Was ist die DDR für dich?

"Aber es war trotzdem eine schöne Zeit." Ursula Hussel, 65, Arbeiter - © Bettina Flitner
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Wo genau sitzt eigentlich die Erinnerung? Vorne? Hinten? Tief drinnen? Ich halte den Kopf in der Hand. Er ist in der Mitte durchgeschnitten und man kann das Gehirn sehen. Die roten Windungen laufen nach oben und unten, nach rechts und nach links. Wo aber sitzt die Erinnerung?

Ich bin nicht allein hier. Karl und Wladimir sind auch da. Und Erich schaut hinter dem Bücherstapel hervor. Und dann liegt da noch ein Auge, ein Ohr, eine Hand. Die verstreute Anatomie eines Menschen. Eines Menschen aus Plastik. Oder Plaste, wie man hier früher gesagt hat. Man kann den Kopf auseinandernehmen und nachsehen, wie er von innen aussieht. 

Der Raum ist voll. Schautafeln, Landkarten, Kartenständer, Schulbücher, rote und weiße Holzkugeln für den Chemie­unterricht und zerlegbare Körpermodelle, das alles liegt hier gestapelt bis zur Decke. „Wenigstens das konnten wir retten“, sagt Claudia Stauss vom Verein „Denkmal-Kultur-Mestlin e.V.“. Nur ein Bruchteil von dem, was gleich nach der Wende aus der Bibliothek des Kulturhauses und 2013 aus dem Schulspeicher auf die Straße flog. „Das kam einer Bücherverbrennung gleich“, sagt mir später ein ehemaliger Lehrer. Bänke, Tische, Bilder, Statuen, Bücher. Die flogen nur so durch die Fenster in den Container auf dem Marx-Engels-Platz. Der Denkmalverein brachte ein paar Dinge in Sicherheit. Und so steht nun das gerahmte Porträt von Erich Honecker hier, hinter Kinderbüchern und Schaubildern. Die Schrift „Die Sache Lenins siegt und lebt“ liegt zuoberst und „Mein Leben“ von Karl Marx liegt da auch. Ich stehe im Kulturhaus von Mestlin und staune über die staubige Schatzkammer. 

Das kam einer Bücherverbren-
nung gleich, sagt ein ehemaliger Lehrer.

Seit drei Tagen wohne ich jetzt hier, in diesem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Und ich werde noch ein paar Wochen bleiben. 25 Jahre nach dem Mauerfall will ich wissen, was von der DDR noch übriggeblieben ist. Und bin bei meiner Suche auf diesen Ort gestoßen.

Mestlin, das erste und einzige sozialistische Musterdorf der DDR. Zwischen 1952 und 1957 wurde hier ein sozialistischer Landtraum erbaut: Das gigantische Kulturhaus fürs Volk, am anderen Ende des riesigen Platzes der Konsum, nebenan der Industrie- und der Lebensmittel-HO, rechts die Schule, daneben der Kindergarten und der Kinderhort, auf der anderen Seite das „Landambulatorium“, das Krankenhaus mit Entbindungs- station, Augenarzt, Operationssaal, Physiotherapie. Ein Dorf mit allem Komfort der Stadt. 180 solcher Vorzeigedörfer sollten es werden. Aber allein der Bau von Mestlin verschlang drei Millionen Ostmark, und so ist es bei diesem einen Dorf geblieben. Die Kulisse steht noch, auch wenn sie bröckelt. Nur, wie sieht es innen aus, in den Menschen? 

Meine Adresse: Marx-Engels-Platz 6. Ein Zimmer in einem der 1953 gebauten Wohn- häuser für die Arbeiter und Bauern von Mestlin. Sechs Quadratmeter DDR, die Wände dünn wie Papier. Unter mir der Konsum, der dann „Quelle“ wurde und nun seit Jahren leer steht. Über mir Conny, Mutter von vier Kindern. Conny arbeitet bei der Arbeiter- wohlfahrt, Marx-Engels-Platz 4, gleich nebenan. Hinter den AWO-Räumen war früher die Gemeindeverwaltung, die Post, die Sparkasse. 

Das Früher liegt jetzt hinter einem roten Vorhang. Der ist ganz zugezogen. Ob ich mal dahinter gucken kann, frage ich Agnes, die Kollegin von Conny. Agnes erhebt sich und schiebt den roten Vorhang langsam beiseite, dahinter ist eine Tür. Als sich der Schlüssel endlich dreht und die Tür sich öffnet, wird es plötzlich ganz kühl und dämmrig. Ein modriger Geruch schlägt uns entgegen. Rechts, am Ende des Ganges, zeichnet sich ein Wandfresko ab. Wir gehen dichter ran. „Alles mit dem Volk, alles durch das Volk, alles für das Volk“ steht über dem Bild, auf dem ein Traktor, ein Bauarbeiter und zwei Schüler mit Spaten zu sehen sind. „Ist doch schön, oder?“ murmelt Agnes, mehr zu sich selbst als zu mir.

