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Erfolg im Beruf: Mach's wie ein Mann?

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Zum 6. Januar ist das Gesetz zur Lohntransparenz in Kraft getreten. Ob es die diskriminierende Lohnungleichheit abschafft, wird man sehen, aber eines ist jetzt schon klar: 2018 wird das Jahr, in dem wir am häufigsten die Sätze hören werden: „Die Frauen haben halt schlecht verhandelt“ und „Aber die Männer müssen nun mal ihre Familien ernähren“. Beide Rechtfertigungsversuche sind so hanebüchen, dass es schwerfällt, darauf zu reagieren. Aber Fakten helfen dagegen, und sie finden sich in „What Works“, dem wegweisenden Buch der Verhaltensökonomin Iris Bohnet.

Die Harvard-Professorin hat eine ganz klare Vorstellung davon, wie der Arbeitsmarkt sich optimieren lässt: Nicht die Frauen sollen sich ändern und in wichtigen Gesprächen männlich-dominant geben, um beruflich voranzukommen. Stattdessen sollen die Vorgesetzten und Personalchefs sich bewusst machen, dass tief verwurzelte Vorurteile ihre Entscheidungen beeinflussen und manche Strukturen kompetitive Naturen begünstigen – zu denen statistisch gesehen deutlich mehr Männer zählen. Zumal es Frauen überhaupt nichts bringt, wenn sie auftreten wie Männer und härter verhandeln: Bohnet zitiert Studien, die zeigen, dass eine Frau mit klassisch „männlichem“ Auftreten als unsympathischer wahrgenommen wird. Den Job bekommt in diesem Fall also weder die Frau, die sich sympathisch bescheiden gibt, noch die aktiv für sich werbende Frau, die damit ihre Sympathiepunkte verliert. Den Job bekommt der Mann, dessen Eigenwerbung ihn nicht unsympathisch wirken lässt, weil sie von ihm geradezu erwartet wird. „Bei Frauen funktioniert es nicht nur nicht, sondern Frauen, die es auf diese Weise versuchen, werden dafür auch noch bestraft“, schreibt Bohnet.

Frauen, die für sich werben wie Männer, werden als 'unweiblich' bestraft

Sich zu verstellen bringt also nichts. Aber was soll eine Frau in einem Unternehmen tun, das Männer begünstigt? Darauf warten, dass ihre Personalchefs „What Works“ lesen? Bohnet empfiehlt in ihrem äußerst praktischen Buch eine andere Maßnahme, die sich in einer experimentellen Studie bewährt hat: Sobald zum Beispiel die Frau beim Chef angibt, ihr Teamleiter habe ihr geraten, noch mal über die Vergütung zu verhandeln, bekommt sie weniger Sympathiepunkte abgezogen. Bohnet zitiert auch den Tipp der Facebook-Chefin Sheryl Sandberg, statt von „ich“ in solchen Gesprächen immer von „wir“ zu sprechen, also im organisatorischen Kontext zu argumentieren. Frauen sollten sich also, wenn sie die gleichen Chancen haben wollen wie Männer, immer noch am besten hinter anderen verstecken – was für ein fantastischer gesellschaftlicher Fortschritt. Iris Bohnet verkauft das nicht als Heilsversprechen, sondern ist selbst skeptisch: „Ich fühle mich immer unwohl, wenn ich meinen Studentinnen diese Ergebnisse präsentiere, aber ich denke dann auch immer, dass es noch schlechter wäre, wenn ich ihnen sagte, sie sollten einfach Geduld haben und noch einmal 100 Jahre warten, bis alles besser ist.“

Diese kleinen Tricks dürfen Frauen ­natürlich anwenden – aber Iris Bohnet ­arbeitet daran, dass sie es nicht mehr müssen. (...)

Der vollständige Artikel steht in EMMA März/April 2018. Ausgabe bestellen

Mehr zum Thema
Iris Bohnet: What Works. Wie Verhaltensdesign die Gleichstellung revolutionieren kann. Ü: Ursel Schäfer (C.H. Beck, 26,95 €)
 

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Die Hausfrau: Sie ist wieder da!

