Hört auf, sie alle toxisch zu nennen!
Wie nennen wir die guten Männer? In einer Welt der „toxischen Männlichkeit“, der Incels und der Manosphäre? In einer Welt, in der der Präsident der Vereinigten Staaten zischt: „Ruhig, Schweinchen!“, und die Nachrichten vom Pelicot-Prozess und Epstein dominiert werden? In einer Welt, in der erst letzte Woche der erschreckend beliebte Aktivist Nick Fuentes sagte, dass alle Frauen in „Gulags – Zuchtgulags“ gesteckt werden müssten?
Wie nennen wir die Männer, die nicht so sind? Wie nennen wir die guten Männer?
In dieser Woche jährt sich auch der Begriff „Adolescence“ – der zu einem Synonym für genau die Art von Jungen wurde, vor denen wir uns fürchten. Aber wie nennen wir die guten Jungen? Was ist das Synonym für sie?
Ich schaue mich in meiner Welt um, und die ist voller Männer, die aus einem völlig anderen Universum zu stammen scheinen als Pelicot und Fuentes. Sie haben eine völlig andere DNA. Diese Männer sind sowohl stark wie unbeschwert. Sie sind sehr witzig, sehr nerdig und sehr überrascht davon, wie sehr sie im späteren Leben Gefallen am Fitnessstudio gefunden haben. Sie können sich kaum vorstellen, wie am Boden zerstört sie sein werden, wenn der Hund stirbt. Sie bringen ihrer Mutter Blumen mit; sie stehen jüngeren Männern als Mentoren zur Seite, ohne es groß zu erwähnen, und sie sitzen in Besprechungen und tippen unter dem Tisch lächerliche Pop-Songtexte aus den Achtzigern an Freunde, die traurig sind.
Ihre Männlichkeit ist von einer stillen, unauffälligen, absolut konsequenten Art. Ich habe jeden Einzelnen von ihnen gesehen, wie er für die, die er liebt, in den Kampf gezogen ist. Ich habe gesehen, wie sie Anrufe getätigt und Geschäfte abgesagt haben. Ich habe gesehen, wie sie, wenn nötig, andere Männer beiseite genommen haben – an einen ruhigen, dunklen Ort –, um ihnen auf fast freundliche Weise zu erklären, dass es eine sehr riskante Entscheidung wäre, sich noch einmal so zu verhalten. Dass heute der Tag ist, an dem dieses Verhalten ein Ende hat.
Wie nennen wir also diese Männer? Diese Männer, die offenbar die Mehrheit der Männer ausmachen. Denn – vergessen wir das nicht – die Mehrheit der Männer will Frauen nicht in Gulags stecken. Sie wollen gar keinen Gulag bauen! Einen Gulag zu bauen wäre ein Albtraum. Schon den Schuppen aufzustellen, war schwer genug.
„Man nennt sie ‚die guten Männer‘!“, rief ein Zuschauer bei einer Live-Veranstaltung, als ich diese Frage auf der Bühne stellte. „Weil … sie eben die guten Männer sind!“
Man kann die guten Männer also nicht „die Guten“ nennen – denn letztendlich bedeutet das nichts. Es beschreibt nichts Konkretes.
Das grundlegende Problem ist, dass wir immer noch kein männliches Pendant zum Feminismus haben. Es gibt keine globale Bewegung für den Fortschritt und das Glück der Männer, eine, die die schlechten alten Gewohnheiten der Geschichte und Mythologie hinter sich lassen will. Es ist unvermeidlich, dass es irgendwann eine solche Bewegung geben muss. Die Menschen können nur so lange über „die Krise der Männlichkeit“ diskutieren, bis ein kluger junger Mann seufzt, seinen Laptop aufklappt, sich eine Zigarette anzündet und beginnt, das männliche Pendant zu „Der weibliche Eunuch“ (ein Bestseller der Feministin Germaine Greer von 1970) zu schreiben.
Das Problem: Niemand hält sich für einen Bösewicht. Alle halten sich für "gut"
Doch solange es keine Bewegung mit einem Namen und Zielen gibt, gibt es auch keinen Namen für die Männer, die Teil dieser Bewegung wären. Nick Fuentes hat sich selbst als „Incel“ bezeichnet; Tate als Frauenhasser. Aber die guten Männer müssen sich noch einen Namen geben. Denn das Fehlen eines Namens bedeutet, dass sie, obwohl sie die Mehrheit bilden, quasi unsichtbar wirken. Denn wir können nicht über etwas sprechen, wenn es keinen Namen hat.
Ich habe meinem Mann verzweifelt gestanden, dass ich Teil des Problems bin; mir fällt ebenfalls kein Name für die guten Männer ein.
„Ich liebe das Wort ‚Gentleman‘“, sagt er. „Gentle-man. Wie es in dem Songtext der Smiths heißt: ‚Es braucht Mut, sanft und gütig zu sein.‘ Ein altmodischer Gentleman ist ehrenhaft und pflichtbewusst, gleichzeitig gesellig, gut gekleidet und bereit, mit anderen Männern, die laut, unhöflich oder einfach nur verrückt sind, ‚ein ruhiges Wort‘ zu wechseln. Das Wort gibt es bereits. Es ist … ‚Gentleman‘.“
Und – wie eine Art pH-Test für Männlichkeit – scheint es zu funktionieren. Es teilt alle Männer sofort in zwei Kategorien ein. Trump, Pelicot, Tate, Epstein, Fuentes? Sie testen negativ auf „Gentleman“. Attenborough, Palin, Rashford, Obama, McCartney, Southgate? Gentleman-positiv. Chemisch, taxonomisch, genetisch gesehen: Gentlemen.
Vielleicht lautet der Name der guten Männer „Gentlemen“. Bis ein anderer Name auftaucht.
Der hier leicht gekürzte Text erschien zuerst in der New York Times vom 2. März 2026.