Eigenartigerweise flüstern wir, als wir den Gang weitergehen. Agnes bleibt drei Schritte hinter mir, als ich vorsichtig weitere Kammern öffne. „Hier saß Frau Kalkhorst“, flüstert Agnes, „die Lampen, die sind noch original“. Im Büro des Bürgermeisters hängen noch die alten orangefarbenen Gardinen. „Und der Geruch, der ist auch noch der gleiche“, wispert Agnes. Links und rechts vom Fenster stehen zwei große Tresorschränke, die Schlüssel stecken noch. Beide sind leer. Nur auf den Brettern pappen noch die mit der Schreibmaschine getippten Aufkleber von Frau Jörres, der Standesbeamtin. Aufkleber, die das Leben fein säuberlich eingeteilt haben nach „Aufgebote“, „Sachen Ehe- schließung“ und „Sachen Sterbefall“.

Herr Schulze,
bis zur Wende Schuldirektor, ist das Gedächtnis von Mestlin

Als ich wenig später in der gleißenden Sonne auf dem Marx-Engels-Platz stehe, treffe ich an der Bushaltestelle Alina, 14 Jahre alt. „Was weißt du eigentlich noch von der DDR“, frage ich sie. „DDR? Keine Ahnung“, antwortet Alina. Irgendwas? „Ohje … ok … Die haben in engen Räumen gewohnt … und … hmmm…die hatten nicht so viel zu essen wie wir“, sagt sie. „Und die mussten sich sogar ihre Haare selber schneiden“.

Herr Schulze winkt mich heran. Er war bis zur Wende Schuldirektor. Dann wurde der Parteigenosse entsorgt. Ein paar Jahre später ist er Bürgermeister von Mestlin. Seit die Gemeindeverwaltung ­geschlossen wurde, hat der Bürgermeister sein Büro in der Schule. Und so will es das Schicksal, dass Herr Schulze wieder genau da sitzt, wo er vorher auch war: in seinem alten Direktorenzimmer, auf seinem alten Platz. 

Die Schule steht neben dem Kulturhaus und ist ebenfalls ein sozialistischer Musterbau. Früher lernten hier 500 Schüler, jetzt sind es höchstens noch 50. Das Fresko an der Außenfassade zeigt einen Lehrer, der wissbegierigen Kindern einen Maiskolben erklärt. Darüber sind fleißige Schnitterinnen zu sehen. Als ich, dem Ruf des Bürgermeisters folgend, das Gebäude betrete, kommen mir ein Mädchen mit Lillifee-Ranzen und ein Junge mit Basecap entgegen. Sie laufen unter der Uhr her, die seit 50 Jahren weitertickt, und an den sozialistischen Wandfresken vorbei, die Kinder aus aller Welt zeigen. Sie laufen an dem Sinnspruch am Eingang entlang, auf dem heute in Schreibschrift steht: „Wissen ist ein Schatz, der den ­Besitzer überallhin begleitet.“ 

Bei Herrn Schulze treffe ich den ehemaligen Chemielehrer, Herrn Peters. Er ist 87 Jahre alt und das Gedächtnis von Mestlin. Herr Peters hat 1951 an der Schule angefangen und bis zur Pensionierung hier gelehrt. Er wohnt gleich neben der Schule, in einer der ersten Musterwohnungen in der Ernst-Thälmann-Straße. Er muss seinen Job gut gemacht haben, denn später komme ich mit vielen weißhaarigen Schülern um die siebzig ins Gespräch, die immer noch vom Lehrer Peters schwärmen.

Herr Peters hat jedes Ereignis, jedes Datum gespeichert. Er hat eine Chronik über Mestlin geschrieben. Wir sitzen in seinem Archiv in einem Raum der Schule und reden und reden. In den 70er Jahren habe er gemerkt, dass es nicht funktionieren kann. „Schade“, sagt Herr Peters, aber die Menschen legten den Egoismus eben nicht ab. Und dann diese Spitzelei. Da hätte man nicht froh werden können. Dieses ewige Umgucken, ob da nicht jemand mithört, der nicht mithören soll … Er hat Plakate, Fotos, Dokumente, Briefe gesammelt. Schrank um Schrank voll mit Schätzen aus vergangenen Zeiten. Da liegen die Veranstaltungspläne für das Kulturhaus von April 1975. Zum Jahrestag des Sieges der ruhmreichen Sowjetarmee! Bürger Mestlins! Schmückt eure Häuser mit Fahnen und Girlanden!

