Appell schlägt international Wellen

Alice Schwarzer und Chantal Louis beim "Verein der Ausländischen Presse". - © B. Flitner
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Die Nationalrätin (Bundesabgeordnete) Streiff-Feller (EVP) forderte im Namen von 42 KollegInnen den Bundesrat auf, einen „Bericht zur Bekämpfung des Menschenhandels zum Zweck sexueller Ausbeutung“ zu unterbreiten und vor allem zu prüfen, welche Erfahrungen Länder gemacht haben, die die Prostitution verboten haben (wie Schweden), und welchen Einfluss das auf den Menschenhandel hatte.

Denn keine oder milden Urteile gegen Menschenhändler seien die Regel in der Schweiz. Darum müsse der von Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Oktober 2012 vorgestellte „Nationale Aktionsplan gegen Menschenhandel“ endlich effektiv umgesetzt werden. Die sozialdemokratische Ministerin hatte einen 23-Punkte-Plan vorgelegt: von Aufklärung der Bevölkerung über strenge Gesetze bis hin zu einem Ausstiegsprogramm für Prostituierte.

Der deutsche Appell wirkt also schon jetzt bis in die Schweiz und weit darüber hinaus. Die Fragen der KorrespondentInnen in Berlin zeigten, dass das Unbehagen über die unlösbar verknüpfte Prostitution und Menschenhandel zur Empörung eskaliert. Weltweit

So wollte der französische Kollege vom Parisien wissen, was Alice Schwarzer von der in Frankreich geplanten Freierbestrafung halte (viel!). Und die chinesische Kollegin vom Guangming Daily China machte darauf aufmerksam, dass die Prostitution in China offiziell geleugnet werde, aber dennoch grassiere; ihr Land also endlich Gesetze brauche, die den Frauenkauf regulieren.

Am Abend zuvor hatte Alice Schwarzer im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Berliner Urania das EMMA/KiWi-Buch „Prostitution – ein deutscher Skandal“ vorgestellt. Es kamen rund 600 Frauen und Männer. Bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum ging es hoch her. Ein, zwei Dutzend „freiwilliger, selbstbestimmter SexarbeiterInnen“ und BordellbetreiberInnen wollten die von u.a. Kriminalhauptkommissar Sporer aus Augsburg und Sozialarbeiterin Constabel aus Stuttgart vorgetragenen Fakten aus ihrer täglichen Arbeit mit Prostituierten und ihrem verzweifelten Kampf gegen Zuhälter und Menschenhändler einfach nicht wahrhaben. Sie protestierten mit Buhrufen unter aufgespannten roten Regenschirmen.

Es wurde erst ein wenig ruhiger, als Marie, selber eine „freiwillige und selbstbestimmte“ Prostituierte, die zwei Jahre lang angeschafft hatte, auf dem Podium von ihrer persönlichen Erfahrung berichtete: Wie zerstörerisch das Gewerbe sich auf die Prostituierten auswirke, und dass sie, die ihr „Leben lang Spaß an Sex gehabt hatte“ sich heute „von keinem Mann mehr anfassen lassen mag“.

Die rosarote Pro-Prostitutions-Propaganda ist eben eines – die Realität im Dienste der Sex-Industrie etwas ganz anderes. Alice Schwarzer erinnerte zuguterletzt daran, dass bei diesem Thema nicht nur über individuelle Befindlichkeiten gesprochen werden könne, sondern auch daran erinnert werden müsse, dass hunderttausende von Armuts- und Zwangsprostituierten hierzulande ausgebeutet werden, und das Sexgewerbe allein in Deutschland einen Jahresumsatz von 14,5 Milliarden Euro macht (Schätzung ver.di). Es geht hier also um sehr handfeste Interessen. Weiterer Widerstand ist erwartbar. Weitere Erfolge auch.

Weiterlesen: „Prostitution – ein deutscher Skandal“, Hg. Alice Schwarzer (KiWi, 9.99 €)

Jetzt unterzeichnen: Appell gegen Prostitution

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