In der aktuellen EMMA

Wie glücklich sind Leihmütter?

Mit solchen Fotos werden Leihmütter auf Kinderwunschmessen präsentiert. Doch wie glücklich sind sie wirklich?
Artikel teilen

Ich hatte über das Internet von Leihmutterschaft gehört. Die Idee, einem kinderlosen Paar dabei zu helfen, eine Familie zu gründen, erschien mir als etwas Gutes. Ich war Anfang 40, hatte schon zwei Kinder und war gern schwanger.

Eine Agentur vermittelte einem kanadischen Männerpaar meinen Kontakt. Der eine lebte zehn Autostunden entfernt von mir, der andere arbeitete viel in Mexiko. Immer, wenn wir uns treffen wollten, kam etwas dazwischen. Am Telefon waren sie sehr nett.

Die Männer hatten sich für eine Klinik in Mexiko entschieden, weil dort die Selektion nach Geschlecht erlaubt ist. Sie wollten ein Mädchen. Ich reiste für einen Tag nach Mexiko, um mir den Embryo einsetzen zu lassen. An diesem Tag in der Klinik haben wir uns zum ersten Mal getroffen. Zwei fünf Tage alte Embryonen wurden mir dort eingesetzt – hieß es.

Wir waren Vertragspartner, ich hätte auch einfach ein Hund oder eine Kuh sein können

Es hatte funktioniert, ich war schwanger. Die Männer freuten sich, aber sie wollten weder Ultraschallbilder, noch wollten sie über die Entwicklung der Schwangerschaft informiert werden. Bis sich herausstellte, dass ich mit Drillingen schwanger war. Die Klinik hatte fälschlicherweise drei Embryonen eingesetzt. Einer stammte nicht aus dem Samen des Kaufvaters. Die Männer waren außer sich. Sie gaben mir die Schuld. Sie wollten keine drei Kinder.

Ab da war alles anders. Die Männer waren kühl und abweisend zu mir. Jedes Mitgefühl war ihnen abhandengekommen. Wir waren nur noch Vertragspartner. Ich hätte auch einfach ein Hund oder eine Kuh sein können. Und diese Männer sollten drei kleine Babys liebevoll versorgen können? Mein Körper rebellierte, meine psychische Gesundheit litt unter der Schwangerschaft. Ich musste den siebten und achten Monat im Krankenhaus verbringen. Ich hatte Schwangerschaftsdiabetes und eine Schwangerschaftsvergiftung. Herzrhythmusstörungen kamen noch dazu. Einen Tag lang musste ich in ein künstliches Koma versetzt werden, um einen Panikanfall zu überleben.

In der 33. Woche wurden die Babys dann per Kaiserschnitt geholt. Das war so vereinbart. Drei Mädchen. Ich wäre bei der Geburt beinahe gestorben, mein Blutdruck schoss durch die Decke. In diesem Zustand wurde ich dazu gezwungen, das Sorgerecht und weitere Papiere zu überschreiben. Dokumente, die ich kaum lesen konnte, wurden mir untergeschoben. Meine Freundin erzählte den Männern, dass ich beinahe gestorben wäre. „Sie wusste ja schließlich, worauf sie sich einlässt“, war die Antwort der beiden.

Ich wäre so gern für meine Babys da gewesen. Doch ich hatte keine Rechte

Ich durfte meine Kinder nach der Geburt nicht einmal auf den Arm nehmen, ich durfte sie nicht besuchen. Weil sie eine Woche zu früh und sehr leicht waren, mussten sie drei Monate auf der Neonatologie-Station verbringen. Eines der Mädchen musste am Darm operiert werden. Ich wäre so gern für sie da gewesen.

Doch ich konnte nichts machen. Ich hatte keine Rechte. Ich habe keinerlei Kontakt zu ihnen.

Ich habe drei wunderschöne Mädchen zur Welt gebracht. Ich habe weder ihr erstes Lächeln gesehen, noch ihr erstes Gähnen gehört. Ich war am Boden zerstört und bin es noch. Ich bin ein zerstörter Mensch. Heute weiß ich: Leihmutterschaft ist gegen die Menschenwürde.

Der Text ist ein Auszug aus „Broken Bonds – Surrogate Mothers Speak Out“ (Spinifex Press)

Ausgabe bestellen
Anzeige
'
 
Zur Startseite