Ich klingle an den Türen der Bürger Mestlins. Ich will wissen, ob sie noch was haben aus der DDR. Irgendeinen Gegenstand, etwas von dem sie sich nicht trennen konnten. Nee, sagen die meisten. Alles weg. Weg. Alles weggeworfen. Wir haben doch alles neu. Ja. Oder? Warten Sie mal. Na, doch. Der Orden. Der könnte noch. Aber wo? Da muss man aber erstmal suchen. Kommen Sie doch morgen wieder.

Am nächsten Tag wieder klingeln. Jetzt gibt’s Kaffee und Kuchen, frisch­gebackene Kekse, Kassler mit selbstgezogenem Gemüse. Und es liegen fremde Dinge auf dem Tisch: Parteiausweis, NVA-Ausweis, Ausweise, auf denen quer ein „ungültig“ gestempelt ist, Pionierhalstücher, FDJ-Hemden, goldene Sportmedaillen, Briefe, die „mit sozialistischem Gruß“ unterschrieben sind, Fotos, Jugendweihe-Urkunden, Ehrenbanner der SED. Es liegen da Anstecknadeln von DKP, SDAJ, DTSB, DFD, FDJ. Und es fallen Worte, die ich noch nie gehört habe: Spartakiade, Aktivist, Sobotnik, Abschnittsbevollmächtigter, Volkssolidarität, Pionierleiter, Gruppenrat. Und mit diesen Worten steigen auch die verborgenen, die weggepackten Erinnerungen hoch. 

Es fällt ihr der Name einer DDR-Schauspielerin ein: Marylin Monrow.

Zum Beispiel bei Frau Frank und ihrem Mann. Da sitzen zwei am Küchentisch, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie war Lehrerin, für Deutsch, Geschichte und Staatsbürgerkunde. Und Parteisekretärin. „Eine rote Socke, wenn Sie so wollen“, sagt sie und lacht. Na, und er? „Mich wollten die immer haben, Intelligenz hatten die ja schon genug“, sagt der Elektriker mit einem schrägen Blick auf seine Frau. „Aber mir war das einfach zu viel Geschwafel.“ Wie jetzt? Nicht immer alle auf Linie in der Familie? Jetzt lachen beide. Mächtig gefetzt hätten sie sich.

An der Bushaltestelle auf dem Marx-Engels-Platz hängen Kevin und Liza ab. „Was wisst ihr eigentlich noch von der DDR?“ will ich wissen. „DDR?“ fragt der 17-jährige Kevin überrascht. „Ach du Scheiße. Das hatten wir doch in der Schule … Warte mal … Die hatten keine Autos, nur Pferde und Kutschen“. Und Liza, 16, stöhnt: „Alt. Alte Klamotten, alte Frisuren, alte Filme. Schwarz-weiß.“ Und dann fällt ihr noch der Name einer alten DDR-Schauspielerin ein: „Marylin Monrow hieß die.“ 

Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft war schon immer der größte Arbeitgeber in dem Dorf, das jetzt noch knapp 800 Einwohner hat. Und ist es bis heute. Früher waren es 300 Teilhaber, heute sind es noch 20. Aber sie funktioniert immer noch, und sogar gut. Auf dem Weg dahin begegnet mir der Mann, der früher „Scheiß Osten“ hieß. Er hat eine Tischlerei in den ehemaligen Räumen des „Kreisbetriebes für Landtechnik“. Die ist pleite gegangen. Ein überwuchertes Grundstück gleich neben der LPG. „Scheiß Osten“ hieß „Scheiß Osten“, weil er früher immer „Scheiß Osten“ gesagt hat. Jetzt heißt er „Scheiß Westen“.

Frau Nörenberg-Kolbow ist die Leiterin der LPG und eine resolute Frau. Sie hat Pflanzenproduktion in Rostock studiert, an der „Wilhelm-Pieck-Universität, aber die heißt ja heute anders“. Frau Nörenberg zeigt mir die LPG, da stehen die alten Traktoren, Marke „Aktivist“ und „Brockenhexe“ neben den hochmodernen zehn Mal so breiten Mähmaschinen. Aber die alten sind noch in Betrieb. „Unverwüstlich“, sagt die LPG-Leiterin. 

Ob hier noch was auf dem Speicher ist? frage ich wieder mal. Wir steigen die engen Holzstiegen hoch, Frau Nörenberg voran. An dem mit Girlanden dauergeschmückten Saal für Feiern vorbei, und noch eine höher. Dann wird’s dunkel und die Stiegen werden enger. „Hier war ich ja seit 20 Jahren nicht mehr“, murmelt Frau Nörenberg. Durch drei kleine Fenster an der Stirnseite des großen Speichers fällt etwas Licht. Es fällt auf die Fahrtenbücher von 1975. Es fällt auf eine Kiste Glühbirnen vom volkseigenen Betrieb Berliner Glühlampen-Werk. Es fällt auf große Holzstäbe, die mit einem Gürtel zusammengebunden sind, die sind aus dem Jahr 1945. Es sind die Stäbe, mit denen die Großbauern enteignet wurden, die Stäbe, mit denen zur Bodenreform das Land abgemessen wurde. Das alles ist halb mit dickem Staub bedeckt, die andere Hälfte wird von einer Deutschlandflagge zugedeckt. „Aber das ist, glaube ich, die Westfahne“, sagt Frau Nörenberg und hebt sie kurz an. Ja, ist es. „Och“, sagt Frau Nörenberg, als ich nach hinten ins Dunkel zeige. Da stehen noch weitere Fahnen, sorgfältig zusammengerollt: Die DDR Fahne und zwei rote Fahnen. 