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"Sie ist wieder da“, mit diesen Worten betitelte der Spiegel eine Geschichte über Hausfrauen. In Wahrheit war sie nie weg. Wenn es etwas gibt, worauf wir uns in Deutschland verlassen können, dann das: Frauen halten sich primär zuständig für die Haus- und Familienarbeit. Selbst dann, wenn sie gleichzeitig „Familienernährerinnen“ sind, meint: Wenn sie Vollzeit arbeiten gehen und Alleinverdienerinnen sind. Die klassische Rollenaufteilung im Haus greift sogar dann noch, wenn der Mann arbeitslos ist und untätig zu Hause sitzt.

Frauenrechtlerinnen und Politikerinnen versuchen seit Jahrzehnten, etwas daran zu ändern. Mit bescheidenem Erfolg. Zeit für eine neue Strategie?

Putzen Sie endlich langsamer!

Vergesst sie also, die Appelle an eine faire Aufteilung aller Lebensbereiche, an die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen an der Erwerbsarbeit, an das gute Gewissen oder gar an die Liebe auf Augenhöhe! All diese Appelle begehen einen Fehler: Sie wollen Männer für die Hausarbeit ­begeistern – sei es mit Engelszungen, Drohungen oder gar einem Putzplan.

Aber mal ehrlich: Wenn Sie jahrtausendelang auf der Sonnenseite des Lebens gehockt hätten – und die Frauen ja sogar selbst überzeugt waren, dass Männer nicht putzen können, weil a. Gott persönlich oder b. die Natur das so will – würden Sie sich dann im 21. Jahrhundert von einer Gleichstellungsbeauftragten einfach so einen Besen in die Hand drücken lassen?

Auch Hausarbeit ist Arbeit, unbezahlte Arbeit. Und Männer (und auch einige Frauen, das sei hier der Fairness halber notiert) sind dank langjähriger Übung ziemlich gut darin, sich vor derselben zu drücken. Das ist die Realität. Und weil das für Männer so gut läuft, sollten sie fortan unsere Vorbilder sein.

Was also können wir Frauen in Sachen Hausarbeit von Männern lernen? Beginnen wir mit der Definition: Was ist Hausarbeit? Und da schnellt auch schon der Finger der Klassenstreberin in die Höhe! Ist doch klar: Waschen, Wischen, Spülen, Bügeln, Nähen, die Klassiker eben. Männer sehen das anders. Meinungsforschungsinstitute wie Allensbach befragen die Herren der Schöpfung regelmäßig zu ihren Aufgaben im Haushalt. Ergebnis: Auch Männer machen Hausarbeit. Und wie! Sie kümmern sich zum Beispiel um Reparaturen oder die „Anschaffung von Unterhaltungselektronik“. Um die übrigen ebenfalls abgefragten Tätigkeitsbereiche – vom „Staubsaugen“ bis zum „Bad putzen“ – kümmern sich vor allem: die Frauen. Was lernen wir daraus? Alles eine Frage der Auslegung! Definieren Sie zukünftig nur noch die Aufgaben als Hausarbeit, die Sie a. mögen und die b. selten sind. Betonen Sie stets, wie anspruchsvoll diese Aufgaben seien. Und vor allem, dass niemand außer Ihnen sie vernünftig erledigen könne.

Aber die Wäsche, das Geschirr, der Dreck, das kann ja nicht liegen bleiben, oder? Nun, auch hier können wir von Männern lernen. Die effektivste Strategie, eine unliebsame Aufgabe abzuwehren, heißt: Erklären Sie die andere Person zum Experten! Der/die andere kann das viel besser als sie. Frauen machen leider genau das Gegenteil. Sie sind ganz wie die Männer davon überzeugt, dass sie selbst die Expertinnen in Hausarbeit sind. Auch dazu gibt es selbstverständlich Allensbach-Zahlen: 66 Prozent der Männer und Frauen erklären Frauen zu „Spezialistinnen“ im Fensterputzen; 82 Prozent zu Spezialistinnen im Bügeln; und 85 Prozent zu Spezialistinnen im Wäschewaschen.

Sie brauchen ein anderes Wording!

Da schwingt Überlegenheitsgefühl mit. Wir Frauen können das besser. Ein kleiner Augenverdreher hier und da! Der Peter weiß immernochnicht, wie die Waschmaschine funktioniert. Letztens waren alle weißen Hemden rosa, wegen einer roten Wollsocke. Der technisch unbegabte Peter nickt bedauernd. Kompliziert, so eine Waschmaschine. Dass Peter das W-LAN auf allen Familien-Rechnern eingerichtet hat und damit beschäftigt ist, eine Server-Struktur zur Optimierung der technischen Abläufe im Haus aufzubauen, von der mittelständische Unternehmen träumen, wird nicht thematisiert.

