Anna Mateur: Die Anarchistin geht auf Tour

Die wilde Mähne muss wild gehalten werden. Anna Mateur mit ihrem Kreativ-Einsatzgürtel. - Foto: Fabian Stütz
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Anna Mateur geht nicht auf die Bühne, um geliebt zu werden – bei ihr muss was raus. Anti-Diva, Musik-Kabarettistin, Entertainerin, Naturereignis. Die Sache mit den Schubladen will bei ihr nicht funktionieren. Nein, sie ist auch nicht die komische Dicke. Ihr Körper passt einfach zu ihrer Wucht. Und da gibt es nichts zu verstecken.

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Im Osten des Landes ist Anna Mateur, geborene Anna Maria Vogt, längst Kult. Und auch der Westen kann sich dieser Mischung aus grandioser Körpersprache und entwaffnender Komik schon lange nicht mehr erwehren. Die zahlreichen Kabarettpreise sind nur ein kleiner Beweis dafür. Frauen-­Comedy-Witze á la „Mein Mann, das fremde Wesen“, finden bei ihr ebenso wenig statt wie Witze über die tagespolitische Lage. Mateurs Humor spielt vielmehr mit Gefühlen als mit Fakten. Ihr Telefonsex-Rap „Ruf an, sag Doppelhaushälfte – ich garantiere du kommst!“ zum Thema Alltag und Ekstase zum Beispiel. Sie liebt es, ihr Publikum mit Absurditäten zu überrumpeln.

Ihr Thema: Die grenzenlose Selbstverleugnung von Frauen

In ihrem „Wehwehchen-Atlas“ greift sie die Selbstoptimierung an, macht klar, was zu viel Ordnung im Kopf, der permanente Jugend- und Diätwahn, das ganze Botox in den Nerven in Wahrheit sind: eine grenzenlose Selbstverleugnung, der vor allem Frauen zum Opfer fallen.

Als „Anna Mateur“, die das Amateurhafte ja bereits im Namen hat, zelebriert sie das Unangepasste, das Unperfekte, das Spontane, die Improvisation. Ihr liegt das Chaos, nicht die Ordnung. Wie perfekt sie allerdings auch sein kann, zeigt sich in ihrer Musikalität. Wer die studierte Jazz-Musikerin live erlebt, ist baff von so viel Bühnenpräsenz und dieser wahnsinnig guten Stimme. Es ist einfach saukomisch, wenn sie sich das Gesicht ihres ­Pianisten zwischen die Brüste klemmt und sich dabei sinnlich durch ihre Löwenmähne wühlt, weil sie gerade Lust auf Eroberung hat. Widerstand zwecklos.

Sie scheint glücklich mit ihrem Leben, in dem sie neun Jahre lang alleinerziehende Mutter von einem heute 19-jähigen Sohn war. Vor sieben Jahren hat sie ihren Traummann erobert. Widerstand zwecklos.

Einstudierte Knopfdruckwitze sind nicht ihre Sache. - Foto: David Campesino
Einstudierte Knopfdruckwitze sind nicht ihre Sache. - Foto: David Campesino

Das müssen mitunter auch Aufnahmeleiter vom Fernsehen verstehen. Als Mateur einmal in einer NDR-Talkshow die Cindy-von-Marzahn-fürs-dritte-Programm liefern sollte, stellte sie prompt auf stur und brachte die ModeratorInnen völlig aus dem Tritt. Danach hieß es in der Presse: „Die als Komikerin geladene Sängerin Anna Mateur präsentierte sich völlig humorlos.“ Wer einstudierte Knopfdruckwitze will, muss andere Comedians einladen.

Dass man nicht jeden Quatsch mitmachen muss, hat Anna schon früh von ihren Eltern gelernt. Beide waren in der DDR nicht in der Partei, sie waren auf Demos. „Ich habe es früher als Kind nicht wirklich verstanden, aber dieser Satz ‚Wenn wir mal nicht nach Hause kommen, ist die Großmama da‘ fiel relativ oft, und er bewegt mich heute noch.“

So lange die Leute noch reden, haben wir eine Chance.

