In der aktuellen EMMA

Klima oder Prima

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Ich bin eine große Freundin der arbeitsteiligen Gesellschaft. Sie erlaubt es mir, mich auf Fähigkeiten und Fertigkeiten zu konzentrieren, in denen ich einigermaßen gut bin, und Aufgaben, denen ich mich mangels Begabung und/oder Ausbildung weniger gewachsen fühle, zu delegieren. Das halte ich für einen Fortschritt.

Ich hätte es meinem Kind nicht zumuten wollen, in von mir geschneiderten Kleidungsstücken herumzulaufen, und ich würde mich ungern auf von mir getischlerte Sessel setzen.

Natürlich wäre es heuchlerisch, zu behaupten, dass in der arbeitsteiligen Gesellschaft jeder Mensch nach seinen speziellen Neigungen zum Einsatz kommt. Niemand hat eine spezielle Neigung, fremde Klos zu putzen, und wenn wir andere damit beauftragen, können wir uns nicht darauf ausreden, dass es uns an der Expertise dafür fehlt. Aber grundsätzlich erscheint es mir vorteilhaft, die Kenntnisse von Fachleuten in Anspruch nehmen zu können und Arbeits­ oder Freizeit zu gewinnen, indem ich mich nicht mit Tätigkeiten abmühen muss, für die ich nicht ausgebildet und auch nicht talentiert bin.

Industrialisierung und Geldgier haben freilich bewirkt, dass wir den Produkten der arbeitsteiligen Gesellschaft nicht immer trauen können. Deshalb sind fertig gebackenes Brot und gekauftes Gemüse unter Umständen von minderer Qualität, und darum entsteht fertig gekaufte Kleidung häufig unter fragwürdigen Bedingungen. Aber: Müssen wir das Kind mit dem Bad ausschütten und gleich nach dem autarken Haushalt rufen, wenn wir schadstofffreien Spinat essen und unsere Gesichter mit Cremes pflegen wollen, deren Erzeugung dem Ökosystem keinen nachhaltigen Schaden zufügt?

Im Zuge der Klimakrise kehrt sie gerade wieder zurück, die idyllische Vorstellung von der heilen, auch die Umwelt heilenden Familie, die selber anbaut, selber verarbeitet, und mit den eigenen Hühnern schlafen geht, um Strom zu sparen. In Zeitungen und Zeitschriften werden entsprechende Musterhaushalte porträtiert, und wer liest, wie sie ihren Lebensstil moralisch begründen, soll wohl ein schlechtes Gewissen kriegen und sich schämen, wenn er am Computer sitzt, statt Stoffwindeln zu
 falten. Nein. Nicht Er. Sondern Sie. Denn wie so oft drängt sich der begründete Verdacht auf, dass die Rückkehr ins Selbstversorgerleben wohl mehr die Hausfrau belasten wird als den Hausherrn.

Das hatten wir schon. Das kennen wir schon. Auch dem Waldsterben in den 1970er Jahren sollte mit einer Rückkehr der Hausfrau an die Waschrumpel begegnet werden. Nein, ich leugne die Klimakrise nicht, und es leuchtet mir ein, dass sie, weil menschengemacht, von Menschen bekämpft werden muss, auch vom einzelnen Menschen. Und ich mache mich auch nicht lustig übers private Gärtnern oder Brotbacken. Aber ich warne vor der Reimplantierung alter Rollenbilder.

Keine Frage, niemand muss ein Schlachtschiff von Auto fahren, niemand muss Obst in Plastiktüten transportieren, niemand muss für ein Wochenende nach Dubai jetten. Ein gewisses Maß an umweltfreundlichem Verhalten ist verlangbar. Und wer mehr beitragen will, soll darin bestärkt werden. Aber den Klimanotstand werden wir damit noch nicht in den Griff kriegen, das wissen wir alle.

Deshalb stimmen sie mich misstrauisch, die zunehmenden Berichte über vorbildliche ZeroWaste­Haushalte. Sie kommen mir vor wie Ablenkungsmanöver, die unseren Blick umleiten wollen, weg von abgeholzten Urwäldern, ölverseuchten Meeren und Abgas­Skandalen, hin auf die Konsumentin. Zweitens frage ich mich, ob da Frauen vom bezahlten Arbeitsmarkt in unbezahlte Beschäftigung gelockt werden sollen. Und drittens … drittens erinnern sie mich an die unsäglichen Heimatfilme der 1950er Jahre, aber das ist vielleicht ein persönliches Trauma.

