In der aktuellen EMMA

Nomen est Omen!

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Könnte sein, dass Sie beim Lesen dieser Zeilen Lust auf Remoulade bekommen. Der Grund dafür ist das Baby einer guten Freundin. Ein Junge. Mitte Mai kommt er zur Welt. Sein Name: Romualdo. Seit ich bei der Namensverkündung nicht vor Begeisterung vom Stuhl gefallen bin, ist unsere Freundschaft, sagen wir mal, angespannt. Mal ehrlich, Romualdo? Dabei wohnt sie nicht mal in Prenzlberg.

Unter drei Vornamen macht man es da übrigens nicht mehr. Die Neffen unserer Redaktionsassistentin sind dort aufgewachsen: Baldur Phileas Eginhard und Alvar Kalo Heribert (und nein, das r bei Kalo habe ich nicht vergessen). Mit sowas mussten doch früher nur Adels-Sprösslinge durchs Leben.

Wenn ich auf Spielplätzen rumsitze, frage ich mich oft, was Eltern bei der Namensgebung ihrer Kinder so überkommt. „Landolin, komm da oben bitte runter!“, „Wir müssen jetzt nach Hause, Laetizia-Emerelle!“, „Wir werfen nicht mit Sand, Magnus Eugen!“ (Doppelnamen eignen sich ja gut zum Schimpfen …) Letztens musste ein Vater seinen vierjährigen Hademar Ignatius aus einer Kletterröhre vom Spielplatz des Kölner Zoos ziehen. Hademar Ignatius’ Vater hieß übrigens Ingo, den Kommandos seiner Frau nach zu urteilen.

Ich glaube, diese Eltern wollen mit der Namensgebung die Karriere ihrer Kinder vorbereiten. Einer Amalia Eugenia Schmidt traut man die Unternehmensführung scheinbar eher zu als einer Linda Schmidt – und Mandy Schmidt steht gleich im Verdacht, die Hauptschule nicht geschafft zu haben. Vielleicht will sich die Tebarz/ Eugen/Iphigenie/Lucretia-Fraktion auch ganz bewusst von den Kevins, Chayennes und Jenny-Rebekkas dieser Welt abgrenzen. Klassismus sozusagen.

Andererseits: Theodor, Friedrich, Wilhelmine und Mathilde werden ja mittlerweile auch schon Hunde genannt. Kein Wunder, dass viele da noch eins draufsetzen wollen.

Eine befreundete Gynäkologin ist mittlerweile so genervt von den exaltierten Vornamen, die sie in die Geburtslisten eintragen muss, dass sie ihre Kinder Martin und Thomas genannt hat. Bäm!

Wir haben aus der Namenswahl unserer Kinder auch keinen Staatsakt gemacht. Unser Sohn Ben ist nach seinem Urgroßvater Bernhard benannt. Als dieser im Sterben lag, war Ben unterwegs. „Einer geht, einer kommt“, sagt man da im Münsterland. Aber Bernhard war uns dann doch zu 40er, also ist Ben daraus geworden. Und unsere Tochter heißt Henriette, einfach, weil wir den Namen schön finden.

Die Mädels meiner Generation heißen Maren, Andrea, Eva, Ulrike, Claudia, Ingrid, Judith oder Anne. Handfeste Namen, handfeste Frauen. Ob man das von Cara Elea Novalee auch mal sagen wird? Da bin ich mir nicht so sicher. Wer weiß, irgendwann heißen Kinder aus diesem Grund vielleicht auch wieder Renate, Mechthild, Sabine, Detlef, Wolfgang oder Manfred. Der Name Emma gehört übrigens zu den wenigen Vornamen, die sowohl in den aktuellen Hitlisten als auch in denen von 1890 auftauchen. Gut, dass unser Heft nicht „Elke“ getauft geworden ist. War scheinbar auch im Rennen.

So, ich besorge mir jetzt ein Backfischbrötchen – mit ordentlich Romualdo.

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