Eine unter Frauen verbreitete Masche ist auch die Aufgabenverteilung per konkreter Anweisung. Frei raus. So wie: „Könntest du bitte auch mal die Teller in die Spülmaschine stellen?“ Wer so etwas sagt, hat schon verloren. Das lernt man doch schon mit Zwanzig in der WG. Streichen Sie also ab sofort Sätze, die mit „Könntest du auch bitte mal …“ beginnen. Sie klingen vorwurfsvoll, was zur Folge hat, dass der Typ muffig wird, wenn nicht beleidigt. Und was ist das Ergebnis? Richtig: Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie immer so kleinlich sind, und räumen bis an Ihr Lebensende die Spülmaschine alleine ein.

So funktioniert das also nicht. Das richtige Wording ist gefragt. Doch bevor wir dazu kommen, brauchen wir aber noch einen Zwischenschritt, der ihnen eine wichtige Argumentationsgrundlage liefert: Ändern Sie Ihr Zeitmanagement! Vor allem, wenn Sie zur kritischen Gruppe der Frauen zwischen 30 und 44 Jahren gehören. Nehmen wir die große Erhebung zur „Zeitverwendung“ der Deutschen, die das Statistische Bundesamt etwa alle zehn Jahre herausgibt: Frauen arbeiten im Schnitt jeden Tag mindestens eine Stunde länger im Haushalt als Männer. Zwischen dem 30. und 44. Lebensjahr, wenn die wesentlichen Weichen für beruflichen ­Erfolg, die Höhe des Einkommens und damit auch der Rente gestellt werden, verdoppelt sich diese Zeit sogar auf mindestens zwei Stunden am Tag (und gewinnt der Mann Zeit für die Karriere).

Nehmen Sie sich mehr Zeit für Hobbys!

Nun ziehen wir noch eine weitere ­Variable zur Interpretation dieses Gaps hinzu: das Putz-Tempo – eine höchst individuelle Angelegenheit. Jede, die einem Mann schon mal eine viertelstundelang beim intensiven Abwischen der Granit-Arbeitsplatte in der Küche zugesehen hat, kennt das. In der Zeit haben so manche Frauen die ganze Küche geschrubbt und hängen mit dem Hintern halb überm Fensterbrett, um als nächstes die Scheiben von außen zu polieren. Grober Fehler!

Verlangsamen Sie a. Ihre Putzgeschwindigkeit und legen Sie sich b. ein zeitaufwändiges Hobby zu. Denn auch das erfahren wir aus der großen Zeiterfassung des Statistischen Bundesamts: Es ist nicht nur so, dass Männer 1. weniger Zeit mit Hausarbeit verbringen und sich 2. dabei die Rosinen-Aufgaben herauspicken (Garten, Basteln, Auto, Unterhaltungselektronik). Sie verbringen 3. auch mehr Lebenszeit mit Muße: Sport, Vereinsleben, Musizieren, Spielen. Ja, wo kommt die Zeit wohl her?

Kommen wir nun endlich zum Wording. Wir wissen, Aufgaben im Haushalt lassen sich am besten über Komplimente delegieren: Es gibt einfach niemanden, der so fantastisch bügelt wie du! Außerdem müssen Sie zukünftig zwischen Absichtserklärung und Ausführung unterscheiden. Denn theoretisch sind sich Frauen und Männer ja einig, wie ein zufriedenes Zusammenleben aussieht. „Fast 70 Prozent der westdeutschen und 88 Prozent der ostdeutschen Frauen und Männer stimmen einer egalitären Rollenaufteilung zu“, schreibt Cornelia Koppetsch in ihrer Analyse „Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist“.

Bloß: Männer lassen diesem Eingeständnis in der Praxis keine Taten folgen. Sie können sich ja darauf verlassen, dass Frauen den Hausputz zu 80 Prozent (laut Wissenschaftszentrum Berlin) alleine erledigen. Klingt doch gut. So machen Sie das zukünftig auch: Betonen Sie die Relevanz einer „egalitären Haushaltsführung“ für eine glückliche Beziehung. Gehen Sie dann – Achtung, jetzt kommt’s! – Ihrem neuen, zeitaufwändigen Hobby nach. Den Spülberg lassen Sie stehen. Begründung: „Stört mich nicht!“ oder „Habe ich nicht geschafft!“ Mit etwas Geduld stellt sich dann die egalitäre Aufgabenteilung von alleine ein.