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Die Kämpferinnen für Klimaschutz

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Claudia Kemfert – rechnet aus, was es kostet

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Was würde passieren – volkswirtschaftlich gesehen – wenn wir alle mit Solarmobilen fahren? Würde der Strompreis steigen oder fallen, wenn 20 Prozent unseres Stroms aus Windenergie käme? Solche Fragen kann in Deutschland am besten eine beantworten: Claudia Kemfert. Die Computer-Szenarien, die die Professorin für Umweltökonomie an der Berliner Humboldt-Universität entwickelt, sind so begehrt, dass die 38-Jährige als deutsche Beraterin in sämtlichen Gremien sitzt, die in Sachen Klimaschutz Rang und Namen haben. Früher war sie die „verrückte Umwelt-Tante“, die junge blonde Frau, die gelangweilten älteren Herren aus Politik und Wirtschaft etwas über erneuerbare Energien als „Energieform der Zukunft“ erzählte. „Aber in letzter Zeit hat sich das komplett gedreht.“ Die Energie- und Klimaschutz-Expertin, die am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin die Abteilung ‚Energie, Verkehr, Umwelt‘ leitet, bekommt seit dem UN-Paukenschlag so viele Anfragen, dass ich „leider 80 Prozent davon ablehnen muss“. Auch EU-Kommissionspräsident Barroso hat Kemfert in seinen Beraterstab berufen, wo sie zwar wieder mal allein unter Männern sitzt, mann ihr inzwischen aber sehr aufmerksam zuhört. Im Mai erscheint der dritte Teil des UN-Klimaberichts – mit Forschungsergebnissen von Claudia Kemfert, die auch deutsche Gutachterin ist. In ihr Büro fährt die überzeugte Vegetarierin, die aus ihrer geliebten Altbauwohnung in einen wärmegedämmten Neubau gezogen ist, mit dem Fahrrad. Und entwirft dort neue Szenarien. Denn: „Die Menschheit steht vor einer riesigen Herausforderung. Da muss ich doch helfen, eine Lösung zu finden.“

www.diw.de

Ursula Sladek – verkauft sauberen Strom

So sieht also eine echte Rebellin aus. Eine, die etwas geschafft hat, was es in Deutschland vor 1997 noch nie gegeben hatte: Eine 250-Seelen-Gemeinde hat ihr Stromnetz gekauft und vertreibt seither Ökostrom für sich selbst und 39.750 weitere Haushalte im ganzen Land. Aber der Reihe nach. Als im April 1986 der radioaktive Regen aus Tschernobyl auf Ursula Sladeks Garten in Schönau im Schwarzwald prasselte, in dem ihre fünf Kinder spielten, beschloss die Lehrerin und Hausfrau, etwas für den Atom-Ausstieg zu tun. Aber als ihre Initiative ‚Eltern für eine atomfreie Zukunft’ an die Tür des Energieversorgers KWR klopfte, um ihn davon zu überzeugen, keinen Strom mehr aus AKWs zu beziehen, schüttelte der desinteressiert den Kopf. Und da hatte Ursula Sladek eine visionäre Idee: „Wir machen uns unabhängig und kaufen das Stromnetz“. Es folgten: eine Bürgerinitiative, eine Kampagne, ein Bürgerentscheid, ein Wucherpreis der KWR, eine engagierte Ökobank, noch ein Bürgerentscheid und schließlich: der Gemeinderatsbeschluss zum Kauf. „Ich weiß heute gar nicht mehr, woher wir den Mut genommen haben, so eine verrückte Idee umzusetzen.“ Heute ist die furchtlose Ursula Sladek, 61, Geschäftsführerin der Elektrizitätswerke Schönau (EWS), die nicht nur sauberen Strom liefern, sondern mit einem „Sonnencent“ und dem Projekt „Watt ihr Volt“ auch den Bau von bisher 969 „Rebellenkraftwerken“ fördern: zum Beispiel Restaurants oder Schulen, die sich mit Solaranlagen oder Biogas versorgen. 17 von 22 EWS-MitarbeiterInnen sind Frauen. „Wichtig ist zu sehen, dass man zusammen etwas erreichen kann“, sagt Rebellin Sladek. „Wenn das in diesem Kaff hier geht, geht es überall!“

