AKK im Gespräch mit Alice Schwarzer

Foto: Marco Urban/Konrad-Adenauer-Stiftung
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Im Interview mit Alice Schwarzer kündigte die Parteivorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, u.a. an, dass „die CDU ihre Hausaufgaben machen muss für mehr Frauen in den Parlamenten“. Und dass sie bei der Wahlrechtsreform „die Frage der Frauen-Repräsentanz entsprechend ihres Anteils an der Bevölkerung“ thematisieren werde.

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Die Besetzung aller Fachausschüsse durch Doppelspitzen, eine Frau und ein Mann, hatte AKK bereits als Generalsekretärin eingeleitet. Jetzt erwägt die Parteivorsitzende dieses System auch bei Wahlen: „Da werden gerade viele Modelle diskutiert, z.B. dass eine Partei immer zwei Kandidaten aufstellen muss: einen Mann und eine Frau. Und die Listen könnten im Reißverschlussverfahren aufgestellt werden. Sachsen zeigt, dass es geht.“

Silvester 2015 in Köln sei für sie eine Zeitenwende gewesen. „Was da passiert ist, war ein wirklicher Schock. Ich persönlich habe das auch als Angriff auf alle Frauen empfunden, nicht nur auf die, die dort waren. Und auch als Angriff auf unsere offene Art zu leben.“

Und weiter: „Ich erwarte von allen Menschen, die zu uns kommen, dass sie unsere Werte akzeptieren – und vor allem erwarte ich von uns selbst, dass wir dafür eintreten. Und das auch durchsetzen. Lehrerinnen, die in den Klassen mit Frauenverachtung konfrontiert werden, dürfen wir nicht alleine lassen. Sie brauchen klare Rückendeckung von den Kultusbehörden. Wer mobbt, muss gehen. Egal, ob es sich um antisemitisches, rassistisches oder sexistisches Mobbing handelt.“

"Die Probleme mit dem politisierten Islam sind überall gleich"

AKK plädiert für ein Kopftuchverbot für Pädagoginnen und Mädchen in Kindergärten und Grundschulen auch im Bund. „Im Saarland haben wir mit den Stimmen aller Parteien ein ganz klares Gesetz gemacht, das das Tragen von Kopftüchern für Lehrerinnen und auch Richterinnen untersagt.“

Die Parteivorsitzende möchte die „Weiterentwicklung eines Islams, der mit einer offenen Gesellschaft vereinbar ist“, zum Thema machen bei den Europawahlen: „Die liberalen Kräfte fördern! Und zwar in ganz Europa. Denn auffallend ist, dass die Probleme mit dem politisierten Islam überall gleich sind – obwohl unsere nationale Geschichte ja sehr unterschiedlich ist.“ Und sie träumt von einer Ächtung und Sanktionen gegen die Staaten, die Frauen entrechten: „So wie früher die internationalen Sanktionen gegen rassistische Länder, wie Südafrika.“

Prostitution ist für AKK „kein Beruf wie jeder andere“. Die Liberalisierung des Gesetzes habe „in Deutschland der Exekutive, der Polizei, die Instrumente aus der Hand geschlagen, um das eng mit der organisierten Kriminalität verbandelte Rotlichtmilieu besser kontrollieren und durchgreifen zu können.“ Für sie sind „Menschen keine Ware“. Sie fordert: „Mehr Ausstiegshilfen für Frauen in der Prostitution“.

Und über ihren Ehemann sagt die Politikerin: „Er war der Held in jeder Krabbelgruppe.“

Das ausführliche Gespräch erscheint in der nächsten EMMA-Ausgabe, die ab dem 25. Februar bei den AbonnentInnen und ab dem 28. Februar am Kiosk ist.

 

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Fastnacht, jetzt auch in Berlin!

Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) als Putzfrau Gretel verkleidet, Foto: Becher & Bredel/Imago
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In der Fastnacht, was der saarländische Karneval ist, ist sie die Putzfrau Gretel vom Saarbrücker Landtag. Dann betritt „es Annegret“ aus Püttlingen im blauweißen Kittel die Bühne und fegt mit ihrem XXL-Besen alles weg. Genau das hat sie gerade in Hamburg auch getan.

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Seit vielen Jahren ist Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) die heimliche Favoritin der Kanzlerin. Diese Gunst Merkels ist in Zeiten, in denen diese in die Kritik geraten ist, Vorteil und Nachteil zugleich. Es stellt sich also die Frage: Was verbindet die beiden – und was unterscheidet sie? Beiden gemeinsam ist offensichtlich der Stil: Bescheidenheit und Sachorientiertheit. AKK jedoch scheint angriffslustiger zu sein als die allzeit bedachte Merkel.

