„Frausein ist kein Gefühl!“

Protest beim Grünen Parteitag gegen das Selbstbestimmungsgesetz: „Lasst Frauen sprechen!“
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Vor dem World Conference Center in Bonn gibt es reichlich Protest gegen das, was die Grünen in Berlin gerade abliefern. Vor dem Gebäude, in dem die Grünen gerade ihren Parteitag abhalten, wehen die „Atomkraft? Nein danke!"-Fahnen mit der gelben Sonne, auch "Fridays for Future“ hat sich mit einem Stand postiert. Aber dann ist da noch eine weitere Gruppe: wütende Frauen. „Frausein ist kein Gefühl!“ steht auf ihren Schildern und „Wenn mein Geschlecht für dich nicht zählt, wirst du von mir auch nicht gewählt!“

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Mit dem sogenannten „Selbstbestimmungsgesetz“, so die Protestierenden, treten die Grünen ihren Anspruch, eine feministische Partei zu sein, mit Füßen.    

Kern des Gesetzes: Künftig soll jeder und jede auf dem Standesamt per einfacher „Selbsterklärung“ sein bzw. ihr Geschlecht wechseln können. Möglich sein soll der Wechsel des Geschlechtseintrags bereits bei Kindern. Grundlage für den Geschlechtswechsel ist ausschließlich das subjektive „Gefühl“. Im Klartext: Mit diesem Gesetz würde das biologische Geschlecht als gesellschaftliche Kategorie abgeschafft.

Inzwischen kommen auf einen Jungen mit „Transitionswunsch“ zehn Mädchen

Was würde ein solches Gesetz für Frauendomänen (wie im Sport) und geschützte Frauenräume (wie Frauenhäuser) bedeuten? Und was für die körperliche und seelische Unversehrtheit von Jugendlichen, insbesondere Mädchen? Inzwischen kommen auf einen Jungen mit „Transitionswunsch“ zehn Mädchen. Auch in Deutschland werden bereits Kinder mit sogenannten Pubertätsblockern behandelt und Jugendliche mit gegengeschlechtlichen Hormonen. 18-Jährige lassen sich ihre Brüste amputieren, weil sie sich für „trans“ halten.    

Die enorme Tragweite des Gesetzes und dessen Gefahren insbesondere für Mädchen und Frauen wird vielen erst allmählich bewusst – auch der grünen Parteibasis. Deshalb hatten 70 Parteimitglieder im Vorfeld des Parteitags den Antrag gestellt, noch einmal über das geplante Gesetz zu debattieren. Denn: „Die geplante Veränderung ist so fundamental, dass sie Auswirkungen auf andere, nicht transsexuelle Erwachsene und insbesondere auf Kinder und Jugendliche hat“, erklärten sie. „Dies erfordert, dass Fragen gestellt und beantwortet werden, Argumente ausgetauscht werden können und Bedenken und Ängste aller Menschen ernst genommen und respektiert werden.“

Es folgte ein Shitstorm, bei dem Eva-Maria Müller, Initiatorin des Antrags, und ihre MitstreiterInnen als „faschistoid“ und „xenophobe Rassisten“ beschimpft wurden. Der Antrag wurde schließlich abgelehnt und die grüne Pressestelle erklärte: „Die Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes ist Beschlusslage der Partei.“ Ende der Diskussion.

Der Antrag, die Auswirkungen des Gesetzes noch einmal zu diskutieren: Abgelehnt!

Das wollen sich die Frauen, die vor dem Parteitag protestieren, nicht bieten lassen. „Lasst Frauen sprechen!“ fordern sie. Und so ergreifen sie das Wort: „Junge gender-nonkonforme Frauen hinterfragen, ob ihr Körper zu ihnen passt, als wäre er ein Accessoire, das man mit Hormonen und OPs zurechtbasteln kann“, ruft Lara Wahl ins Mikro. Die junge Studentin aus Mannheim hat den Frauenprotest mit organisiert und fährt fort: „Als radikale Feministin und zu Frauen hingezogene Frau zählt Geschlecht sehr wohl für mich! Transaktivisten sagen gerne, dass wir ihnen ihre Existenz absprechen, doch wessen Existenz wird hier abgesprochen, wenn ihr ‚Frau’ zu einer leeren Worthülse macht? Wenn ihr unsere Erfahrungen und unser Leid aufgrund unserer materiellen Realität leugnet?“

„Ich stehe heute hier vor der Tür eures Parteitages als eure langjährige Wählerin“, erklärt Aktivistin Rona Duwe, die aus Hamm angereist ist, und fragt: „Warum sind alle queergrünen Politiker - Sven Lehmann, Nyke Slawik, Tessa Ganserer - nicht zu einer Debatte mit Feministinnen in der Lage?“

Eine gute Frage, die sich nicht nur der Queerbeauftragte und die beiden grünen Transfrauen im Bundestag stellen sollten – sondern auch der Parteivorstand und vor allem die grüne Frauenministerin Lisa Paus.  

 

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