Queerbeauftragte: Trans-Theater

Dieses Bild postete die Queerbeauftragte auf Instagram.
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Am 31. März war der „Internationale Tag der Trans*Sichtbarkeit“. Anlass für Sophie Koch, „Queerbeauftragte der Bunderegierung“, ein Statement auf Instagram zu posten. Das sah folgendermaßen aus: Auf rosa-blau-weißem Hintergrund, den Farben des Transaktivismus, eine Fotocollage aus drei Köpfen. In der Mitte: Donald Trump. Eingerahmt von J.K. Rowling (links) und Alice Schwarzer (rechts). Text: „Frauen- und trans*-Rechte nicht gegeneinander ausspielen!“

Auf den folgenden Kacheln ging es weiter: „Wenn Einzelne aus dem rechten Spektrum das Selbstbestimmungsgesetz angreifen, dann erwarte ich von der Politik Ruhe und Besonnenheit statt Schnappatmung.“ Und: „Angriffe auf trans*Menschen sind immer auch Angriffe auf unsere Demokratie.“

Moment. Die Harry-Potter-Autorin, die sich mit ihrem Vermögen seit Jahrzehnten für Frauenrechte einsetzt, und Deutschlands bekannteste Frauenrechtlerin in einer Reihe mit dem immer irrer und unmenschlicher wütenden Pussy-Grabber Donald Trump? Alice Schwarzer eine „Einzelne aus dem rechten Spektrum?“ Eine Anti-Demokratin? Und solche Unterstellungen nicht von einer privaten Aktivistin, sondern von einer offiziellen Vertreterin der Bundesregierung?

Alice Schwarzer ist einiges gewohnt, aber das fand sie nun doch unannehmbar

Alice Schwarzer ist einiges gewohnt. Aber das fand sie nun doch unannehmbar: Dass die Bundesregierung sie öffentlich diffamiert. Sie ging davon aus, dass die Lehmann-Nachfolgerin Sophie Koch (SPD) es zu ihrem eigenen Vergnügen so toll treibt und schrieb darum am 7. April an die politisch Verantwortliche, die Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU):

„Sie haben es vermutlich gar nicht mitbekommen. (…) Sie werden verstehen, dass ich das als absolut diffamatorisch empfinde (nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass ich mich seit 1983 (!) für Transrechte einsetze) und bitte, dies umgehend von der Seite zu entfernen. Da stellt sich grundsätzlich die Frage, ob die Queerbeauftragte den angemessenen Wissens- und Bewusstseinsstand hat in Bezug auf die Frauenfrage wie auf die Transproblematik.“

Die Betroffene war nicht die Einzige, die an die Ministerin schrieb. Es hagelte Proteste. Hunderte kommentierten auf Instagram, nahezu ausschließlich entsetzt. „Rowling und Schwarzer Seite an Seite mit Trump in einen Topf? Also Frauen, die sich für Frauen, Mädchen und Kinderschutz und deren Rechte sowie die der klassischen Transsexuellen und LGB einsetzen, werden mit Trumps rechter evangelikaler MAGA-Regierung verglichen?“- „Was für eine steuerfinanzierte Hetz-Kampagne!“

„Ist es wirklich Ihr Ernst, zwei verdienstvolle Frauenrechtlerinnen anzuprangern?" 

„Ist es wirklich Ihr Ernst, zwei verdienstvolle Frauenrechtlerinnen an den Pranger zu stellen? Sie sind es, die Frauenrechtlerinnen und Transaktivisten gegeneinander ausspielen. Ich bin zutiefst entsetzt über dieses Posting“, schrieb Inge Bell, Frauenrechtsaktivistin und langjähriges Vorstandsmitglied von Terre des Femmes, an die Ministerin und stellte die Frage, wer hier eigentlich die Demokratie angreift. „Ich selbst habe am 1. April einen sachlich formulierten Kommentar veröffentlicht, in dem ich die Gleichsetzung von US-Präsident Donald Trump mit den Frauenrechtsverteidigerinnen J.K. Rowling und Alice Schwarzer als unangemessen kritisiert habe. Dieser Kommentar wurde sofort gelöscht. Einen Tag danach, am 2. April, 2026, habe ich denselben Kommentar erneut eingestellt. Inzwischen waren, wie dokumentiert, erneut Hunderte, ausschließlich kritische Kommentare gelöscht worden. Schließlich wurde die Kommentarfunktion ganz deaktiviert.“

