: gegen die Doppelmoral und Behandlung als Menschen zweiter Klasse. Ab den 80er Jahren galt Prostitution in Deutschland als cool, vor allem in grünen, aber auch in manchen feministischen Kreisen als „Beruf wie jeder andere“. EMMA hatte immer eine radikal andere Position: Solidarität mit den Prostituierten – aber Kampf der Prostitution. Denn Prostitution zerstört nicht nur Körper und Seele der sich prostituierenden Frauen (die nicht selten Hausfrauen sind, die heimlich dazu verdienen), sie macht alle Frauen zum käuflichen Geschlecht.
2001 trat eine von Rotgrün verabschiedete „Reform“ des Prostitutionsgesetzes in Kraft, die angeblich den Prostituierten das Leben leichtere machen sollte. Doch es kam, wie EMMA vielfach prophezeit hatte: Die Reform nutzt seither vor allem Zuhältern und Menschenhändlern, denn sie erklärt die Prostitution zu einem „Beruf wie jeder andere“ – mit fatalen Folgen. Zum Beispiel kann die Polizei keine Razzien mehr in Bordellen machen (wo sie früher regelmäßig Minderjährige und Zwangsprostituierte aufzuspüren pflegte), kann für Prostitution ungehemmt geworben werden und ein jeder eine „Modelwohnung“ mitten im Wohnhaus führen. Dank dieser Reform ist die Prostitution in Deutschland salonfähig geworden.
Im Dezember 2006 veröffentlichte EMMA ihr letztes von zahlreichen Dossiers über Prostitution. Im Januar 2007 verkündete Ministerin von der Leyen die Wende: Priorität soll nun nicht länger die Legalisierung und Gesellschaftsfähigkeit von Prostitution haben, sondern der Ausstieg der Frauen aus der Prostitution. Freier von Zwangsprostituierten sollen in Zukunft bestraft werden. Doch passiert ist nichts.
Heute schafft in Deutschland knapp jede tausendste Frau an, wenn wir von einer Viertelmillion Frauen ausgehen (die Schätzungen gehen von 50 bis 400.000) und berücksichtigen, dass neun von zehn Ausländerinnen sind, die nicht selten unter Vortäuschung falscher Tatsachen oder gar mit Gewalt nach Deutschland verschleppt wurden.
Doch die überwältigende Mehrheit aller deutschen Männer – nämlich zwei von drei! – sind Freier. Sie sind es, die überhaupt erst den Markt für kaufbaren Sex schaffen. Ein Markt, der heute neben dem Drogen- und Waffenhandel laut UN mit sieben Billionen Dollar Profit im Jahr das (Männer)Geschäft Nr. 1 ist.
Hier also muss die Bekämpfung der Prostitution ansetzen: bei den Freiern und Menschenhändlern! In dem einst so „liberalen“ Schweden hat man das längst begriffen. Seit Jahren laufen dort Kampagnen zur Ächtung von Prostitution. Und schon 1999 wurde ein Gesetz zur Bestrafung des Freiertums erlassen, begleitet von Ausstiegshilfen für Prostituierte. Resultat: 76 % aller Schwedinnen sind heute für das Verbot von Prostitution, darunter 70 % aller Männer.
Ist es sinnvoll, das „älteste Gewerbe der Welt“ zu verbieten, schließlich hat es Prostitution immer schon gegeben? Das hat man früher auch über die Sklaverei gesagt – und auch sie ist heute selbstverständlich verboten. Und da, wo sie dennoch weiter existiert, ist sie zumindest geächtet – und nicht „ein Beruf wie jeder andere“.
Zum Weiterlesen:
Prostitution und Menschenwürde (2/2012)
Dossier: Die Ware Frau (2/2011)
Flatrate-Bordelle: "Absolut abspritzwürdig" (5/2009)
Statt Reform Großbordelle (1/2008)
Dossier Prostitution & Frauenhandel, Teil II (EMMA 2/2007)
Dossier: Das System Prostitution, Teil I (1/2007)
Prostitution: Der unmoralische Staat (5/2006)
Das Prostitutionsgesetz schützt die Zuhälter (4/2006)
Erst die Kunden schaffen den Markt (5/2004)
Das Modell Schweden (1/2004)
Borys B., Michel F. und Ewa (1/2004)
Dossier: Prostitution abschaffen! (3/2003)
Sextourismus: Bad men in paradise (EMMA 3/1993)
Domenica (10/1988)
Kampagne: „Prostitution”
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