Ask Alice: Islamisierung junger Frauen

 

Liebe Nete,

ja, das stelle ich mir auch hart vor. Junge Frauen, die sich in den religi├Âsen Fanatismus fl├╝chten. Bei jungen M├Ąnnern macht es ja noch irgendwie Sinn, weil sie auf ihre Art etwas davon haben: Jungs, die vorher schwach und H├Ąnger waren, sind pl├Âtzlich Helden und Gotteskrieger. Aber M├Ądchen bzw. Frauen? Die vollstrecken ja nur ihre eigene Reduktion.

Dennoch oder gerade deshalb m├╝ssen wir uns nat├╝rlich nach ihren Motiven fragen. Die deutsch-t├╝rkische Therapeutin und Politikerin Lale Akg├╝n hat in ihrem Buch "Aufstand der Kopftuchm├Ądchen" dar├╝ber geschrieben. Die Motive dieser jungen Frauen sind n├Ąmlich vielf├Ąltig.

Bei einem muslimischen Hintergrund kann es Druck in der Familie bzw. Community geben. Oder es ist eine Art "Identit├Ątssuche", die Absicht, sich von den anderen zu unterscheiden. Oder aber es ist die Demonstration, dass frau mit Kopftuch eine "anst├Ąndige Frau" ist und kein "schlechtes M├Ądchen". Vielleicht steckt aber auch ein Mann dahinter, ein Romeo, der sie zum Islam verf├╝hren oder einfach durch Heirat die deutsche Staatsangeh├Ârigkeit ergattern will? Oder es ist ganz einfach eine Sinnsuche, der Wunsch, Leidenschaft nicht nur f├╝r die Liebe, sondern auch f├╝r den Glauben bzw. die Politik entwickeln zu d├╝rfen.

Ich w├╝rde als Lehrerin versuchen, die Nerven zu behalten und behutsam auf die Suche nach den Motiven gehen. Aber so, dass die Betroffenen sich nicht vorgef├╝hrt f├╝hlen oder sich gar verh├Ąrten. Im Gegenteil: einf├╝hlsam und verst├Ąndnisvoll sein - auch wenn es schwer f├Ąllt.

Dann begreifen vielleicht nicht nur die jungen Fanatikerinnen selber etwas, sondern auch die anderen Sch├╝lerinnen - und ein Austausch, ein Dialog wird m├Âglich. Das Gef├Ąhrlichste ist ja die Isolation. Dann ger├Ąt so ein M├Ądchen immer tiefer in diese Parallelwelt.

Du k├Ânntest recherchieren, ob es in deiner Gegend in dem Problem spezialisierte Psychologinnen gibt - und die mal einladen in die Schule. Vieles ist m├Âglich. Nichts ist leicht. Ich wei├č.

Ich w├╝nsche dir Erfolg!

Alice Schwarzer

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Kommentare

Keine einfache Sache, habe ich am Rande bei einer Bekannten mal miterleben m├╝ssen. Die wurde von heute auf morgen auch total relig├Âs. Ein Mann steckte da nicht dahinter, die Gr├╝nde sind sicher vielf├Ąltig. Ein wichtiger Grund sind meiner Meinung nach Perspektivlosigkeit, Misserfolg und Minderwertigkeitskomplexe, die dann durch Religion kompensiert werden. In der islamistischen Ideologie ist die ungebildetste Muslimin immer noch mehr wert als eine westliche Akademikerin. Ich denke darin nehmen viele dieser Frauen Zuflucht und Trost.
Was kann man tun? Ich glaube du allein als Lehrerin kannst kaum etwas tun, vielleicht k├Ânnte man aber in Zusammenarbeit mit geeigneten Stellen und Fachleuten an deiner Schule ein Projekt starten oder aber einen Infotag abhalten.

Das Problem ist, dass wir im Westen verlernt haben, die Sinnfrage zu stellen. Was ist der Sinn des Lebens. Danach sucht man als Jugendlicher und darauf bekommt man keine Antwort. Die Lehrerin geht wahrscheinlich davon aus, dass die M├Ądchen lieber flei├čig lernen sollten, um einen guten Beruf zu erlernen. Aber warum?! Wenn wir am Ende ohnehin alle tot sind und mit dem Tod einfach verschwinden, welche Rolle spielt das dann? Die Religionen geben auf die Frage nach dem Sinn des Lebens vielleicht keine wirklich anspruchsvolle Antwort, aber immerhin geben sie eine Antwort.

Das seltsame Verhalten dieser M├Ądchen kann psychologisch mit dem Abwehrmechanismus der "Identifikation mit dem Aggressor" erkl├Ąrt werden. Abgewehrt wird dabei das Gef├╝hl der Angst. Leben Menschen in einer gef├Ąhrlichen Umgebung, ├╝bernehmen sie schnell die Ansichten und Haltungen dieser Umgebung. Dadurch werden sie ein Teil davon und brauchen keine Sanktion durch diese zu f├╝rchten. Konkret: wenn mich meine m├Ąnnlichen Verwandten bedrohen, falls ich von dem, was die "den rechten Weg" nennen, abkomme, ist es besser niemals auch nur auf diese Idee zu kommen. Dann folgt die genaue Betrachtung dieses "Weges": 'so schlecht kann der ja gar nicht sein'. Zur Unterwerfung kommt die ├ťbernahme der fremden Haltungen und Anschauungen.
Bekannt ist dieses Konzept auch unter dem Stockholm-Syndrom, dass bei Geiselnahmen auftritt und die Befreiung der Geiseln erschwert. Diese M├Ądchen mu├čten sich an eine feindliche Umgebung anpassen. Daher ist keine Einsicht zu erwarten, hier helfen nur Verbote.

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