An der Bushaltestelle auf dem Marx-Engels-Platz langweilt sich Michi mit seinen Kumpels. Sie sind 14 Jahre alt. Was wisst ihr eigentlich noch von der DDR? „Nichts!“ rufen alle unisono. Ich zeige auf das Straßenschild: „Und Marx und Engels, irgendeine Idee?“ Michi zuckt mit den Schultern „Keine Ahnung, den kenne ich nicht.“ Und er fügt entschuldigend hinzu: „Aber ich wohn’ ja auch noch nicht so lange hier.“

Was wisst ihr eigentlich noch von der DDR? 

Je länger ich da bin, desto stärker ich eintauche in den Mestliner Dorfalltag, desto mehr werde ich zur Dorffotografin. Die Theater-Gruppe, die im Kulturhaus probt, braucht ein Plakat. Und dann noch schnell für die Ankündigung Fotos für die Schweriner Volks- zeitung. Die Schule fängt an und Herr Bölsche, der Reporter des Dorfes, der früher mal VK Bölsche, Volkskorrespondent Bölsche hieß, ist ausgerechnet an diesem Samstag nicht da. Ob ich nicht? Ich kann. Einen Vormittag lang fotografiere ich Kinder in Sonntagskleidern mit viel zu großen Schultüten vor einem Blumengesteck.

Ich gehe mit den Jugendlichen im See schwimmen, mit den Anglern angeln und bei dem gastfreundlichen Ehepaar Biermann verbringe ich meine Nachmittage bei türkischem Tee und Geschichten von früher. Was war hier früher alles los! In unserem schönen Kulturhaus. Wer war nicht alles hier: Bärbel Wacholz, der Gert-Michaelis-Chor, das Polizei-Orchester aus Schwerin. Sogar Karat und die Puhdys. Unten im großen Saal wurde Theater gespielt, rauschende Feste wurden gefeiert. Man saß brigadeweise zusammen und sang: „Der Mais, der Mais, wie jeder weiß, das ist ein strammer Bengel, der Mais, der Mais, das ist die Wurst am Stengel“. Das war das Maisfest. Und dann der Pionier-Fasching, die Namensgebungen, die Jugendweihe-Feiern! Da platzte das Kulturhaus aus allen Nähten. Dafür wurden im Konsum von Rita Staats schon mal ein paar Extra-Portionen Negerküsse zur Seite gelegt. Und der Bäcker Melchert machte 70 Torten mehr und dazu Windbeutel, Schillerlocken, Liebesknochen und Hefeschnecken.  

Die Feiern zum 8. März fanden im kleinen Saal statt. Da wurden zum Frauentag die Nelken überreicht. Und die Frauen saßen an langen Tafeln zusammen und ließen sich von den Männern Kaffee und Kuchen servieren. Dann gab’s bulgarischen Rotwein und es wurde bis in die Puppen getanzt.

Was war früher alles los in unserem Kulturhaus!

Am Ende des kleinen Saales fällt, wie bei einer Kathedrale, Licht durch ein Glasbleifenster. Leuchtende Szenen eines heilen sozialistischen Alltags, Feldarbeiterinnen, Schlosser, Zimmermann, Krankenschwester. Alle Teil des großen Ganzen. Dem Fenster fehlt jetzt die untere Hälfte. 

Das gehört zur anderen Geschichte von Mestlin. Eine Art Kollektivtrauma, das ich immer wieder zu hören bekomme. Es fängt gleich mit der Wende an. Der Wessi kam und mit ihm die erste Großraumdisco in der Region, ausgerechnet ins Kulturhaus Mestlin. Ein vielleicht nicht so ganz naiver Bürgermeister machte es möglich. Der Wessi schüttete Sand auf das Parkett, er strich die Wände schwarz und übermalte ein Fresco mit Landarbeitern am Eingang. Er riss die Kronleuchter runter und ließ sie auf dem Steinboden zersplittern. Mestlin, das sozialistische Musterdorf, wurde am Wochenende Ziel von Tausenden von Disco-Besuchern aus Hamburg. Sie pinkelten auf den Marx-Engels-Platz und kotzten in die Ernst-Thälmann-Straße. Der Wessi machte sich irgendwann aus dem Staub, und nahm alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Die Mestliner saßen buchstäblich vor den Trümmern ihrer Geschichte. 

