„Bordell Europas verhindern!“
Alle sprechen vom Social-Media-Verbot, das die CDU auf ihrem Parteitag am letzten Wochenende befürwortet hat. Das ist richtig und wichtig. Ein anderer Beschluss hat es jedoch nicht in die Medien geschafft, dabei würde er, wenn er umgesetzt würde, die Gesellschaft mindestens ebenso tiefgreifend verändern: die Bestrafung der Freier. „Die CDU setzt sich für die Einführung des sogenannten Nordischen Modells in Deutschland ein. Damit soll Prostitution als Ausdruck struktureller Gewalt anerkannt und die rechtliche Grundlage für einen wirksamen Schutz von Frauen in der Prostitution geschaffen werden.“
Deutschland braucht einen grundlegenden Perspektivwechsel zur Prostitution!
So steht es in dem Antrag, der auf dem Parteitag mit klarer Mehrheit verabschiedet wurde. Eingebracht hat ihn die Junge Union. Das ist beachtlich, denn bisher hatte sich vor allem die CDU-Frauenunion für einen Paradigmenwechsel in der desaströsen deutschen Prostitutionspolitik eingesetzt. Jetzt fordert auch die Parteijugend: „Deutschland braucht einen grundlegenden Perspektivwechsel im Umgang mit Prostitution. Wer die Würde des Menschen ernst nimmt, kann Prostitution nicht als Beruf wie jeden anderen anerkennen.“
Geschrieben hat den Antrag der "Arbeitskreis Frauen in der Jungen Union NRW", es waren also "viele engagierte Frauen beteiligt", federführend war dabei die Bonner Jura-Studentin Marlene Metternich. Denn zwar hat die CDU ihren Einsatz für das Nordische Modell schon 2024 in ihr Grundsatzprogramm aufgenommen. Aber da war sie noch in der Opposition. Jetzt kann sie handeln. „Deshalb hat die Junge Union auf ihrem Deutschlandtag im November 2025 beschlossen, dass uns für das Nordische Modell einsetzen“, erklärt Marlene Metternich, Mitglied im Landesvorstand der Jungen Union NRW. Hinzu kommt: Im CDU-Grundsatzprogramm steht nur sehr knapp, dass die Partei ein "Sexkaufverbot" unterstützt. Zum Nordischen Modell gehört neben der Bestrafung der Freier aber noch mehr.
Nämlich, so steht es im Antrag: „Ausstiegshilfen, psychologische Beratung und Wohnraumbeschaffung“ für die Frauen. Außerdem ein Verbot von Bordellen und besser ausgestattete Ermittlungsbehörden. Und eine „bundesweite Informationskampagne über die Realität von Prostitution und ihre Verbindung von Gewalt, Zwang und Armut“.
Damit folgt die CDU ihrer Schwesterpartei. Die CSU hatte sich schon auf ihrem Parteitag Mitte Dezember für die Freierbestrafung plus Ausstiegshilfen für die Frauen ausgesprochen. Eingebracht hatte den Antrag die CSU-Frauenunion. Doch wäre es nach der Antragskommission gegangen, hätte der Parteitag den Beschluss lediglich an die CSU-Bundestagsabgeordneten in Berlin „überwiesen“. Die hätten ihn dann in einer Schublade versauern lassen können. Das wollte Ute Nicolaisen-März unbedingt verhindern. „Ich dachte: Das lassen wir uns nicht gefallen! Wir wollten natürlich Zustimmung!“
Deshalb griff die Juristin und Vorsitzende des CSU-Kreisverbands Starnberg beherzt zum Mikrofon. Und forderte die anwesenden Politiker auf, „sich zu überlegen, ob er seiner Frau, seiner Tochter oder seinem Sohn diesen Beruf wirklich empfiehlt.“ Das wirkte. Jetzt muss sich die CSU-Landesgruppe im Bundestag aktiv dafür „einsetzen, dass das sogenannte Nordische Modell zur Reduzierung von Prostitution, Menschenhandel und der damit einhergehenden organisierten Kriminalität umgesetzt wird!“
Denn, so der Antrag: „Grenzüberschreitende organisierte Kriminalität, Korruption, Geldwäsche, Menschenhandel und schwere Gewaltverbrechen verstecken sich in Deutschland in einem ‚legalen Rotlichtmilieu‘. Folge: „Laut Europol nimmt Prostitution in den Ländern Europas, wo Prostitution noch legal ist, um das Zehnfache zu.“ Auch das gesellschaftliche Signal der legalen Prostitution sei fatal: „Der Staat stellt Prostitution und damit ‚Frauen als Ware‘ als rechtmäßig und damit richtig dar. Das enthemmt die Freier und erhöht die Nachfrage.“ Die Lösung: die Bestrafung der Freier bei gleichzeitiger Entkriminalisierung der Frauen. Denn: „Prostitution zerstört das Leben von Tausenden Frauen in Deutschland!“
Jetzt dürfen wir gespannt sein. Auch die CDU/CSU-Fraktion hatte sich schon im November 2023 für ein Sexkaufverbot ausgesprochen – in der Opposition. Aber jetzt ist sie an der Regierung. Allerdings mit einem Koalitionspartner SPD, der auch 25 Jahre nach seiner fatalen Prostitutionsreform, die Deutschland zum El Dorado für Zuhälter und Menschenhändler machte, immer noch beratungsresistent scheint.
Da hilft nur eins, wie Ute Nicolaisen-März sagt: „Wir müssen dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben!“

