Mama macht das Match!

Schlagkraft für Mütter im Leistungssport: Serena Williams. Foto: imago images
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Am Samstag könnte Serena Williams erneut Geschichte schreiben. Sie ist die Top-Favoritin der US-Open, es wäre ihr unglaublicher 24. (!) Grand-Slam-Titel. Doch in diesem Jahr haben die US Open bereits Geschichte geschrieben. Heute Nacht (auf Freitag) spielt Williams im Halbfinale gegen die Weißrussin Victoria Azarenka (Eurosport, 2.15 Uhr). Mit Williams und Azarenka stehen sich nicht nur Favoritinnen gegenüber, sondern auch: Mütter. Das hat es in der Grand-Slam-Ära noch nie gegeben.

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Auf Zugpferde wie Serena Williams kann der Tennissport nicht verzichten

Und nicht nur das: Sieben weitere Turnierteilnehmerinnen haben Kinder: Zwetana Pironkowa (Bulgarien), Kateryna Bondarenko (Ukraine), Patricia Maria Tig (Rumänien), Tatjana Maria (Deutschland), Vera Swonarewa (Russland), Kim Clijsters (Belgien) und Olga Goworzowa (Belarus).

Beim Tennis hieß es früher immer: Frau muss sich entscheiden, Tenniskarriere oder Kind. Die wenigen Profispielerinnen, die Kinder bekamen, sind dann auch artig zurückgetreten. Oder bekamen das Kind erst, als der Tennisschläger im Schrank verstaubte. So machte es Steffi. Ganz anders natürlich die Herren, die schon immer neben Pokalen viele Kinder gesammelt haben: Roger Federer hat vier Kinder und ist immer noch dabei.

Victoria Azarenka mit ihrem Sohn:



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Aber siehe da, der Tennissport denkt um. Das muss er auch. Auf Zugpferde (und die braucht jeder Sport, denn ohne ZuschauerInnen fließt kein Geld) wie Serena Williams kann er nicht verzichten. Sie ist „die Legende unseres Sports“ – so ihre Kolleginnen über die 38-jährige Ausnahme-Athletin, die seit 2000 zusammen mit ihrer älteren Schwester Venus den Tennissport umkrempelt.

Auch der erste Big-Sponsor hat bereits umgedacht. Nike bringt in Kürze die erste Schwangerschaftskollektion für Sportlerinnen auf den Markt. Tennis (nebenbei der einzige Sport, der Frauen ähnliche Preisgelder wie den Männern garantiert) übernimmt damit die Vorreiterrolle für Leistungssportlerinnen, die neben ihrer Karriere auch ein Kind wollen.

Serena Williams: Ich bin so froh, dass hier so viele Mütter sind!

Die Botschaft, die vor allem Serena Williams immer dann aussendet, wenn sie ihre Tochter Alexis Olympia (Foto unten) neben dem glänzenden Pokal in die Kamera hält: „Wir wollen – und wir können beides! Kind und Cup!“ „Ich bin so glücklich, dass hier so viele Mütter sind“, sagte Williams nach ihrem Sieg gegen die Griechin Maria Sakkari.



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Und auch ihre Kolleginnen fighten mit. Victoria Azarenka kämpfte erfolgreich für die Klausel „Babypause“ in ihren Sponsorenverträgen, Sponsoren anderer Sportlerinnen zogen nach. Zwetana Pironkowa - verehrt wegen ihrer aggressiven und ausgebufften Spielweise - durfte nach der dreijährigen Auszeit mit Sohn Alexander wieder dort in der Weltrangliste einsteigen, wo sie aussteigen musste (Platz 123). Das ist ein absolutes Novum im WTA-Reglement.

Pironkowa nutzte den Medienrummel zudem für eine deutliche Botschaft in Sachen Mutterschaft: „Alles daran hat mir geholfen. Du wirst ein anderer Mensch. Du bist nicht mehr nur auf dich selbst fokussiert, sondern an oberster Stelle kommt dein Kind. Offensichtlich ist das eine gute Sache.“ Sie sei besser organisiert, mental widerstandsfähiger, und sogar körperlich profitiere sie, weil sie nun ein viel besseres Gespür für den eigenen Körper habe. Und: "Auch als Mutter darf man berufliche Ziele und Träume haben."

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Zeigt her eure Muskeln!

Foto: AFP
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Wir haben eine neue Steffi Graf! Sie heißt Angelique Kerber, hat an diesem Wochenende in New York das Finale der US-Open gegen die Tschechin Karolina Pliskova in drei Sätzen gewonnen – und ist die neue Nummer Eins der Tennis-Weltrangliste der Frauen. Sie löst damit die Amerikanerin Serena Williams ab.

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Die Kerber, die ist so ein richtiges Mannsweib!

Das erste Mal seit 19 Jahren, nach Steffi Graf, führt also eine deutsche Spielerin diese Liste an. „Steffi ist mein Idol“, war Angelique Kerber nie müde geworden zu betonen. Aber sie ergänzte stets: „Es war mir auch immer wichtig, meinen eigenen Weg zu gehen!“

Und etwas ist tatsächlich gänzlich neu an Kerber, und es erzählt eine Menge über das Standing von Frauen im Profisport. Denn Steffi Graf, die war ja nicht nur ein Tennis-Champion, sondern auch ein Champion in Selbstbeherrschung. Die Frau hämmerte Bälle wie Tornados übers Spielfeld, wollte aber um Himmels Willen „nicht aussehen wie ein Muskelpaket“. Sie schlug alle aus dem Feld, aber das Siegerinnen-Lächeln blieb trotzdem immer sonnig bis heiter. Ich bin schneller und ich bin stärker als so mancher Mann - aber ich tue keinem was, das war die Botschaft von Steffis schüchternem Mädchen-Lächeln.

Ganz anders die Kerber: Die ballt siegestrunken die Fäuste und bleckt die Zähne, sie wirft sich im Taumel des Triumphes auf den Boden, feuert den Tennisschläger von sich und knutscht bei der Siegerinnen-Ehrung ihren riesigen Pokal. Genau an der Stelle, an der Steffi Grafs Name eingraviert ist übrigens. Und selbstverständlich gratulierte Graf ihrer Nachfolgerin prompt zum „Riesenerfolg“! Und der ist größer als der ganze Ruhm und die Ehre, die der erste Platz der Weltrangliste so mit sich bringt.

Die knutscht ja sogar ihren riesigen Pokal! 

Denn wer an diesem Wochenende die Gelegenheit hatte, mit männlichen Tennisfans der alten Schule zu sprechen, der mag als Antwort auf ein begeistertes „Wir haben eine neue Nummer Eins!“ auch Sätze gehört haben wie: „Na ja, die Kerber, die ist ja auch so ein richtiges Mannsweib!“

Recht so! Denn dank Sportlerinnen wie Angelique Kerber und auch den Williams-Schwestern Serena und Venus wagen Frauen es öfter, sich nach einem fulminanten Erfolg einfach mal voll und ganz dem stolzen Siegestaumel hinzugeben. Auf dem Spielfeld wie im echten Leben. Ganz wie die Männer. Warum? Weil es großartig ist.

Und damit kann die Titulierung „Mannsweib“ eigentlich nur als Kompliment verstanden werden.

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