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Delia Keller: Will Gerechtigkeit

Delia Keller bei der Petitionsübergabe im März in Berlin. Foto: innn.it/Malina Ebert
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Die Kinder sind zwei und vier Jahre alt, als sich der Vater aus ihrem Leben verabschiedet und woanders ein neues anfangen will. Das war vor 13 Jahren. Damals war Delia Keller geschockt. Die Künstlerin und Designerin aus Berlin musste von heute auf morgen zwei Kinder allein versorgen, noch dazu als Selbstständige. Parallel startete der Kampf um Unterhalt. 

Die vielen Benachteiligungen als Alleinerziehende veranlassen sie, gegen diese Ungerechtigkeiten anzukämpfen. Mit sechs weiteren Alleinerziehenden organisiert sie 2018, 2019 und 2020 die Demo „Es reicht für uns alle – Demo gegen Kinderarmut“ in Berlin. Zusammen mit dem Verein „Fair für Kinder“ kämpft sie für finanzielle und steuerliche Gerechtigkeit für Alleinerziehende. 

Wir dürfen uns nicht mit dem Verhindern von Kürzungen zufrieden geben!

„Das Grundproblem ist, dass der Staat es den Vätern so einfach macht, ihre Unterhaltspflicht zu umgehen“, erklärt Delia Keller. Nicht nur sie ist mangels Zahlmoral des Vaters auf den Unterhaltsvorschuss des Staates angewiesen. Es gibt 1,7 Millionen Alleinerziehende in Deutschland, 85 Prozent von ihnen sind Frauen. Bei rund 860.000 Kindern muss der Staat einspringen, weil der Vater nicht zahlt. Das sind über drei Milliarden Euro im Jahr. Gerade mal 17 Prozent davon treibt der Staat wieder ein. 

„Die Väter sind nicht untergetaucht, sie alle sind beim Finanzamt registriert. Warum lässt man sie damit durchkommen?“, klagt Keller. Andere Länder machen das anders. Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Norwegen oder die USA zum Beispiel. Sie ziehen die Unterhaltszahlungen direkt vom Gehaltskonto des Drückebergers ein und drohen bei Versäumnis mit einer Bankkonto-Pfändung. Auch kann der Führerschein oder der Reisepass gesperrt werden. 

„In Deutschland hingegen orientiert sich das ganze System am Wohlergehen des Vaters“, hat Keller erfahren und ergänzt „‚Die Vater-Kind-Bindung soll nicht getrübt werden‘, argumentiert zum Beispiel das Jugendamt. Aber wie der Stress der Mutter über die Runden zu kommen die Kinder belastet, ist völlig egal.“ 

Zahlungsunwillige Väter übertragen ihr Vermögen auch gern mal auf die neue Partnerin oder packen einen Großteil des Einkommens in die private Altersvorsorge und entziehen es so dem Steuerzugriff. 

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Ein weiteres Problem: das Kindergeld. Durch eine Sparmaßnahme der Regierung wird das komplette Kindergeld auf den Vorschuss des Staates angerechnet. Dadurch hat Delia Keller über 3.100 Euro weniger im Jahr zur Verfügung, als wenn sie den Mindestunterhalt bekommen würde. Und damit ist sie nicht allein: Über die Hälfte der Alleinerziehenden bekommt keinen oder zu wenig Unterhalt. Das Kindergeld zu bekommen, wäre eine große Hilfe. Deshalb startete sie 2023 auf innn.it die Petition „Kindergeld für alle Kinder – keine Abzüge für Kinder Alleinerziehender“. Ihre Forderung: Alleinerziehende dürfen nicht dafür abgestraft werden, dass der unterhaltspflichtige Elternteil keinen Unterhalt zahlt. Über 145.000 Menschen haben unterschrieben. Im März wurde die Petition an 25 Mitglieder des Bundestags übergeben. „Es herrschte große Zustimmung zu der Forderung, man versprach zu handeln“, erzählt Keller. Es wäre eine erste „machbare“ Reform im Unterhaltsrecht. Passiert ist: nichts. 

Dann Mitte April der Hammer: Der Unterhaltsvorschuss soll gekürzt werden. Keller: „Wir brauchen einen Ausbau des Unterhaltsvorschussgesetzes und keine weiteren Kürzungen. Auch wenn die Kürzungen – wie von der SPD versprochen – nicht durchgehen, findet hier eine Diskursverschiebung statt.“ 

Alleinerziehende haben eine höhere Erwerbstätigenquote und mehr Vollzeitvolumen als verheiratete Mütter in Paarfamilien. Die Alleinerziehende Keller hingegen: „Ich habe kein freies Wochenende, wenig Zeit für Urlaub.“ 

Die Krönung des Ganzen: Zahlungsfaule Väter sind nach drei Jahren fein raus – denn dann verjähren die Unterhaltsschulden. Nur nebenbei: BAföG muss bis zu 20 Jahren zurückgezahlt werden. 

Delia Keller: „Wir brauchen endlich mehr Gerechtigkeit für Alleinerziehende, so wie es auch im Koalitionsvertrag steht. Deshalb bleibe ich bei der Forderung: Kindergeld für alle Kinder – und zwar jetzt! Wir dürfen uns nicht mit abgewendeten Kürzungen zufriedengeben!“ 

Hier zur Petition von Delia Keller!

Auch der Verband der "Alleinerziehenden Mütter und Väter" hat eine Petition gestartet, um die Kürzungen abzuwenden. 139.000 Menschen haben unterschrieben. Hier zur Petition des VAMV!

 

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