Auch wenn Anna sich nicht den Widerstandskampf ihrer Eltern auf die Fahnen schreiben will – sie war 13, als die Mauer fiel – schlagen sich doch viele Erfahrungen aus dieser Zeit in ihrem Programm nieder. Eine Nummer ihres Programms, die regelmäßig das Publikum von den Sitzen haut, ist: „Hier wird nicht gehutzt“ (Für Westdeutsche: Hutzen ist ein Begriff aus dem Erzgebirge und beschreibt das gemeinsame Werkeln in einer Stube im Winter, um Heizkosten zu sparen). Anna besingt darin, wie es aus den „Schächten im Erzgebirge hochkommt, dieses bodenschatzgeile Bergvolk und langsam ganz Dresden unterwandert. Überall wird geklöppelt, Schwibbögen soweit das Auge reicht. Wir haben doch früher nicht geklöppelt!“

Pegida hat auch bei der in Dresden geborenen Anna Spuren hinterlassen. Als sich die rechts­populistische Organisation in den Widerstands-­Leitspruch „Wir sind das Volk“ einverleibte, ist sie „vor Wut geplatzt“. Inzwischen wirbt sie für mehr Miteinander auf beiden Seiten. „So lange die Leute noch reden, haben wir eine Chance. Wenn sie nur noch hassen, ist es vorbei“, sagt sie. In Dresden hat Anna Mateur 2011 deshalb das „Büro für Ordnung und Chaos“ gegründet, weil „das doch endlich mal aufhören müsse, mit dem Rumgehasse“.

Ab dem 31. August ist Anna Mateur wieder auf Tour.

 

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Amy Schumer übers Muttersein

Amy Schumer mit Sohn Gene, geboren einen Abend nach Royal-Baby Archie.
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„Neues Kind, wer ist das?“, schreibt US-Comedy Star Amy Schumer zu ihrem ersten Instagram-Baby-Foto. Die 37-Jährige postete am 5. Mai mitten in der Nacht ein Selfie, das eine ziemlich müde dreinschauende Schumer zeigt. Über eine Million Likes! „MILF-Alarm auf ein Uhr“, schreibt sie zu einem zweiten. Da sitzt sie breitbeinig, im Krankenhauskittel mit zerzausten Haaren und zerknirschtem Gesicht auf dem Klo.

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Amy ist auf dem Foto so ziemlich das Gegenteil einer „Mother I'd like to fuck“ (Mutter, mit der ich gern Sex hätte). Kein hedonistisches Köpfchen-Geküsse, kein stolzes „Wir-sind-Eltern“-Geschwafel. Amy und ihr Mann Chris sind nicht „ganz bei sich“, sie sind „ganz schön durch“.  

Die bekennende Feministin Schumer mag es bekanntlich unverblümt und teilt lebensechte Schnappschüsse aus ihrem Familienalltag mit ihrem „Royal Baby“. Schon während der Schwangerschaft war es ein Running Gag, dass Amy und Meghan quasi zeitgleich ihr erstes Kind erwarteten. Nachdem das britische Königshaus die Geburt von Archie bekanntgegeben hatte, zog Schumer einen Tag später mit der Geburt ihres Sohnes Gene nach.

Schon während der Schwangerschaft hatte die werdende Mutter keinen Hehl aus ihren Strapazen gemacht. Amy musste sich ständig übergeben und verbrachte das erste Trimester vorwiegend liegend. Auf ihrem „Pregnagram“ teilte sie ihre Stimmungslage mit und machte sich über alle lustig, die Schwangersein als spirituelle Selbsterfahrung preisen. Schumer zeigte sich rund und runder werdend. Und eine Woche vor der Geburt mit voll gespanntem Ballonbauch. Auch das ein Gefühl, das bei werdenden Müttern einen empfindlichen Nerv tritt. Dieser gigantische Bauch und das Wissen darum, dass das, was da drin ist, raus muss. Durch eine sehr, sehr kleine Öffnung. Schumers Gesicht auf dem Foto sagt alles.

Viele von Schumers Schwangerschafts-Erlebnissen flossen bereits in ihr Kabarettprogramm „Growing“ ein (auf Netflix).

Nun ist Baby Gene also da – und das Leben ist nicht gerade rosig. Mutter Amy nimmt die Herausforderungen mit ihrem Humor. Mitleidende posten spontane Lachanfälle oder schreiben „Genauso ist es!“ Eines der Fotos zeigt sie mit einer angebundenen Milchpumpe an jeder Brust. Es bekommt 1,2 Millionen Likes.

Schumers Instagram-Profil und ihre Art Humor sind für viele Frauen ein Geschenk. Weil Schumer keine Druck aufbauende Illusion, sondern echtes Frauenleben zeigt. Die 37-jährige Stand-Up-Komödiantin und Schauspielerin galt lange Zeit als Paradesingle und machte sich darüber nicht nur in ihren Filmen („Dating Queen“) und Kabarettprogrammen lustig, sondern eben auch in den sozialen Netzwerken. Eines Tages fand sie einen Mann, den sie Anfang 2018 auch noch heiratete; und prompt wurde sie schwanger. Wie es wohl weitergeht?

Auf Instagram hat Amy 8,7 Millionen Follower, so viele Menschen wie Österreich EinwohnerInnen hat.

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