Meine Geschichte

Als Frau allein im Restaurant...

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Ich bin beruflich und privat viel unterwegs und das häufig allein. So etwas wie vor wenigen Tagen in einem Restaurant in Braunschweig (einem angeblichen Top-Restaurant) habe ich aber in all den Jahren noch nie erlebt!

Ich betrete das halbleere Restaurant, bitte den Kellner um einen Tisch. Prüfender Blick von oben bis unten. Dann die Frage (nicht etwa im ganzen Satz, sondern in einem Wort - das aber mit einer angewiderten Betonung, als würde er von einer ansteckenden Krankheit sprechen): "Allein?" Auf mein "Ja" folgte ein "Da muss ich erst die Chefin fragen."

Das fand ich schon merkwürdig. Ich bekam dann mit, dass der Kellner die Chefin leise fragte: "Die ist allein, darf ich ihr einen Tisch geben?" Ihre Antwort konnte ich nicht hören. Als er sich wieder zu mir umdrehte, sagte er: "Wir sind komplett ausgebucht." Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon mehr als irritiert war, fragte ich noch: "Was ist denn mit dem Tisch gleich hier vorne, da ist kein Reserviert-Schild drauf." Er: "Das ist unser Reservetisch. Wenn wir zu viele Reservierungen angenommen haben und die Gäste kommen, obwohl andere noch nicht gegangen sind, dann bekommen sie den."

Die ist allein, darf ich ihr einen Tisch geben?

Kein "Tut mir leid", keine Entschuldigung. Nur diese Fakten, die er offenbar vollkommen normal fand. Ich fragte ihn nur entgeistert "Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, oder?" Er meinte: "Doch, das müssen Sie verstehen."

Muss ich nicht! Dazu fiel mir dann nur noch ein: "Ich weiß, was ich zu tun habe: Tripadvisor!" Drehte mich auf dem Absatz um und hörte beim Verlassen des Restaurants noch, dass er mir nachrief: "Was soll denn jetzt der Scheiß?"

Wenige Meter weiter, wurde ich in einem anderen Restaurant freundlich empfangen und bekam, obwohl es sehr voll war, einen Platz an der Theke. Mein Abend war gerettet. Und ich hatte gleich ein Thema für mein Seminar für weibliche Führungskräfte am nächsten Tag, wo ich meinen Teilnehmerinnen das Ganze erzählte. So ein Verhalten ist einfach unverschämt! Und ich bin sicher: Einem alleinreisenden Mann wäre das nicht passiert...

Bärbel Rockstroh

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Meine Geschichte

Auf dem Weg in die Unabhängigkeit

Franzi auf dem Hügel des Saraswati Tempels bei Pushkar.
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Ich habe mich vor einigen Monaten von meinen Job und meiner WG in Frankfurt verabschiedet und bereise nun mit meinem Partner Indien und Südostasien. Wir werden etwa ein Jahr unterwegs sein. Unsere Reise begann im Oktober in Delhi. Seitdem haben wir Uttarakhand, Rajasthan und Goa bereist und befinden uns aktuell in Hampi.

Warum habe ich mich dazu entschieden in Deutschland nur ein paar Kisten und meinen Kater zurück zu lassen? Ich habe seit meinem 18. Lebensjahr immer wieder an verschiedenen Orten gelebt und gearbeitet. Ich reise gerne. Jedes Land und jede Begegnung erweitern meinen Horizont. Ich denke, um vom Urlauber zum Reisenden zu werden, sollte man sich mit seinem Reiseland auseinander setzen. Ich reise auf Backpackerniveau und möchte bald durch Workaway und Couchsurfing noch näher bei den Menschen sein. Mich interessiert, wie sie leben, was ich von ihnen lernen und mit nach Deutschland nehmen kann.

Es interessiert mich, wie die Menschen leben und was ich von ihnen lernen kann.

Indien bringt mich täglich zum Nachdenken. Über Männer und Frauen, Arm und Reich, Kindererziehung. Am Straßenrand trifft man hin und wieder auf Gruppen von Frauen, die ein Tuch vor sich ausgebreitet haben, auf dem sie Dekorationsartikel und Accessoires anbieten. Sprechen die Frauen wenig Englisch, steht auch mal ein Schild hinter ihnen mit der Information, dass es sich hierbei um eine Vereinigung von Frauen handelt, die in Heimarbeit selbst hergestellte Waren verkauft. Weil nicht jede Einzelne die Möglichkeit hat, in die Stadt zu kommen, um ihr Handwerk an die Frau oder den Mann zu bringen, organisieren sie sich. Diese Art der selbstbestimmten Frauenarbeit breitet sich in Indien aus.

Prabhu Handicraft organisiert und vereint Frauen, die im ländlichen Gebiet von Rajasthan Patchworkarbeiten herstellen. Ich habe mit Bobby gesprochen, der Leitern dieses Shops in Jaisalmer, in dem Kissenbezüge, Vorhänge und Wanddekorationen verkauft werden. Sie hat mich besonders beeindruckt. Bobby ist eine der Frauen, die ihr eigenes Geld verdienen. Sie ist etwa Mitte dreißig, verheiratet und absolviert ein Psychologie-Fernstudium. Ihre Augen sind durchdringend. Sie ist eine starke Frau mit haushohen Zielen. Sie erzählt uns, dass Mädchen in Rajasthan bereits ab 12 Jahren verheiratet werden. Laut der Organisation „Educate Girls“ werden 68 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren verheiratet. Nur 50 Prozent der Frauen können lesen oder schreiben (Männer liegen hier schon bei 81 Prozent).

Bobbys Vater ist Rechtsanwalt. Er ist liberal eingestellt und unterstützt die Ausbildung seiner Tochter auch finanziell. Ohne gebildete, liberale und freigiebige Ehemänner und Väter hat eine Frau in Rajasthan kaum eine Möglichkeit, sich beruflich zu entwickeln und eigenständig zu leben. Doch selbst wenn die Handwerkerinnen und Schneiderinnen selbstbestimmt arbeiten, garantiert das nicht, dass ihre Einnahmen auch bei ihnen bleiben.

Einen eigenen Job, eigenes Geld, eine Meinung haben. Westliche Frauen sind da ein Vorbild.

Für Bobby sind westliche Frauen ein Vorbild. Im Gespräch mit ihr erfahre ich, was westliche Frauen für sie ausmachen: einen eigenen Job haben, eigenes Geld verdienen und eine eigene Meinung haben. Wir bestimmen über unseren Körper und unsere Ausbildung. Dass auch wir Frauen in Deutschland viele Jahrzehnte für unsere Rechte kämpfen mussten und dass nicht jede Frau in Deutschland selbstbestimmt lebt – darüber diskutieren wir eine Weile. 

Die Begegnung mit Bobby hat mir gezeigt, wie Frauen in Indien ihre eigenen Wege gehen, um das patriarchalische System zu überwinden. Für uns geht die Reise jetzt weiter ins indische Mysore, ab Januar werden wir in Myanmar unterwegs sein. Ich bin gespannt, was dort auf uns wartet!

 

Franziska Weber, 27, ist zurzeit unterwegs in Indien und Südostasien. Sie bloggt über ihre Reise auf http://unddasisterstderanfang.blogspot.de

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