Die Zeit. Wie lange bin ich jetzt hier? Eine Woche? Zwei? Drei? Die Zeit scheint hier langsamer zu vergehen. Wieso? Weil mehr davon da ist? 

An der Bushaltestelle steht die 20-jährige Nicole mit Kinderwagen, darin ist ihre drei Monate alte Tochter. Sie wartet auf den Bus nach Schwerin. Auf Nicoles Hose ist ein schwarzer Aufnäher, auf dem eine Faust ein Hakenkreuz zerschlägt: „Gegen Nazis“ steht darunter. Was weiß Nicole eigentlich noch von der DDR? Sie stöhnt: „Meine Eltern erzählen so oft davon, ich kann’s nicht mehr hören. Das ist Vergangenheit. Und ich, ich lebe im Hier und Jetzt.“

Bettina Flitner

www.bettinaflitner.de

 

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Wiedervereinigung: Die Macht der Sprache

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Wir befinden uns in einem Hörsaal der Leipziger Universität. Sprachwissenschaft. Die Dozentin stellt eine Frage: „Wer ist Ossi, wer ist Wessi?“. Wir sind 46 Ossis und drei Wessis, ergeben die Handzeichen. Und wir sind alle Frauen, wie es in den Geisteswissenschaften oft so üblich ist. Die Dozentin stellt eine zweite Frage: „Wer von Ihnen besteht darauf, ‚Studentin‘, und nicht ‚Student‘ genannt zu werden?“ Es schnellen drei Hände nach oben. Es dürfte klar sein, von wem.

Prompt startet eine hitzige Debatte, die mit „Es ist doch völlig egal, wir sind doch mit gemeint“ – „Nein, sind wir nicht, das denken wir nur“ anfängt und bei „Lächerliches Westler-Rumgezicke“ und „Typisch ostdeutsche Ignoranz“ endet. Schon nach wenigen Minuten geht es nicht mehr um Sprache, sondern um ost- und westdeutsche Befindlichkeiten. Das passiert schnell, wenn OstlerInnen das Gefühl haben, von WestlerInnen ­belehrt zu werden – und WestlerInnen meinen, in Sachen Feminismus wieder beim Feuerstein anfangen zu müssen.

Unsere Dozentin, die auf diese Weise „lebensnah“ das Seminar zur „Feministischen Sprachwissenschaft“ einleiten wollte, ist angesichts des Tumults im sonst so schweigsamen Hörsaal sprachlos. Vermutlich beginnt sie zu ahnen, dass ein hartes Stück Arbeit auf sie zukommen wird.

Was Ost und West bis heute auch trennt, ist die eigentlich gemeinsame Sprache. Beim Thema „in“ für Personenbezeichnungen oder dem großen I scheiden sich die Geister, auch unter jungen Frauen, und auch unter jenen, die sich als femi­nistisch bezeichnen würden. Und das ­besonders im Osten. Weil „Feministische Sprachwissenschaft“ nicht auf dem Deutsch-Lehrplan der Schulen steht, und weil bis heute fast alles, was mit dem Prädikat „feministisch“ versehen ist, schnell in die West-Propaganda/Klassenfeind-Ecke abgeschoben und für den per se ­gleich­berechtigteren Osten sowieso als nicht ­zutreffend eingestuft wird.

Zu DDR-Zeiten stand „Werkzeugmacher“, „Kranführer“, „Arzt“ in den Arbeitspapieren der weiblichen Arbeitskräfte, die ihren männlichen Kollegen in Nichts nachstanden. Gleiche Arbeit, gleiche Rechte, ­gleiche Pflichten, gleiche Sprache. Darum ging es schließlich im Kommunismus. Doch im Gegensatz zu ihm hat der Frauen-negierende Sprachduktus erfolgreich überlebt.

Ich bin von der Herkunft Wessi und lebe seit zehn Jahren im Osten. Und ich bekomme noch immer Post, die an „Frau Redakteur“ adressiert ist, war Volontär Ross, bin der Anwohner, der Kfz-Halter, der Falschparker. Und nein, es ist mir noch immer nicht egal.

Denn es geht um Macht, um die Macht der Sprache. Sprache erschafft Welt, wie ­bereits Wilhelm von Humboldt 1825 ­herausfand. Und der kurze Blick zurück zu den Wurzeln der Sprachforschung lohnt sich, um zu verstehen, warum das, was wir da von uns geben, so wichtig ist. Das ­Unbekannte wird erst erschlossen, wenn wir es in Worte fassen können. Mit der Sprache entwickeln sich Gedankenmuster, die die Mentalität einer Kultur und ihre Identität bestimmen. Mit seinem Aphorismus „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ übte Wittgenstein einst kühne Sprachkritik und wusste vielleicht selbst noch nicht, in welchem Ausmaß er damit Recht behalten sollte.