Seit Mai 2025 ist Sophie Koch die neue Queer-Beauftragte der Bundesregierung Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Seit Mai 2025 ist Sophie Koch die Queer-Beauftragte der Bundesregierung. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Auch Therapeutin Ingeborg Kraus, Gründerin des Netzwerks „Trauma und Prostitution“, schrieb an die „Sehr geehrte Frau Bundesministerin Prien“: „Zum einen ist der Vergleich von diesen zwei Feministinnen, denen wir viel zu verdanken haben, mit Trump völlig absurd. Zum anderen schürt es Hass gegen Feministinnen, die sich kritisch zum Selbstbestimmungsgesetz äußern. Die Regierung sollte als Ziel haben zu vereinen und demokratische Diskussionen zu ermöglichen. Nicht aber, gezielt auszugrenzen, zu diffamieren und Hass und Hetze zu schüren.“ Kraus fordert: „Für diesen Post sollte die Queerbeauftragte Sophie Koch zum Rücktritt aufgefordert werden.“

Dem schließt sich Silvia Reckermann an: „Der Post ist unanständig und beschädigt das Ansehen ihres Ministeriums und der Regierung insgesamt“, schrieb die SPD-Politikerin und Sprecherin der „Aktionsgruppe Gleichstellung Bayern“. „Hass und Hetze im Dienste des Staates? Das macht nur die AfD stark – und immer stärker. Die Queer-Beauftragte fördert die Spaltung der Gesellschaft und ist für die Akzeptanz von Minderheiten kontraproduktiv. Es wird Zeit, dass dieses unwürdige, anti-feministische Schauspiel ein Ende findet!“

Und die Betroffene Schwarzer? Die wartet auf eine Reaktion der Ministerin. Aber erstens haben MinisterInnen viel zu tun und zweitens waren Osterferien. Also schau’n wir mal.

Am 9. April, immerhin schon zwei Tage nach Schwarzers Brief, kam eine Reaktion. Aber nicht von der Ministerin, sondern von Pressesprecherin Anja Pfeffermann. Die belehrte „in Vertretung für den Leitungschef David Ermes“:

„Der Anspruch der Bundesregierung ist es, dass es für alle Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität, selbstverständlich ist, gleichberechtigt, diskriminierungs- und gewaltfrei leben zu können. In diesem Sinne soll die Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt (die Queerbeauftragte) bei entsprechenden Maßnahmen mit den Ressorts zusammenwirken, um Bewusstsein schaffen, zu sensibilisieren und den Zusammenhalt und das Miteinander zu stärken in einem gesellschaftlichen Klima, in dem Vielfalt geschätzt wird. In diesem Zusammenhang erleben wir Sophie Koch immer als gesprächsbereit und aufgeschlossen. Deshalb ist unsere Empfehlung in der Sache: Gehen Sie unmittelbar auf Frau Koch zu, um zu Ihrem Anliegen direkt ins Gespräch zu kommen – das wird in der Sache am gewinnbringendsten sein. Ich erlaube mir, Ihnen hier auch die E-Mail-Adresse mitzuschicken.“

Frauenministerin Karin Prien hat nach sieben Tagen geantwortet. Und wie! - FOTO: Political Moments/IMAGO
Frauenministerin Karin Prien hat nach sieben Tagen geantwortet. Und wie! - FOTO: Political Moments/IMAGO

Frau Pfeffermann richtete diesen Brief nicht etwa an Alice Schwarzer, sondern an deren Büroleiterin Margitta Hösel. Ein erstaunlicher Vorgang, denn Margitta Hösel hatte weder ihr, noch dem Ministerium geschrieben.

Warum also die Antwort auf die Beschwerde von Alice Schwarzer an Ministerin Prien von Frau Pfeffermann an Margitta Hösel?

Es ist zu befürchten, dass die Ministerin bis dahin weder Kenntnis hatte von dem Brief von Alice Schwarzer an sie – noch von dem, was ihre Untergebenen so treiben.

Sieben Tage nach ihrem Brief erhielt Alice Schwarzer dann doch noch eine Antwort von Karin Prien.

Sie schrieb an die „Liebe Frau Schwarzer“ und die „Liebe Frau Koch“ gemeinsam. Tenor des 20-Zeilen-Briefes: Ihr seid doch beide Feministinnen, vertragt euch doch wieder. Die Ministerin rät „das Engagement der anderen (zu) würdigen, dann können wir auf harsche Auseinandersetzungen verzichten“.

Am Tag nach Erhalt des Briefes stand der diskriminierende Post noch immer auf der Instagram-Seite der Queerbeauftragten der Bundesregierung.

PS Inzwischen erregt das Agieren der deutschen Queerbeauftragten und ihrer Ministerin weltweit Empörung. Der internationale „Front Féministe“ forderte am 15.4. die Ministerin auf, den Post umgehend zu löschen (Er steht immer noch online!) und Frau Koch zu entlassen. Die „Richard Dawkins Foundation für Vernunft und Wissenschaft“ schließt sich dem Protest an.

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Auch der Welt-Autor und Publizist Thomas Schmid kommentierte den „skandalösen“ Vorfall.

 

 

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