www.ews-schoenau.de

Rosemarie Rübsamen – macht viel Wind

Es muss ja nicht gleich Kyrill sein. Aber wenn der Wind so richtig kernig über das norddeutsche Flachland bläst, dann findet Rosemarie Rübsamen, 60, das prinzipiell super. Ihre erste Windmühle, pardon: Windkraftanlage, stand auf einem Acker in Großwisch bei Wewelsfleth und ging am 1. November 1989 ans Netz. Schon lange vor der Katastrophe in Tschernobyl hatte die Physikerin mit den ‚Naturwissenschaftlern gegen Atomenergie‘ gegen Brokdorf & Co. gekämpft, und mit dem Super-GAU war klar: Die Energiewende muss her, und zwar schnell. Rübsamen gründete den Verein ‚Umschalten e.V.‘, der Geld für die ersten drei 300.000-Mark-Windräder sammelte. Bald darauf gründete die Feministin, die heute als deutsche Windenergie-Pionierin gilt, ihr ‚Planungsbüro für Windenergie’ in Halstenbek. Dort heckte Rübsamen ein Projekt aus, wiederum ein deutsches Novum, das drei Fliegen mit einer Klappe schlug: Umwelt & Frauen & Geld. Die AN BONUS 450kW erzeugt seit 1995 in Dithmarschen nicht nur sauberen Strom, sondern fungiert, da dieser Strom an den örtlichen Netzbetreiber verkauft wird, gleichzeitig als ökologische Geldanlage für 150 Anteilseignerinnen der „FrauenEnergieGemeinschaft Windfang e.G.“. Heute plant und betreut die ‚Rübsamen Windenergie GmbH’ mit sieben MitarbeiterInnen Windkraftanlagen in Deutschland und beginnt das Ausland zu missionieren: Gerade hat Rübsamen in Frankreich drei Windmühlen ans Netz geschickt und zeigt damit auch dem Atomland Frankreich, dass der Wind Richtung erneuerbare Energien weht.

www.ruebsamen-windenergie.de - Jan Oelker: Windgesichter. Aufbruch der Windenergie in Deutschland (Sonnenbuch-Verlag)
 

Jasmin Nitschke – ist eine Strohmerin

Wenn Jasmin Nitschke in einer Berliner Hauptschulklasse mal wieder übers Stromsparen und vom Klimakollaps redet, dann kriegt sie zuerst immer die gleiche Antwort: „Ooch, das erleben wir doch sowieso nicht mehr.“ Aber die 23-Jährige weiß, wie man 13-Jährige überzeugt: „Dass die Gletscher schmelzen, ist ihnen egal, weil das zu weit von ihnen weg ist. Aber wenn ich sage: ‚Stellt euch mal vor, es gäbe keinen Strom mehr für eure Handys und MP3-Player...’ – dann begreifen sie: Wir haben ein Problem.“ Jasmin war früher selbst nicht allzu umweltbewusst. Das änderte sich schlagartig, als sie ihre Ausbildung zur ‚Elektroinstallateurin mit ökotechnischer Zusatzqualifikation’ machte. Und das bei einem ganz besonderen Projekt: ‚LIFE – Frauen entwickeln Ökotechnik’. Seit 1988 bildet das Projekt mit Sitz in einer alten (in Eigenregie ökologisch umgebauten) Fabrik Mädchen in Handwerksberufen aus. Jasmin ist eine der „StrOHMerinnen“. Seit sie ihre Ausbildung zusammen mit 14 Kolleginnen absolvierte, kann sie als „Solarteurin“ ein Haus mit Solarzellen ausstatten. Um noch viele andere Mädchen dazu zu bewegen, es ihr gleichzutun, blieb sie bei LIFE und tingelt seither durch die Klassen. Sie baut mit ihnen Verlängerungsschnüre oder solare Drehscheiben und berechnet, wie viel Geld es einsparen würde, wenn ihre Eltern zu Hause die Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzten. „Ich schlage ihnen dann vor, dass sie ihre Eltern beraten und dafür die Hälfte des eingesparten Geldes behalten dürfen. Das machen die dann auch.“ Jasmin Nitschke weiß, wie man 13-Jährige überzeugt.
EMMA, 3/2007