Die Humboldtsche Erkenntnistheorie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von zwei weiteren Sprachforschern, Edward Sapir und seinem Schüler Benjamin Lee Whorf, aufgegriffen und radikalisiert. Die zwei gingen so weit zu sagen, dass Sprache nicht nur unsere Welt erschafft, sondern dass das Denken überhaupt erst durch unsere Sprache möglich ist. Einstellungen, Denkprozesse, Haltungen von Menschen sind ihrer Meinung nach die Ergebnisse von Sprachausübung.

Sapir und Whorf stützten sich dabei auf eine Beobachtung der Inuit. Zum Beispiel haben die Inuit 36 verschiedene Ausdrücke für Schnee, weil Schnee in ihrer Kultur eine lebenswichtige Rolle spielt. Er sagt ihnen, ob sie jagen gehen können, ob ein Unwetter heraufzieht oder ob in aller Ruhe am Iglu gebastelt werden kann.

Die Sprache zeigt, was wichtig ist in einer Kultur – und was nicht. Schnee ist in unserem Kulturkreis nur wichtig, wenn er die Autobahnen verstopft. Bezeichnungen, die über Schneeregen, Neuschnee usw. hinausgehen, kennen und brauchen wir nicht. Interessant ist in diesem ­Zusammenhang zum Beispiel, dass fundamentalistische islamische Strömungen das Wort „Frau“ verboten haben und durch „Familie“ ersetzen lassen. Mit der äußer­lichen Verschleierung geht die sprachliche einher – und mit beiden zusammen die Identität, ja Existenz von Frauen flöten.

Manchmal ist unser gedankliches ­Potenzial größer als unsere verbale Wirklichkeit und manchmal auch nicht. Zum Beispiel dann, wenn es um „schlechte und bessere Vögel“ geht, eine Theorie, die auf die Soziolinguistin Eleanor Rosh zurückgeht. Wenn wir das Wort „Vogel“ hören oder lesen, denken die meisten von uns an einen Spatz, eine Meise oder ein Rotkehlchen. Einen süßen, guten Vogel. Ein Flamingo, Pinguin oder Aasgeier käme uns eher nicht in den Sinn. Diese Vögel gehören nicht zu unseren Prototypen, sind also schlechte Vögel. Diese Theorie funktioniert auf jedem Gebiet unseres täglichen Lebens. Rosh hat zum Beispiel bewiesen, dass ein Spatz der beste Vogel, eine Erbse das beste Gemüse, ein Stuhl das beste Möbelstück und ein Hammer ein viel besseres prototypisches Werkzeug ist als ein Brecheisen oder eine Schraubzwinge.

Und ja, Roshs Prototypentheorie funktioniert auch für Menschen. Ob wir wollen oder nicht, wir denken normiert. Werden wir gebeten, an den Bürgermeister von Wanne-Eickel zu denken, werden wir ­diesen, es sei denn, wir sind Wanne-Eick­lerInnen, nicht kennen. Wohl aber werden wir alle einen Mann mittleren Alters in einem mittelprächtigen Anzug von der Stange und eventuell lichtem Haar vor ­unserem geistigen Auge aufblitzen lassen.

Unser Prototyp Mensch ist männlich, weiß, zirka 1,85 Meter groß, leicht untersetzt und zwischen 40 und 50 Jahre alt. Er kleidet sich nach allen Regeln des ­Mittelstandes, seine Haare werden zunehmend weniger. Er ist der Mustermann aller Mustermänner, der Spatz, die Erbse, der Stuhl, der Hammer. Die Krone der (Wort)Schöpfung. So zumindest will es unsere Sprache.

Genauer gesagt, das „generische Maskulinum“ will es so. Wir sagen „der ­Doktor“ und meinen eine Frau. Der syntaktische Anspruch des generischen Maskulinums liegt darin, beide Geschlechter einzuschließen, die Frau immer „mit zu meinen“, auch wenn nur die Männer ­benannt werden. Doch in Wahrheit liegt dieser Verallgemeinerung eine Fehlidentifikation zu Grunde, da sie eine Unschärfe durch vermeintliche Neutralisation produziert: Frauen haben eben nicht die ­gleichen Chancen des Gemeintseins wie Männer.

