Johanna Weber, Sprecherin des "Berufsverbandes", hier in der Sat1-Sendung EinsgegenEins.
Johanna Weber, Sprecherin des "Berufsverbandes", hier in der Sat1-Sendung EinsgegenEins.

Prostitution: Droht Huren-Verband Politikern?

Die Sprecherin des "Berufsverbandes" der "Sexarbeiter_innen", Johanna Weber, hat am 4. September in der Huffington Post einen Offenen Brief ver√∂ffentlicht mit dem Titel: Aufschrei einer Prostituierten: An die Politiker, die meinen Job zerst√∂ren.¬†Sie habe, schreibt sie, "sehr tiefe Einblicke in den Arbeitsalltag der Bundespolitiker bekommen". Und wenig sp√§ter f√§hrt sie fort: "Ja, und dann kommt das spannende, aber f√ľr die Politik unbequeme Thema Prostitution aufs Tablett. Unbequem, weil die Medien das Thema unberechenbar ausschlachten, denn Sex sells. Unbequem deshalb, weil hier die Doppelmoral regiert. Kaum ein Mann traut sich zu sagen, dass er sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nimmt."

Was will Weber, die Frontfrau der LobbyistInnen der Prostitutionsbranche, damit sagen? Soll hier etwa gewissen Politikern gedroht werden? Politikern, die sich nicht trauen zu sagen, dass sie "sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen"? Politiker, die darum tun m√ľssen, was die Prostitutionsbranche will - wenn sie nicht auf Seite 1 der "unberechenbaren Medien" landen wollen?

Im Rest des offenen Briefes der Sprecherin des so genannten "Berufsverbandes" von "Sexarbeiter_innen" geht es fast ausschlie√ülich um die Meldepflicht f√ľr Prostituierte. Sie ist einer der Punkte, der im Zusammenhang mit der Gesetzesreform diskutiert wird.

Weber hat recht, wenn sie argumentiert, diese Meldepflicht w√§re f√ľr deutsche Gelegenheitsprostituierte unbequem, f√ľr Studentinnen oder andere, die "dazuverdienen". Das stimmt f√ľr die vermutlich √ľberwiegend illegal Arbeitenden. Aber vielleicht w√§re das gerade f√ľr diese Frauen auch eine H√ľrde, die sie hindert, in die Prostitution einzusteigen. Hierbei handelt es sich allerdings um eine verschwindende Minderheit der in Deutschland in der Prostitution arbeitenden Frauen.

Unbequem w√§re die Meldepflicht jedoch vor allem f√ľr die Betreiber von Prostitutionsst√§tten, die die Frauen als "Frischfleisch" von Bordell zu Bordell und Modelwohnung zu Modelwohnung verschieben. Denn dann w√ľrden Illegale und Minderj√§hrige rascher auffallen. Und auch der wahre Umsatz mit der Ware Frau k√§me auf den Tisch.

Sehr sehr n√ľtzlich hingegen w√§re die Meldepflicht f√ľr die hunderttausenden von namenlosen Frauen, die meist aus den armen osteurop√§ischen L√§ndern nach Deutschland gekarrt und hier verschachert werden. Sie sprechen oft kein Wort Deutsch und wissen meist noch nicht einmal, in welcher Stadt sie sich √ľberhaupt befinden. Ihnen w√ľrde die Meldepflicht Sicherheit geben. Man w√ľsste dann wenigsten von ihrer Existenz. Und mit einer Meldepflicht bei der Kriminalpolizei sollte eine Belehrung der Frauen √ľber ihre Rechte verbunden werden. Die Polizei k√∂nnte dann auch in Notf√§llen den Weg der Frauen verfolgen und ihre Anonymit√§t sch√ľtzen.

Man kann also nur hoffen, dass die Sorge mancher Politiker, auf Seite 1 zu landen, weil Sex sells, nicht verhindern wird, dass die Meldepflicht Gesetz wird. Denn sie macht die Prostitutionsbrache, die schon lange von der organisierten Kriminalität beherrscht wird, transparenter - und hilft den Hunderttausenden Elendsprostituierten.

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