Ein Syrer auf der Frauendemo in Köln. - Foto: Facebook
Ein Syrer auf der Frauendemo in Köln. - Foto: Facebook

Zugezogene Männer: "Nicht in unserem Namen!"

Als am vergangenen Samstag über tausend Frauen zwischen Kölner Dom und Hauptbahnhof protestierten, stand unter ihnen ein einsamer, junger Syrer (Foto). In der Hand hielt er ein handgeschriebenes DIN-A4-Blatt mit den Worten: „Syrer gegen Sexismus!“

So wie er haben sich nur wenige Tage nach der Kölner Horrornacht viele Männer zu Wort gemeldet: Männer,  die - wie die Täter dieser Nacht - "nordafrikanisch oder arabisch" aussehen. Männer, die schon länger hier leben oder die gerade erst nach Deutschland geflüchtet sind. Und diese Männer haben alle eine unmissverständliche Botschaft. Sie lautet: „Not in my name!“

Ein wichtiges Signal - nicht zuletzt an die Adresse der Rechten, die jetzt die „Rache für unsere Frauen!“ fordern und sich auf Facebook dazu verabreden „in der Kölner Innenstadt auf Menschenjagd zu gehen“, auf alle Migranten und Flüchtlinge.

Ein wichtiges Signal, auch an die Adresse der Rechten!

Bereits in den Tagen zuvor hatten Migranten oder Flüchtlinge vor dem Kölner Hauptbahnhof gestanden mit selbstgemalten Plakaten und Parolen wie: „Sorry Mädels, wir Syrer schämen uns für diese Arschlöcher!“ Oder: „Tut mir leid, was passiert ist!“ Diese Männer standen genau da, wo Landsleute von ihnen in der Silvesternacht über Frauen hergefallen waren. Eine Gruppe von Tunesiern verschenkte am Hauptbahnhof weiße Rosen an Passantinnen, zusammen mit einem Brief, indem u.a. stand: „Frauen müssen jederzeit gehört und ernst genommen werden, wenn sie angegriffen werden. Und in jedem Fall müssen die Täter konsequent verfolgt werden, egal wer oder was sie sind.“

Auch vor der Universität zu Köln verteilte eine Gruppe geflüchteter Männer ein Flugblatt, auf dem sie die Übergriffe auf die Frauen „aufs Schärfste verurteilen“ und wünschten: „Wir hoffen, dass die Frauen sich von diesen Attacken bald und gut erholen werden!“ Ein Statement, das sich Kölner Frauen in den Tagen nach den Übergriffen auch von Politikerinnen wie zum Beispiel der Landesmutter von NRW, Hannelore Kraft, gewünscht hätten. Vergeblich.

Diese Art von Solidaritätsbekundungen finden in diesen Tagen nicht nur in Köln statt, sondern auch in Köthen in Sachsen-Anhalt. Auch hier schrieb eine Gruppe syrischer Flüchtlinge an die „Lieben deutschen Frauen“. In ihrem Brief heißt es u.a.: „Wir sind Männer aus Syrien und Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr in Köthen (Anhalt) angekommen sind. Einige von uns sind hier mit unseren Familien, einige ohne sie. Wir wollen Euch sagen, dass wir uns schämen für die ekelhaften, unmenschlichen Dinge, die in Köln am Silvesterabend passiert sind." Und weiter: „Wir sind hier in Köthen auf sehr schöne, herzliche Art willkommen geheißen worden. Wir sind sehr froh und dankbar, hier eine Zuflucht und Frieden gefunden zu haben. Viele unserer Helfer und Unterstützer hier sind deutsche Frauen.“ 

Und auch vor dem Berliner Hauptbahnhof verteilten Männer Blumen, „um Liebe und unseren Respekt auszudrücken und um unser Mitgefühl für die Opfer von Köln zu zeigen!“ Wie es einer der Blumenkavaliere erklärte.

Frau muss nur die Augen offenhalten, um solche Männer zu entdecken!

Nicht immer sind die Solidaritätserklärungen dieser Männer so spektakulär. Aber Frau muss nur die Augen aufhalten. Wenige Meter von der EMMA-Redaktion entfernt zum Beispiel führt Pajand seit Jahren seinen kleinen Kiosk. Wir kennen ihn gut, weil wir dort an unseren langen Redaktionsschlussabenden unser Durchhaltefutter holen: Chips und Schokolade. Seit ein paar Tagen hängt ein handgeschriebenes Plakat vor seiner Tür, darauf steht:  „Es ist absurd zu glauben, es sei alles in Ordnung! Glauben Sie nicht, dass es ein Einschüchterungsversuch der Täter war? Um unsere Gesellschaft mundtot zu machen?“ Pajand kommt aus dem Iran, er lebt seit 40 Jahren in Deutschland.  An Silvester war er in seinem Laden, eine Viertelstunde vom Hauptbahnhof entfernt. Seit Tagen redet er mit seinen Kunden über seine Fassungslosigkeit.

Für Samstag, den 16. Januar, um 16 Uhr ist in Köln vor dem Dom  die Demo "Syrische Flüchtlinge sagen Nein zu den Übergriffen in Köln“ angekündigt. Nicht in unserem Namen!

Pajand kennt die Entrechtung der Frauen aus dem Iran.
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