Hausarbeit ist Arbeit. Unbezahlt!

Um zu überzeugen, müssten Sie nur noch etwas an Ihrer inneren Haltung tun. Insbesondere, wenn Sie Kinder haben/planen. Es ist kein Geheimnis, dass eine 50/50-Lösung in Deutschland auch im Jahr 2016 kaum umsetzbar ist. Zufällig fällt der Kompromiss stets gleich aus: Die meisten Männer gehen Vollzeit arbeiten und nehmen maximal zwei Monate Elternzeit. Die meisten Frauen übernehmen den größeren Teil der Elternzeit – und bleiben danach entweder zu Hause oder gehen in Teilzeit. Wirklich neu ist im Vergleich zu den 1950er Jahren nur, dass die Frauen heute öfter als Männer einen Hochschulabschluss haben und nicht mehr gesetzlich zum Hausfrauen-Dasein verpflichtet sind (wie bis 1976). Die moderne Frau entscheidet sich „freiwillig“ für das unbezahlte Familienmanagement.

Wesentlich bei der „Weichenstellung für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“ (Allensbach) ist – das wundert jetzt nicht: das Gehalt. Sie müssen nun stark sein und dürfen nicht länger verdrängen: Wenn Sie weiterhin so, pardon, beschissen haushalten, was Ihre eigene Zukunft betrifft, dann werden Sie auch im Alter noch sehr viel putzen – und zwar bei anderen, um Ihre Rente aufzubessern. Das Familienministerium veröffentlichte kürzlich die Studie „Mitten im Leben“ über die 30- bis 50-Jährigen. Nur 39 Prozent der Frauen in dieser Altersphase sind Vollzeit erwerbstätig, aber 88 Prozent der Männer. Nur 10 Prozent der Frauen haben ein Nettoeinkommen über 2000 Euro, aber 42 Prozent der Männer. Unter den verheirateten Frauen haben sogar nur sechs Prozent ein Einkommen über 2000 Euro.

63 Prozent der Frauen verdienen weniger als 1000 Euro netto und 32 Prozent weniger als 750 Euro. 19 Prozent haben gar kein Einkommen. Nicht nur, dass diesen Frauen später die Altersarmut droht und sie bei einer Scheidung ohne alles ­dastehen (Jede dritte Ehe wird geschieden). Sie bringen auch Nullkommanull Verhandlungsmasse in die Beziehung ein.

Suchen Sie sich eine Freundin beim Spiegel!

Männer hingegen erklären sich selbst dann noch zum Familienernährer mit Vollzeitjob, wenn sie weniger verdienen als die Frau. Sie nehmen sich, ihre Interessen und ihren Beruf einfach so ernst, dass diese Rolle nicht verhandelbar ist. Zumindest nicht ohne schwerwiegenden Verlust des Selbstbewusstseins – bis hin zu einer psychischen Krise, die sie dann mit einer Affäre kurieren müssen. Während die promovierte Chemikerin Frau Doktor am Herd spielt.

Was lernen wir daraus? 1. Nehmen Sie sich, Ihre Interessen und Ihren Beruf ernst. 2. Verdienen Sie Ihr eigenes Geld (because it’s 2016!). 3. Gönnen Sie sich notfalls auch eine Affäre.

Jetzt stehen Sie noch vor der letzten, der größten Herausforderung: die Anderen! Sie sollten sich neue FreundInnen bei Gesellschaftsmagazinen wie dem Spiegel suchen und sie ermuntern, regelmäßig Trend-Geschichten über stolze Hausmänner zu schreiben. Das könnte dann, analog zum anfangs erwähnten Artikel über das Comeback der Hausfrau, so klingen: „Die neuen Hausmänner sind keine Opfer weiblicher Unterdrückung, keine Almosenschlucker, kein Produkt feministischer Betreuungsgeldpolitik. Es sind Akademiker, die lieber in leuchtende Kinderaugen statt auf Bildschirme gucken.“ Klingt gut, oder?

Alexandra Eul
 

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