Feministische Sprachwissenschaftlerinnen wie Luise F. Pusch und Senta Trömel-Plötz bewiesen anhand von Studien in den 1980er Jahren, dass der Ausschluss von Frauen ein grundlegendes Schema in unserer Kultur ist. Wir sehen die Welt durch ein männliches Prisma, das durch unsere Sprache mit geformt wird. Pusch belegt zum Beispiel, dass 88 Prozent der von ihr beobachteten Kinder (240) ihren Spielzeugen männliche Namen geben. Auf 94 Prozent aller von ihr untersuchten Biologie-Bücher ist ein männlicher Körper auf dem Cover, ebenso auf 93 Prozent aller medi­zinischen Bücher. Weitere Teststudien haben erwiesen, dass der herkömmliche Sprachgebrauch falsche innere Bilder ­erzeugt. Und auch wenn weibliche Formen existieren, sind es die männlichen, die ­dominieren. Ein Mann, der „Hebamme“ werden will, wird sofort in einen „Geburtshelfer“ umbenannt, aber eine Frau, die nicht mehr „Amtmann“ genannt werden will, muss dafür vor Gericht ziehen.

Nach Pusch gibt es im Deutschen nur einen Fall, in dem eine männliche Form von einer weiblichen abgeleitet wird – der Bräutigam. Auch werden Berufsbezeichnungen sprachlich aufgewertet, sobald ein Mann die Sphäre betritt: Ein männliches Zimmermädchen wird zum „Room-Boy“, eine Politesse zum „Hilfspolizisten“, eine Hebamme zum Entbindungshelfer, eine Sekretärin zum Assistent Co-Ordinator.

Gegen das generische Maskulinum spricht außerdem, dass es nicht konsequent ist. Es ist asymmetrisch: In Tageszeitungen wird oft darauf verwiesen, dass Frauen bei der Verwendung maskuliner Formen selbstverständlich miteinbezogen werden, in der Einzelberichterstattung wird dann aber doch auf die feminine Form zurückgegriffen. Unter einem Bild von Steffi Graf würde wohl kaum „der ehemalige Tennis-Spieler …“ stehen. Das innere Bild, das durch „der Tennis-Spieler“ entsteht, kollidiert mit dem tatsächlichen, das dann doch „die Tennisspielerin“ fordert.

Und so wichtig das „-in“ auch ist, es hat ebenfalls ein Geschmäckle. Unsere Sprache sagt uns sehr deutlich, wer die Norm ist, und wer die Abweichung. Die Norm gibt sich immer dadurch zu erkennen, dass sie nicht markiert werden muss. Das „-in“ ist die Markierung, die Spezifizierung der Norm. An dieser Stelle ist ­unsere Sprache defekt.

Aber besser defekt als unsichtbar. An Defekten kann man arbeiten. Den Sprachwissenschaftlerinnen Luise Pusch und Senta Trömel-Plötz ist es zu verdanken, dass Frauen herabwürdigende Paraphrasen aus dem Duden verschwunden sind, wie: „Vater liest ein Buch – Mutter liest Erbsen“, „Der Mann ist gebildet – Das Mädchen ist reizend“, „Während er mit Vollgas abbraust, braust sie die Kinder in der Wanne ab“, „Er rollt den Teppich aus, sie den Teig“. Die Feministische Sprachwissenschaft hat also durchaus Erfolge zu ­verbuchen, Sexismen in Schulbüchern sind nahezu komplett verschwunden.

In den Deutschbüchern von heute gehen auch die Mütter zur Arbeit, sorgen sich gleichermaßen die Väter um die ­Kinder, erleben auch Mädchen Abenteuer. In der direkten Kommunikation wäre es heute unhöflich, Frauen mit männlichen Personenbezeichnungen anzusprechen und auch in der Behördensprache hat sich viel getan (also nicht mehr „Frau Amtmann“ für die Gattin des Amtmannes).

Doch die Verwendung der Sprache ist noch immer ein Spiegel der Machtstrukturen in unserer Gesellschaft. Wir alle haben männliche Denkmuster internalisiert. Und unsere Geschichte und Kultur stützt diese Internalisierung, da Männer in unserer Lebenswelt omnipräsent sind. Wir sehen fast ausschließlich Männer in Führungspositionen und denken, das sei normal. Wir wundern uns nicht, warum jeden Abend in der Tagesschau ausschließlich kampfwütige Männer in den Straßen Bagdads zu sehen sind, wenn aus dem Irak berichtet wird und von „den Irakern“ die Rede ist.

„Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib“, heißt es in den zehn Geboten, in der deutschen Nationalhymne sind es „Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang“, die die Männerwelt zu „Edler Tat begeistern“ ­sollen. Für den Dekonstruktivisten Jacques Derrida existierte die Frau einfach nicht, da die gesamte Weltordnung ­phallo­kra­tisch ist.

Für Frauen ist es vertretbar, hin und wieder „Doktor“ oder „Lehrer“ genannt zu werden. Kein Mann würde sich „Lehrerin“ oder „Krankenschwester“ nennen lassen, es sei denn, er wäre schwul und hätte Humor. Feminisierung bedeutet für den Mann immer Deklassierung. Ein Hund macht Männchen, wir reden von Vater Staat, dem großen Bruder, den Marsmännchen, Ampelmännchen oder dem Mann im Mond. Und Gott ist ja ­irgendwie auch ein Kerl.

