Ukraine-Krieg: Wer darf Schluss machen?
Jetzt soll es also Merkel richten. Weil sie in der richtigen Partei ist und Schröder nicht?
Es ist ziemlich traurig zu beobachten, wie die Frage von Krieg und Frieden Teil des deutschen Parteiengeschachers wird. Und wie wenig es aktuelle Politiker in Verantwortung interessiert, einfach zum Telefon zu greifen. Und so vielleicht beizutragen zum Ende eines Konflikts von weltweiter, fundamentaler Tragik. Und zum Ende des Sterbens.
Amerika und Russland scheinen es schon länger leid zu sein mit diesem Krieg, der nur noch der Waffenindustrie nutzt. Nur Europa will noch weitermachen, Deutschland allen voran. Deutschland will neuerdings ja auch „die stärkste Kontinentalmacht“ mit Bodentruppen werden. Was unsere Nachbarn nicht zu beunruhigen scheint.
Putin wünscht sich den deutschen Ex-Kanzler als Vermittler. Das hat er auf einer öffentlichen Pressekonferenz erklärt. Er meint es also ernst. Weil er Schröder traut. Statt über diese mögliche Rolle Deutschlands als Friedensstifter zu jubeln, schweigen oder nörgeln die deutschen Medien und Politiker.
Und der ukrainische Botschafter protestiert. Der deutsche Ex-Kanzler habe keine „politische Legitimität“. Er ist gerade mit dem legitimen deutschen Verteidigungsminister mal wieder auf Rundreise in der Ukraine. Die Ukraine und Deutschland wollen demnächst gemeinsam Waffen produzieren, heißt es.
Und der Grüne Omid Nouripour raunt etwas von der „Moskau-Connection“ der SPD. Er scheint Vermittler, die ein bisschen dichter dran sind, für besonders ungeeignet zu halten.
Ist es tatsächlich so schwer zu begreifen, dass Krieg immer falsch ist und Verhandlungen immer richtig sind – schwer zu begreifen, solange nur die anderen sterben?
ALICE SCHWARZER