www.life-online.de

Helga Kromp-Kolb – war eine der Ersten

Als Helga Kromp-Kolb, 59, im Jahr 2005 in Österreich zur ‚Wissenschaftlerin des Jahres‘ gekürt wurde, waren die Heizungsrohre im ehrwürdigen Concordia Presseclub bei minus 14 Grad eingefroren und einige sogar geplatzt. Die Geehrte war begeistert: „Mich freut dieses Wetter sehr.“ In ihrem Buch ‚Klimawandel – wie viel Zeit bleibt uns noch?‘ hat die Wiener Meteorologie-Professorin vor der Erderwärmung gewarnt. Und dabei die komplexen Zusammenhänge von polaren Eisschilden, atmosphärischen Fenstern und kurzwelliger Sonneneinstrahlung allgemeinverständlich erklärt. Weil „jede und jeder dazu aufgerufen ist, dazu beizutragen, das ungewollte Experiment der Menschheit zu einem sanfteren Ende zu führen, als derzeit zu befürchten ist“. Schon als sie in den 60ern von ihrem computerunkundigen Professor zu Berechnungen von Schadstoffausstößen herangezogen wurde, begann die Wetterforscherin, sich für Luftverschmutzung zu interessieren. Heute ist die dreifache Mutter, die gemeinsam mit ihrem Mann das ‚Institut für Risikoforschung‘ gründete, eine der führenden Klimaforscherinnen Europas. Das Argument ihrer Landsleute, die erst langsam wach werden – und das vor allem „wegen der ausgefallenen Skirennen“ – das kleine Österreich sei mit seinen Emissionen unbedeutend, lässt Kromp-Kolb nicht gelten. Jüngst hat ein Herr aus der Energiewirtschaft sie gefragt: „Wissen Sie eigentlich, dass die Maßnahmen, die die EU zum Klimaschutz vereinbart hat, so tiefgreifend sind wie die industrielle Revolution?“ „Ja“, hat sie geantwortet. „Aber irgendwo muss man ja anfangen.“

www.irf.univie.ac.at - Helga Kromp-Kolb/Herbert Formayer: Schwarzbuch Klimawandel (ecowin)

Susan Solomon – entdeckte das Ozonloch

Als sie 1986 zum ersten Mal in der Antarktis forschte, war es so kalt, dass ihr das rechte Auge (das, mit dem sie nicht durchs Mikroskop schaute) zufror. Das Auge taute wieder auf, und Susan Solomons Blick ist seither geschärft für eins der größten Probleme der Menschheit. Damals leitete die gerade 30-Jährige eine Expedition, die in der Praxis bewies, was die Spezialistin für atmosphärische Chemie in der Theorie schon nachgewiesen hatte: das Ozonloch. In ihrem Labor in Berkeley hatte Solomon die Wirkung der Treibhausgase erforscht und entdeckt, dass und warum die gerade bei arktischen Temperaturen besonders verheerend ist. Die Expedition bewies, dass sie Recht hatte. 21 Jahre später verkündete Susan Solomon, inzwischen Vizechefin des UNO-Klimawissenschaftsrates, am 2. Februar 2007 in Paris der Welt eine zweite Hiobsbotschaft: Das Klima kollabiert. „Es ist später, als wir gedacht haben.“ Und die Wissenschaftlerin, die den 4. UNO Klimabericht vorstellte, ließ an den Verursachern der Katastrophe keinen Zweifel: „Keine Frage, der Mensch hat den CO2-Anstieg seit Mitte der 18. Jahrhunderts zu verantworten.“ Wieder löste Solomon eine Lawine aus. Für ihre Mischung aus Forschung und Engagement ist die heute 52-jährige Klima-Mahnerin unter anderem mit dem Blue Planet Prize und der National Medal of Science ausgezeichnet worden – dem bedeutendsten amerikanischen Wissenschaftspreis.

Edda Müller – kämpft mit Ratio

Zum Energiegipfel ist Edda Müller erst eingeladen worden, nachdem Angela Merkel, Bundesumweltministerin a.D., Kanzlerin geworden war. „Schröder und Clement hatten die Verbraucher überhaupt nicht im Blick“, sagt Deutschlands oberste Verbraucherschützerin. „Dabei sind ja die neuen Technologien im Prinzip da. Aber sie müssen auch gekauft werden.“ Bei den Waschmaschinen, Spülmaschinen, Kühlschränken funktioniert das schon recht gut. „Die haben klare Energie-Klassifizierungen und da werden meist die mit dem geringsten Verbrauch genommen.“ Bei Autos, Computern oder Handys hat es die Chefin des ‚Verbraucherzentrale Bundesverbandes’ (vzbv), die in den 70ern den blauen Umweltengel erfunden hat, allerdings mit einer besonders problematischen Verbraucher-Spezies zu tun: Männer. „Das Problem ist: Der Zugang von Männern zu Computern und Autos ist irrational. Da kommt das Argument, dass man mit einem Vier-Liter-Auto Geld spart, nicht an.“ Über die Psychologie von Männern hat sich Edda Müller, 64, jahrzehntelang ein genaues Bild machen können, weil sie in den vielen Gremien, in denen sie saß, fast immer die einzige Frau war. Was die Ex-Umweltministerin von Schleswig-Holstein nicht davon abhielt, 1995 die Verpflichtung Deutschlands durchzuboxen, den CO2-Ausstoß bis 2005 um ein Viertel zu verringern. „Es braucht die Bereitschaft, sich mal querzustellen“, erklärt Müller, die sich auf den Dualismus „Mann = Ratio, Frau = Emotion“ nie eingelassen hat. „Es ist rational, für Werte zu kämpfen. Und es ist irrational, nur den ökonomischen Output zu sehen.“ Inzwischen ist der Frauenanteil in einigen Gremien übrigens gestiegen. In der 20-köpfigen Energiegipfel-Runde zum Beispiel gibt es jetzt zwei Frauen: „Frau Merkel und mich.“

