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Der Fall Trump: Alles ist möglich

Wird Trump ein zweites Mal zum US-Präsidenten gewählt - oder verliert er? - Foto: Getty Images
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Man muss nicht Psychiater sein, um zu erkennen, dass Donald Trump ernsthaft gestört ist. Aber bereits zum Zeitpunkt seiner Wahl sahen sich viele Experten auf dem Gebiet von Psychologie und Psychiatrie in der Pflicht, die Öffentlichkeit an unserem Fachwissen teilhaben zu lassen, ein Wissen, das möglicherweise ein Licht auf seine mentale Instabilität werfen könnte. In einer Ansprache, die er kürzlich vor der American Psychoanalytic Association gehalten hat, wies mein Kollege Robert Jay Lifton darauf hin, dass der autoritäre Führer die Kontrolle über die Realität anstrebt und den Anspruch erhebt, im Besitz der Wahrheit über die Realität zu sein. Die Wahrheit ist, was der Sektenführer für wahr erklärt.

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Die Wahrheit ist, was der Sektenführer für wahr erklärt

Die grandiosen Ansprüche des Führers basieren auf der Vorstellung, Reinigung und Erneuerung mit Gewalt herbeiführen zu können, eine Phantasie, die bei seinen Anhängern – in der Mehrheit Menschen, die sich benachteiligt und zu kurz gekommen fühlen – ein dankbares Echo findet. Im Fall von Donald Trump, dessen Slogan auf einer roten Schirmmütze, „Make America Great Again“, zu einem Symbol der Sektenzugehörigkeit wurde, sind die Benachteiligten und Zukurz-Gekommenen überwiegend weiße Männer. Sie sehnen sich zurück nach einer Zeit, in der Frauen und Schwarze noch wussten, wo sie hingehörten.

Trumps Steigbügelhalter – diejenigen, die es eigentlich besser wissen müssten, aber einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, um ihn an der Macht zu halten – sind Menschen und Konzerne, die über ungeheuren Reichtum verfügen und ihrerseits Fantasien in Bezug auf die Beherrschung der Welt haben. Wie jeder, der sich in der deutschen Geschichte auskennt, wohl weiß, ist diese Konstellation absolut grauenerregend: ein charismatischer Sektenführer; Anhänger, die sich benachteiligt und zu kurz gekommen fühlen, sowie einflussreiche Unterstützer, die ihm zur Macht verhelfen. Zusammen mit einigen Kollegen habe ich schon bald nach der Wahl im Jahre 2016 einen Brief an den damaligen Präsidenten Obama geschickt, weil wir angesichts der Tatsache, dass Trump Zugang zu Atomwaffen bekommen würde, äußerst beunruhigt waren. In diesem Brief warfen wir die Frage auf, ob nicht von Mr. Trump noch vor seiner Amtseinführung ein Gutachten verlangt werden könne, das über seinen Gesundheitszustand befindet, sowohl aus medizinischer als auch aus psychiatrischer Sicht.

Ist es Paranoia oder manipuliert er die Medien ganz bewusst?

Ein solches Gutachten wurde leider niemals erstellt. Unsere Gesetze sehen nicht vor, dass ein gewählter Präsident sich einer derartigen Untersuchung unterziehen muss. Der Brief jedoch breitete sich aus wie ein Lauffeuer, und Gloria Steinem las ihn beim Women’s March im Januar 2017 vor, am Tag nach Donald Trumps Amtseinführung. In ihrer Rede wies Steinem unter anderem auf eine Botschaft hin, die unsere MitstreiterInnen in Deutschland an den neuen Präsidenten geschickt hatten: „Mit Mauern erreicht man nichts. Das wissen wir.“ (In Mr. Trumps Phantasiewelt ist die „Beautiful Wall“, die er an der Grenze zu Mexiko zu bauen versprach, eine magische Verteidigungslinie gegen „Eindringlinge“, „schlechte Männer“, „Vergewaltiger“, „Drogenhändler“ – und jetzt irgendwie auch gegen das neue Coronavirus.)

Was also ist los mit diesem Mann? Ist er ein bösartiger Narzisst? Eine soziopathische Persönlichkeit? Ist er psychotisch? Leidet er an einer kognitiven Behinderung? Ist er „crazy like a fox“ (schlau, berechnend und von der Überzeugung durchdrungen, dass die Wahrheit nur dann gesagt werden sollte, wenn sie zufällig den eigenen Zielen dient; A. d. Ü.) oder ganz einfach verrückt? Will sagen, weiß er, dass er lügt, oder glaubt er seine eigenen Lügen? Wenn er wilde Anschuldigungen vorbringt oder rechtsextreme Verschwörungstheorien verbreitet, ist das ein Beweis dafür, dass er wirklich an Paranoia leidet, oder manipuliert er die Medien ganz bewusst?