Mit den Mars- und Ampelmännchen können wir wahrscheinlich noch ganz gut leben, doch der Ausschluss von Frauen in unserer Sprache hat tiefer gehende Konsequenzen. Zum Beispiel durften Frauen in der Schweiz bis 1971 nicht wählen, weil der Gesetzestext sie nicht mit eingeschlossen hat, und nur „jeder Schweizer Bürger“ wahlberechtigt war. Nur nebenbei: Steuern zahlen mussten Frauen auch in der Schweiz.

Umfragen kamen zu ganz anderen Ergebnissen, wenn Frauen gleichermaßen benannt werden. Auf Stellenanzeigen, die mit der femininen Form ausgeschrieben werden (Bezirksleiter/innen), antworten dreimal so viele Frauen wie ohne sie. Eigentlich ist die sprachliche Gleichbehandlung in Stellenanzeigen gesetzlich festgelegt, Regelverstöße werden jedoch nicht geahndet.

Das Schlüsselverzeichnis der Bundesagentur für Arbeit verwendet weiterhin überwiegend maskuline Berufsbezeichnungen und das, obwohl die Bezeichnung des Berufs nachweislich unmittelbar mit der Identität, Selbstachtung und Würde des Menschen zu tun hat. Festgestellt wurde auch, dass sich Männer mit Texten jeder Art besser identifizieren können, da alle Nomina Agentis, sprich die ­sprach­lichen Handlungsträger, ihrem natürlichen ­Geschlecht entsprechen. Frauen können sich in Tarzan hinein versetzen, echte Männer sich aber niemals in Jane.

Doch ohne gleichberechtigende Sprachnormen und -systeme keine politisch-­gesellschaftlichen Veränderungen. Die Parteien Deutschlands benutzen die Anrede „liebe Bürgerinnen und Bürger“ erst, seit Frauen in den 1980ern als ernst zu nehmende Wählerinnen erkannt wurden. Kein Poli­tiker und keine Politikerin würde es heute in öffentlichen Diskussionen riskieren, die Hälfte seiner/ihrer möglichen WählerInnen sprachlich auszuschließen.

Das Kernproblem jedoch bleibt bestehen: Wir Frauen sind zu loyal. Zu loyal gegenüber unserer patriarchalen Zivilisa­tion, loyal gegenüber Witzen über Stief- und Schwiegermütter. Renate Künast wird gefragt, ob sie was gegen Röcke habe, Angela Merkel hin und wieder „Frau Bundeskanzler“, in Comedy-Programmen gar „Das Merkel“ oder „Muttchen“ genannt und niemand regt sich auf. Über die Annahme, dass sich Gerhard Schröder die Haare töne, wurde monatelang diskutiert, seine Männlichkeit dabei jedoch nie in Frage gestellt.

Wenn Frauen in der Sprache gleichermaßen präsent sind, sind sie es auch in der Wirklichkeit. Für holländische Tageszeitungen ist es völlig normal, immer auch die weiblichen Formen zu verwenden. In Ländern, in den der Machismo stark ausgeprägt ist, wie Italien, Mexiko oder ­Spanien, wurde eine sprachliche Gleichbehandlung gesetzlich festgelegt, was weitreichende Verbesserungen in Sachen Gleichberechtigung auf den Weg gebracht hat. In England und Irland existieren mittlerweile sprachliche Antidiskriminierungsgesetze, deren Einhaltung staatlich überprüft wird. So wurden aus den „firemen“ die „firefighter“. Siehe da, Sprache ist genderbar.

Bedenken wir, wie sehr Sprache und Denken zusammenhängen, wird deutlich, welche Bedeutung den beiden Buchstaben I und N eigentlich zukommt. Eine männlich dominierte Sprache verneint die Geschichte und die Wirklichkeit einer weiblichen Tradition, macht uns Frauen in der Gegenwart und für die Zukunft unsichtbar. Doch es reicht, dass Frauen in Geschichtsbüchern als Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Aktivistinnen oder Philosophinnen ignoriert werden! Die Sprachlosigkeit von heute liegt in der Hand jeder Sprecherin. Das gene­rische Maskulinum ist ein vom Patriarchat geschaffenes Privileg, kein Naturereignis. Sprache ist veränderbar.

Darf ich hoffen, liebe Kommilitoninnen, dass auch Ihr in nicht allzu ferner Zeit vom Studenten zur Studentin avanciert?

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Senta Trömel-Plötz: „Gewalt durch Sprache.“ (Fischer TB) und „Frauensprache. Sprache der Veränderung“ (Frauenoffensive). – Luise F. Pusch: „Das Deutsche als Männersprache“; „Alle Menschen werden Schwestern“; „Die Frau ist nicht der Rede wert“ (Suhrkamp).

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