Frauenpolitisch gesehen ist AKK feministischer als Merkel, aber auch konservativer. Eine Reform des § 218 wäre mit der gläubigen Katholikin wohl nicht verhandelbar. Und auch zu ihrer Unterscheidung zwischen „eingetragener Partnerschaft“, die sie bejaht, und Homoehe, die sie kritisiert, steht sie weiterhin aufrecht. Allerdings scheint ihr Katholizismus gelassen. Sie bezeichnet sich als „säkularisierte Christin“. Ihr Glaube ist für sie „Privatsache“.

Sie ist konser-
vativer als Merkel, aber feministischer

Die verhinderte Messdienerin („Meine Brüder durften Messdiener sein“) hat ein durchaus kritisches Verhältnis zur Amtskirche. Sie findet, es ist überfällig, dass Frauen Priesterinnen sein können.

Und die Feministin Kramp-Karrenbauer? Die sagt fröhlich von sich: „Ich bin eine Quotenfrau und stolz darauf!“ Sie ist für die Abschaffung des Ehegattensplittings, das stärke die Hausfrauenehe. Und sie ist für eine „Ächtung“ der Prostitution, ja hat sogar den EMMA-Appell zum Kampf gegen die Prostitution unterschrieben. Als Saarländerin weiß sie schließlich nur zu gut, was Sache ist: Ins Ländle strömen en masse französische Freier, weil bei ihnen die Prostitution als „Verstoß gegen die Menschenwürde“ verboten ist.

Und der Islam? Da blickt sie durch. „Den Islam“ gäbe es nicht, anstatt zu pauschalisieren, müsse man die Muslime fragen: „Wie stehst du zu den Grundwerten unseres Landes? Wie zum Grund­gesetz? Wie willst du dich in diesem Land einbringen?“ Als Ministerpräsidentin hat sie Lehrerinnen das Tragen des Kopftuches untersagt und die ärzt­liche Untersuchung jugendlicher Flüchtlinge befürwortet, um festzustellen, ob die wirklich minderjährig sind. Die u. a. von Erdoğan missbrauchte doppelte Staatsbürgerschaft stellt sie infrage. Und bei einer Bürgerdebatte erklärte AKK: „Wenn mus­limische Jungs das Essen verweigern, weil es von einer Frau gereicht wird, sagen wir: Ok Jungs, ­weitergehen. Heute gibt es kein Essen.“

Annegret mit Ehemann Helmut.
Annegret mit Ehemann Helmut.

Die Gleichheit von Frauen und Männern ist für die heute 56-Jährige selbstverständlich. Den Floh hat ihr anscheinend der Vater, Rektor einer Sonderschule, ins Ohr gesetzt. Gern von ihr kolportierte Anekdote: Wenn Annegret, eine von vier Kindern, zum Abtrocknen antreten sollte, sagte der Vater schon mal zu seiner Frau: „Lass sie lesen. Ich mach das schon.“ Denn „es Annegret“ las so gerne. Sie ist also wohl das, was man in der Psychologie eine „Vatertochter“ nennt. Was auch ihren sach­lichen Auftritt erklärt.

Noch im Studium, der Politikwissenschaften, heiratete sie den Bergmann Helmut Karrenbauer, der in der Abendschule den Ingenieur nachmachte. Die beiden haben drei inzwischen erwachsene Kinder, die vorrangig er großgezogen hat. Zunächst, indem er Teilzeit arbeitete, und dann, als ihre ­Karriere steiler wurde, ganz zu Hause blieb.

Als ihre Karriere steiler wurde, blieb er ganz zu Hause

In der Politik war AKK als Frau immer die Erste. Die Parteibasis liebt sie, weil sie sich dafür inte­ressiert, was die Basis denkt. Und als Frau hat sie nichts zu beweisen, bzw. schon alles bewiesen.

Gefragt vom Spiegel, ob die Menschen sich heutzutage nicht eher nach einem „Gegenmodell zu Merkel“ sehnten, antwortete die „Mini-Merkel“: „Mag sein, dass manche sich den starken Mann wünschen. Aber wenn man sich umschaut in der Welt und auf die Putins, Trumps und Erdoğans blickt, dann bin ich mir nicht sicher, ob der die Qualität der Politik verbessert.“

Tusch, Putzfrau Gretel!

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