Den ganzen Text von Judith L. Herman in der September/Oktober-EMMA. Außerdem im Heft: Eine Analyse der französischen Narzissmus-Forscherin Marie-France Hirigoyen ("Die Masken der Niedertracht") entlarvt Trump als Paradebeispiel eines pathologischen Narzissten. Mehr in der aktuellen EMMA!

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Ein pathologischer Narzisst

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1. Hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (z. B. übertreibt die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden).

Donald Trump hält sich – und hielt sich schon immer – für allmächtig. Er betrachtet sich als jemand Besonderen, der über allem und allen steht: „Anything we want is now possible“ (Alles, was wir wollen, ist jetzt möglich). Schon 1984 verkündete er in einem Interview mit der Washington Post, dass er durchaus imstande wäre, mit der UdSSR über das Atomwaffen-Arsenal zu verhandeln: „Ich denke, dass ich das Wichtigste weiß.“ Trump prahlt: „Der einzige Unterschied zwischen mir und den anderen Bewerbern ist, dass ich ehrlicher bin. Und meine Frauen sind schöner.“ Und: „Meine Finger sind lang und schön, ganz wie – und das ist dokumentiert – gewisse andere Teile meines Körpers.“

Seine Wahl in das höchste politische Amt der USA hat ihn nicht besänftigt, er rückt sich weiterhin in den Vordergrund, denn Prahlen ist etwas Instinktives bei ihm, ohne jede Kontrolle. Etwa in seiner Pressekonferenz vom 16. Februar 2017: „Ich glaube nicht, dass es je einen gewählten Präsidenten gegeben hat, der in so kurzer Zeit getan hat, was wir getan haben.“ Im Januar 2018 twitterte er: „Mein Leben lang waren meine beiden größten Qualitäten psychische Stabilität und, sagen wir mal, wirklich schlau zu sein.“ Und im August 2018, nach den Anschuldigungen durch seinen ehemaligen Rechtsanwalt, er habe gegen das Wahlkampfgesetz verstoßen, erklärte er auf Fox News: „Ich verstehe nicht, warum man jemanden absetzen will, der einen Superjob macht.“

2. Ist stark eingenommen von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe. Trump bewegt sich ständig zwischen Emphase, Superlativ und Hyperbel: „Ich sagte, ich werde der größte Job-Produzent sein, den Gott je erschaffen hat.“ Während seiner Amtsantrittsrede vom 20. 1. 2017 wiederholte er viele Male die Wörter „great“, „fantastic“, „incredible“ und „brilliant“, insbesondere um die Mitglieder seiner künftigen Regierung zu charakterisieren. Wenn er seine Mitarbeiter vorstellt, benutzt er stets den Superlativ. Über den Chef von ExxonMobil, Rex Tillerson, den er im Februar 2017 zum Außenminister ernannte (und ein Jahr später feuerte), sagte er: „Er ist der größte, geschickteste Geschäftsmann der Erde, er ist unglaublich!“ Alles, was ihn betrifft, muss groß sein: Die Marke Trump die größte, der Trump Tower der höchste. Er veränderte sogar die Nummerierung der Etagen, um das Gebäude noch größer erscheinen zu lassen, als es in Wirklichkeit ist.

3. Glaubt von sich, ‚besonders‘ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können. Auch wenn Donald Trump sich als Populist präsentiert, verkehrt er nur mit den Größten, die als Einzige seiner würdig sind. Unter den Politikern achtet er nur die Männer, die den Ton angeben, die ihm ebenbürtig sind, mit denen er sich in einem Kraftakt messen kann. Der lange Händedruck, den er am 25. 5. 2017 in Brüssel mit dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron tauschte, war als ein Test gegenseitiger Anerkennung zu verstehen. Macron hielt wacker stand, doch im Anschluss konnte der US-Präsident seinem Bedürfnis nach Selbsterhöhung nicht widerstehen und klopfte in einer paternalistischen Geste Macron ein paar Staubkörnchen von der Schulter. In seinem Team hat Trump mehreren Multimillionären die höchsten Ämter anvertraut. Die meisten dieser Personen wurden reich geboren, haben Eliteschulen besucht und als Erwachsene ihr Vermögen ständig vermehrt. Trump schätzt starke Männer, und er findet mehr lobende Worte für Autokraten und Diktatoren als für gemäßigte Regierungschefs. Demokratie bedeutet ihm wenig: Seinem Streben nach Allmacht ist sie nur hinderlich. Deshalb bewunderte er auch die Entscheidung des chinesischen Präsidenten Xi Jinping im März 2018, die Beschränkung seiner Amtszeit abzuschaffen, und nannte ihn in diesem Zusammenhang „genial“. Mit dem seit 2012 in Nordkorea regierenden jungen Machthaber Kim Jong-un stürzte er sich in eine Ego-Schlacht, als er im Januar 2018 damit prahlte, einen Atomknopf zu besitzen, der „größer sei als der von Rocket Man“. Aber da er zu einem erfolgreichen deal gelangen wollte, wo seine Vorgänger gescheitert waren, und um „besonders und einzigartig“ zu sein, fand er den nordkoreanischen Präsidenten schließlich „nett“ und lustig, was diesem vermutlich sehr gelegen kam, um sein Image auf der internationalen Bühne aufzubessern.