www.vzbv.de

Wangari Maathai – pflanzt Millionen Bäume

Als sie im Dezember 2004 als erste Afrikanerin und zwölfte Frau (von 111) mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, grummelten die Herren Kommentatoren. Was denn das Bäumepflanzen bitteschön mit dem Weltfrieden zu tun hätte. Das Nobel-Komitee in Oslo erklärte es ihnen: „Wangari Maathai hat ein ganzheitliches Bild von nachhaltiger Entwicklung, das Demokratie, Menschenrechte und besonders die Rechte der Frauen einbezieht.“ 30 Millionen Bäume sind in 30 Jahren unter der Regie von ‚Mama Miti‘, der ‚Mutter der Bäume‘, von 100.000 Frauen gepflanzt worden. 1977 hat die 67-jährige Kenianerin ihr ‚Green Belt Movement’ gegründet, weil die erste Biologie-Professorin Afrikas Armut und Rechtlosigkeit der Frauen bekämpfen wollte: „Als ich sah, dass die Frauen auf dem Land kein sauberes Wasser, kein Feuerholz und kein Futter für die Tiere haben, dachte ich: Dann müssen eben viele Frauen viele Bäume pflanzen!“ So bekämen sie Futter, Feuerholz und verhinderten die weitere Bodenerosion. „Die Verrückte“ nannte der damalige kenianische Präsident Daniel arap Moi die Visionärin. Nicht nur einmal landete die geschiedene Mutter dreier Kinder nach einer Pflanzaktion im Gefängnis oder im Krankenhaus, denn der korrupte Diktator Daniel arap Moi hielt nichts von Maathais Philosophie von der „Gleichwertigkeit allen Lebens“. Die Zeiten haben sich geändert. Seit Mama Miti, inzwischen kenianische Vize-Umweltministerin, den Friedensnobelpreis bekommen hat, hört sogar die Armee auf sie: Neuerdings werden die kenianischen Soldaten zum Bäumepflanzen eingesetzt.

www.greenbeltmovement.org - Stefan Ehlert: Wangari Maathai – Mutter der Bäume (Herder)

Sunita Narain – predigt in der Wüste 

Indiens Wirtschaft wächst gewaltig, und dabei könnte die Umwelt unter die vielen neuen Auto- und Zahnräder kommen. Sunita Narain ist angetreten, um zu verhindern, dass das Schwellenland dieselben Fehler macht wie die westlichen Industrienationen. Schon Ende der 70er kämpfte die heute 46-Jährige als Schülerin in Delhi für die Bäume, die in der explodierenden Großstadt gnadenlos gefällt wurden. Umweltverschmutzung wurde als Problem der reichen Länder gesehen. „Damals haben viele gesagt: ‚Wir müssen uns entwickeln, über Umweltverschmutzung reden wir später." Mit dem international renommierten Center for Science an Environment (CSE), dessen Direktorin sie heute ist, versucht Sunita Narain ihre Landsmänner und -frauen davon zu überzeugen, dass „das eine nicht ohne das andere geht: Entwicklung und ein schonender Umgang mit den Ressourcen.“ Bisweilen hat die Predigerin in der Wüste mit Mut und Durchhaltevermögen Erstaunliches erreicht. Zum Beispiel, dass im verpesteten Delhi ein Busnetz eingerichtet wurde und diese Busse Gas tanken. Allerdings sieht die Inderin nicht ein, dass sich die westlichen Klimasünder mit dem Argument aus der Affäre ziehen können, Indien oder China seien schließlich die Schlimmsten. „Es macht mich wütend, dass jetzt alle vorwurfsvoll auf den CO2-Ausstoß Indiens und Chinas schauen, obwohl die größten Verschmutzer nach wie vor im Norden leben. Seit 20 Jahren ist doch klar: Europa und die USA müssen radikal runter mit ihren Emissionen, damit den Entwicklungsländern Raum bleibt, ihren Energieverbrauch zu steigern.“ Denn: „Ohne Gerechtigkeit kommen wir global leider nicht weiter.“

www.cseindia.org

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Dossier: Nach uns die Sintflut (3/07)

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