Hilfe, mein Mann geht ins Bordell!

Ehepaar Braun in der Krise: "Das Vertrauen war weg!" - Foto: Uta Wagner
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Frau Braun, wie haben Sie erfahren, dass Ihr Mann ins Bordell gegangen ist?
SIE Er hat es mir erzählt.

ER Ich hatte ein wahnsinnig schlechtes Gewissen. Ich hatte ein Dreivierteljahr nur mit den Damen telefoniert und bin dann dreimal dort gewesen. Vier Wochen, bevor ich es Regina dann erzählt habe, dachte ich: Das muss raus aus mir! Das macht unsere Beziehung kaputt.

Wie haben Sie reagiert?
SIE In dem Moment, als er ansetzte, brach bei mir Panik aus und ich wollte es eigentlich nicht wissen. Ich wollte das nicht wahr haben.

ER Ich habe nicht gleich alles auf einmal erzählt. Ich habe behauptet, ich hätte nur mit den Nutten – Entschuldigung, aber diesen Ausdruck möchte ich schon manchmal verwenden – telefoniert.

SIE Aber ich habe natürlich gemerkt, dass das nicht stimmte. Als er dann zugegeben hat, dass er bei den Prostituierten war, ist bei mir alles weggerutscht. Das Vertrauen war weg. Ich bin ins Bodenlose gestürzt. Für mich war die Beziehung in dem Moment beendet. Ich bin mit dem Hund raus, eine Runde gelaufen, und als ich wieder reinkam, habe ich gesagt, er soll seine Sachen packen und sehen, wo er bleibt. Er wollte zuerst nicht, aber dann ist er gegangen.

Was genau war für Sie das Kränkende?
SIE Dass er den Sex woanders hingetragen hat. Dass er mich derartig gedemütigt und entwürdigt hat, man mir aber die Schuld dafür geben würde. Denn ich wusste schon in diesem Moment ganz genau, was jetzt abgehen würde. Ich werde als diejenige dastehen, die keine sexuelle Lust hat und das ganze Dorf wird sagen: Na, wenn du mit deinem Mann nicht ins Bett gehst, musst du dich nicht wundern. Und das hat mich sowas von sauer gemacht! Dabei stimmte es zwar, dass ich mich sexuell zurückgezogen hatte. Aber das hatte ja auch seine Gründe. Ich war nämlich immer die treibende Kraft gewesen. Und darauf hatte ich irgend wann keine Lust mehr.

Herr Braun, warum sind Sie ins Bordell gegangen?
ER Eine sexuell aktive Frau bedeutet ja, dass man sich als Mann bemühen muss. Da kann man nicht einfach sagen: „Leg dich hin, ich steig jetzt auf dich drauf“ wie man das zu einer Prostituierten sagen kann. Hinzu kam: Ich habe mir meine eigenen sexuellen Wünsche nicht eingestanden. Da war nichts wirklich Spezielles, aber ich habe ganz allgemein nicht zu meiner Sexualität gestanden. Das ging so weit, dass ich eigentlich gar keinen Sex mehr wollte. Meine Frau hat die Kommunikation darüber zwar immer angeregt, aber ich bin dem ausgewichen.

SIE Ich habe dann angefangen, mich mit Frauen auszutauschen, denen das gleiche passiert ist. Und dabei kam raus, dass deren Sexualität mit ihren Ehemännern, deutlich ausgedrückt, scheiße ist.

ER Was meiner Meinung nach daran liegt, dass Männer davon ausgehen, dass ihre Ehefrau nun mal mit ihnen ins Bett zu gehen hat. Und sich auch in Trainingsanzug und Unterhemd für unwiderstehlich halten. Die denken: Wenn ich eine Ehefrau hab, hab ich ne Matratze.

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