Kölle: Drei Mal Damengarde Alaaf!

Von links: Elena Navarini, Christiane Henneken, Carola Jansen, Andrea Schmoll, Susanne-Rupprich-Thakur.
Artikel teilen

Elena Navarini ist das, was man im Rheinland ein „eschtes kölsches Mädsche“ nennt. „Auch, wenn mein Name das nicht vermuten lässt“, sagt sie. Den Namen hat sie vom Vater – einem Südtiroler. Den Karnevalismus im Herzen hat sie von der Mutter, einer Kölnerin. Und auch wenn Elena am liebsten „Straßenkarneval feiert“ – wo Frauen und Männer ganz gleichberechtigt nebeneinander schunkeln – hegt sie seit Kindesbeinen auch eine Bewunderung für die stattlichen Funken, die in schmucken roten oder blauen Uniformen im organisierten Karneval auf Sitzungen und in den Karnevalszügen aufmarschieren. Mit viel Rätätäää, Tusch und Alaaf.

Ihr Frauen habt uns doch schon alle anderen Bastionen weggenommen.

Bloß: Der organisierte Karneval ist auch im 21. Jahrhundert in Köln noch immer nicht gleichberechtigt. Als Elena vor einigen Jahren einen der Kölner Vereine darum bat, als erste Funkin in einem der Traditionskorps aufgenommen zu werden erhielt sie eine gar nicht lustige Antwort: „Mädschen, keine Chance! Wir Männer wollen wenigstens hier unter uns bleiben. Ihr Frauen habt uns doch schon alle anderen Bastionen weggenommen.“

Für Frauen gibt es in den Tanzkorps nur eine Rolle: Das Tanzmariechen. Und das auch nur so lange, wie sie jung und knackig sind. Denn die Mariechen müssen ihre Beine sehr hoch schmeißen und ihre Spitzenhöschen blitzen lassen.

„Ich habe Verständnis für die Absage“, sagt Elena verbindlich. „Aber dann müssen die Männer auch dafür Verständnis haben, dass ich eine Damengarde gegründet habe.“ Die erste, die es je gegeben hat: die Damengarde Coeln e.V..

Den Namen hatte Elena auf einem Bierdeckel notiert, anlässlich einer Karnevalssitzung im Januar 2014. Im Juni 2014 haben sie und ihre Mitstreiterinnen ernst gemacht mit lustig: „Die neu gegründete 1. Damengarde Coeln 2014 e.V. unternimmt einen wagemutigen Schritt in der Geschichte des Kölner Karnevals und in dessen Tradition“, war in der Pressemeldung der Damen zu lesen.

An Weiberfastnacht werden Elena und ihre Damen wieder auftreten. Wieder inoffiziell. Beim Sitzungskarneval sind sie diesmal noch nicht auf der Bühne dabei. Sie proben den Auftritt jetzt erst einmal im Straßenkarneval. Aber das soll im nächsten Jahr schon ganz anders aussehen! Am Karnevalsdienstag, dem letzten tollen Tag, wird die erste Kölner Damengarde jedenfalls auch in diesem Jahr schon beim Veedelszoch in Ehrenfeld mitziehen. (Für Nicht-KölnerInnen: Das sind die Stadtteil-Züge.)

Die Damen wollen eine alte kölsche Tradition wieder aufleben lassen

Vor allem aber wollen die Damen eine alte kölsche Tradition wieder aufleben lassen: Bis die Nazis das 1933 verboten hatten, war das Tanzmariechen immer ein Mann. Und deshalb hat die Damengarde jetzt auch wieder ein männliches Mariechen, das für sie die Beine schmeißt und die Spitzenhöschen blitzen lässt.

Da kann EMMA nur sagen: Mariesche, danz! Drei Mal: Damengarde Alaaf! Und nächstes Jahr Wiedersehen im Gürzenich!

Artikel teilen

Will dieser Kerl nur flirten?

Hat er das auf einem Pick-Up-Artist-Seminar gelernt?
Artikel teilen

Überall in Deutschland herrscht dieses rege Arbeitstreiben, das den Jahresbeginn auszeichnet. Arme hochgekrempelt, 2015 packen wir’s an! Überall in Deutschland? Nicht in Köln, der selbsterklärten Hauptstadt der Herzen am Rhein und Sitz der EMMA-Redaktion. Da stiefeln die BewohnerInnen und bald auch Millionen TouristInnen stramm auf den Höhepunkt der fünften Jahreszeit zu: Karneval! Weiberfastnacht. Wieverfastelovend. Dieser Donnerstag. Der Tag, an dem die Frauen in Köln das Regiment übernehmen. Und bis Aschermittwoch mindestens eine ganze Stadt schunkelt.

Wir EMMAs erlauben uns zwei kritische Anmerkungen zu diesen bevorstehenden Festtagen.

Erstens: Apropos Frauenkostüme! Ist euch auch schon aufgefallen, dass frau sich heute nicht mehr einfach nur nett kostümieren kann? Als Clown, Piratin, Cowgirl oder Superheldin? Es gibt diese Kostüme nur noch in „sexy“. Also: Sexy Clown, sexy Piratin, sexy Cowgirl. „Sexy“ meint: Bei dem Kostüm hängt der halbe Busen raus, der Rock reicht knapp über den Hintern und der Spitzen-Tütü ist obligatorisch. Das Kostüm sitzt so straff, dass von gemütlichem Bier trinken und ausgelassenem Schwofen keine Rede sein kann. Sonst platzt die Naht! Was erzählt uns das über den Karneval – und über die Frauen? Darüber schreibt Eva-Maria Stöber.

Zweitens: Apropos Männer. Falls ihr beim Kölner Karneval plump angegraben werdet und euch fragt, warum der Typ sich wie ein Vollheini aufführt: Möglicherweise habt ihr es mit einem waschechten Pick Up-Artist zu tun! Pick-Up-Artists sind verunsicherte Männer, die ihre Verunsicherung dadurch zu verbergen versuchen, indem sie reihenweise Frauen aufreißen, flachlegen - und dann wieder abschießen. Und die haben sich schon angekündigt für die Karnevalstage.

So, ihr seid gewarnt. Und jetzt rein ins Vergnügen! Dreimal Kölle Alaaf!

Wünschen

Eure EMMAs

Weiterlesen