Frauenfilmfestival in Köln

Szene aus „I am not a Witch“ der sambisch-walisischen Regisseurin Rungano Nyoni.
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Die achtjährige Shula (Margaret Mulubwa, Foto) streift arglos umher, als eine Frau ihren Weg kreuzt und stürzt. In diesem abgelegenen Landstrich von Sambia hat das für das Mädchen katastrophale Konsequenzen: Shula wird zur Hexe erklärt und in ein „Witch Camp“ verfrachtet. Dort leben Frauen, die ebenfalls als „Hexen“ aus ihren Dorfgemeinschaften verstoßen wurden, in einer Mischung aus Straflager und Touristenattraktion. „I am not a Witch“ der sambisch-walisischen Regisseurin Rungano Nyoni ist einer von acht Spielfilmen, die ins Rennen um den „Internationalen Debüt-Spielfilmwettbewerb für Regisseurinnen“ gehen.

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Der Preis, den das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund/Köln auch diesmal wieder vergibt, ist mit 10.000 Euro dotiert. In der Jury: Die österreichische Schauspielerin Ursula Strauss, die französische Regisseurin Muriel Coulin und die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi. Sie gewann mit ihrem fantastischen Film „Körper und Seele“ den Goldenen Bären der Berlinale 2017. Ihr Erstlingsfilm „Mein 20. Jahrhundert“, der 1989 in Cannes mit der „Goldenen Kamera“ für den besten Nachwuchsfilm geehrt wurde, wird ebenfalls auf dem Festival gezeigt.

Eröffnet wird das Festival am 24. April mit dem Dokumentarfilm „draußen“. Die beiden Filmemacherinnen Tama Tobias-Macht und Johanna Sunder-Plassmann haben vier Männer begleitet, die auf der Straße leben. Sie öffnen den beiden Frauen ihre Plastiktüten, Taschen und Einkaufswagen. An das, was sie zutage befördern, knüpfen sich Erinnerungen und Geschichten.

Im Rahmen der Reihe „begehrt! Filmlust queer“ läuft u.a. ein Filmporträt über die Rapperin Sookee. Einen ganzen Tag lang können Fans der lesbischen Kult-Serie „The L-Word“ die gesamte erste Staffel (noch einmal) sehen. Die britische Filmemachern Daisy Asquith hat in den Archiven des British Film Archive nach „queeren“ Szenen und Figuren gestöbert und ihre Fundstücke zum Film „Queerama“ montiert.

Zum 25-jährigen Bestehen von „Medica Mondiale“ zeigt das Festival das Filmporträt über die Medica-Gründerin Monika Hauser. Die Ärztin eröffnete im Frühjahr 1993 im bosnischen Zenica ein Trauma-Zentrum für die kriegsvergewaltigten Frauen. Daraus entstand die Organisation „Medica Mondiale“, die heute in 15 Ländern arbeitet. Anschließend: Diskussion mit Monika Hauser und den Filmemacherinnen.

Überhaupt ist dies „ein Festival mit starkem Diskussionscharakter“, sagt Pressesprecherin Stefanie Görtz und erinnert daran, dass die „Femme Totale“ anno 1987 unter dem Motto „Film und Kongress“ angetreten war. Zwei Jahrzehnte später will das Internationale Frauenfilmfestival diesen Vorsatz wieder einlösen. Das liegt nahe: „Die aktuelle MeToo-Debatte ist die Folie, vor der unsere Debatten stattfinden.“

Und so debattieren Filmemacherinnen und Publikum zum Beispiel über „Diversity Standards“ im Film oder über „Gendergerechtigkeit im Film“. Motto, frei nach Billy Wilder: „Some Like it Equal“.
 

FrauenFilmFestival vom 24. bis 29. April in Köln - www.frauenfilmfestival.eu

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