4. Verlangt nach übermäßiger Bewunderung. Trump hat früh begriffen, dass er wie die Stars des Showbiz oder die Queen leicht erkennbar sein muss. Daher pflegt er sein Äußeres. Indem er 2004 die Reality-TV-Show „The Apprentice“ ins Leben rief, konnte er sein unstillbares Verlangen nach Öffentlichkeit befriedigen und seine Bekanntheit steigern. In seinem zwanghaften Bedürfnis, stets der Mittelpunkt zu sein, hat er alle von ihm vermarkteten Produkte mit seinem Namen versehen: seine Kasinos, seine Steaks, seinen Wein, seine Immobilien, seine Universität. Wichtig ist ihm nur, dass er berühmt ist, dass man über ihn redet, und sei es, dass man über ihn herzieht. Dafür ist er zu allen erdenklichen rassistischen und sexistischen Ausfälligkeiten bereit, zur großen Freude der Medien: „Wissen Sie, es ist völlig egal, was die Medien schreiben, solange man sich einen jungen, schönen Arsch geangelt hat.“ Er prahlt in einem fort mit seinen Leistungen und gibt wie ein kleiner Junge geheime Informationen preis, um seine Gäste zu beeindrucken. Die Außenpolitik ist für ihn wie eine RealityShow: Man beginnt mit teasing, dann folgt eine Ankündigung, und schließlich muss das Ereignis, wie etwa sein Treffen mit Kim Jong-un, ein besonderes Event sein, das live ausgestrahlt und in allen Medien kommentiert wird. Auf diese Weise kann er der ganzen Welt zeigen, dass er es besser macht als seine Vorgänger.

5. Legt ein Anspruchsdenken an den Tag (d.h. übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen). Trump ist der Ansicht, dass er niemandem etwas schuldet, dass er sich erlauben kann, alles zu sagen und zu tun, was er für richtig hält, und dass seine Wünsche immer erfüllt werden müssen. Wenn ihm etwas nicht passt, denkt er, dass er als Präsident das mit einem einfachen Tweet klären kann. So verkündete er zum Beispiel im Juli 2017 über Twitter den Ausschluss von TransgenderPersonen aus den US-Streitkräften – aber ein General ließ ihn dann wissen, dass der Beschluss nicht ausgeführt würde. In einem Tweet vom 4. 6. 2018 schrieb er in Bezug auf die Ermittlungen, die eine russische Einflussnahme auf seinen Wahlkampf überprüften: „Wie von vielen Experten bestätigt wurde, […] bin ich absolut berechtigt, mich selbst zu begnadigen. Aber warum sollte ich das tun, wenn ich nichts Unrechtes getan habe?“ In seinem Größenwahn bildete sich Donald Trump, gleich einem Kind, ein, ein Superheld zu sein. Und er rastet aus und lässt seinen Launen freien Lauf, wenn er nicht bekommt, was er will, oder wenn man ihn verärgert. So hat er einen CNNJournalisten mehrfach am Reden gehindert und Künstler angeprangert, die sich geweigert hatten, bei der Feier zu seiner Amtseinführung aufzutreten. Trump glaubt, über den Gesetzen zu stehen, und bei seiner Wahl weigerte er sich, seine Steuererklärung publik zu machen. Im Februar 2017 versuchte er dann, den Direktor des FBI, James Comey, zu beeinflussen: „Ich hoffe, Sie finden einen Weg, das fallenzulassen, Flynn laufen zu lassen. Er ist ein guter Kerl.“ Comey bestätigte später, vom Präsidenten bedrängt worden zu sein, die Ermittlungen gegen Michael Flynn, den ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater, der in die Affäre um die russische Einflussnahme auf die Präsidentschaftswahlen verwickelt war, aufzugeben.

6. Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch (d.h. zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen). Die Anderen existieren für Donald Trump nicht, oder sie existieren vielmehr nur als Utensilien, die ihm zu Diensten stehen. Um die Interessen der Großunternehmen und anderer Milliardäre seines Schlages zu befriedigen, setzte er in den ersten Monaten seiner Amtszeit 14 wichtige Vorschriften in den Bereichen Umwelt, Finanzen sowie Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit außer Kraft. Er behauptet stets, er habe die Besten und die Bedeutendsten angeworben, aber er zögert nicht, sie mit einem einfachen Tweet zu entlassen, sobald sie Kritik äußern oder sich seinen Launen verweigern. So hat er in anderthalb Jahren drei Kommunikationsdirektoren rausgeworfen, drei Sicherheitsberater und drei Minister: „You are fired!“ Nachdem er sich seines Anwalts Michael Cohen bedient hatte, kritisierte er ihn, als dieser im August 2018 unter Eid aussagte, dass Trump das Schweigen zweier Klägerinnen gekauft habe: „Wenn jemand einen guten Anwalt sucht, rate ich ihm sehr, nicht die Dienste von Michael Cohen in Anspruch zu nehmen.“ Seine einzige Sorge ist, sich an der Macht zu halten, wiedergewählt zu werden und in die Geschichte einzugehen.

7. Zeigt einen Mangel an Empathie: Ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren. Bei Donald Trump ist nicht einfach ein Mangel an Sensibilität für die Bedürfnisse und Wünsche anderer zu beobachten, sondern vielmehr ein erschreckendes Fehlen von Empathie, das sich in Machismus, Rassismus und Verachtung gegenüber jedem ausdrückt, der ihn nicht genug lobt. Im Wahlkampf 2016 verspottete er einen behinderten Journalisten; und er rächte sich an Ted Cruz, seinem Gegner bei den Vorwahlen, indem er ihm unterstellte, dessen Vater habe dem Mörder von John F. Kennedy nahegestanden. Ein anderes Mal machte er sich über die Mutter eines muslimischen Hauptmanns lustig, der im Kampf gefallen war. Donald Trump ist ganz offensichtlich ein Rassist, aber es handelt sich bei ihm nicht um eine festgefügte Überzeugung: Da er sich mit den jüdisch-christlichen Weißen identifiziert, ist es ihm einfach nicht möglich, die Sichtweisen und Kulturen all jener zu teilen, die sich von diesem Fantasie-Modell unterscheiden. So bezeichnete er mehrere afrikanische Staaten mit dem Ausdruck „Dreckslochländer“. Und um seine Wählerschaft der „kleinen weißen Leute“ bei der Stange zu halten, appelliert er an identitäre Gefühle, indem er dem Ressentiment der Masse schmeichelt. Im Übrigen verdächtigt er alle Muslime, potenzielle Terroristen zu sein, und behauptete fälschlich, sie hätten den Angriff auf das World Trade Center im September 2001 gefeiert. Ebenso unstrittig ist sein Sexismus: Er verachtet die Frauen und hat sich nicht gescheut, dies zum Ausdruck zu bringen. Seine republikanische Rivalin Carly Fiorina sei zu hässlich – „Look at that face!“ – für eine Präsidentschaftskandidatur; eine Journalistin, die ihn kritisierte, sei nur eine auf ihre Menstruation beschränkte Idiotin; und er prahlte damit, die Frauen „an der Muschi packen“ zu können … Wie alle Narzissten ist Trump so sehr auf sich selbst fixiert, dass er unfähig ist, anderen Aufmerksamkeit zu schenken. Ob im Mai 2017 bei der unilateralen Aufkündigung des Pariser Klimaabkommens von 2015 oder bei seinem Versuch, „Obamacare“ abzuschaffen, jedes Mal zeigte er sich gleichgültig gegenüber den menschlichen Konsequenzen seiner Beschlüsse. Im August 2017 bestritt er trotz der schweren von Hurrikan Harvey verursachten Überschwemmungen in Texas weiterhin die realen Gefahren, die mit dem Klimawandel verbunden sind; er lockerte sogar die von Barack Obama ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Überschwemmungen. Und um zu sparen, reduzierte er die Sozialhilfe für die Ärmsten. Donald Trump kümmert sich nur um Dinge, die sein Image aufzuwerten versprechen oder seiner Selbstliebe neue Nahrung geben. Als er im Frühjahr 2018 seine Attacken gegen die illegale Einwanderung bis hin zu einer „Null-Toleranz“Politik verschärfte, indem er illegal eingereiste Eltern und Kinder voneinander trennte, tat er dies ohne jedes Mitgefühl, allein, um seinen Wählern zu gefallen.

8. Ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn/sie. Donald Trump ist überzeugt, dass alle anderen ihn um seine Fähigkeiten beneiden, wie er im Mai 2013 erklärte. „Tut mir leid, losers und haters, aber mein IQ ist einer der höchsten. Fühlt euch bloß nicht so dumm oder unsicher, es ist nicht eure Schuld.“ Nach seinem Wahlsieg ertrug er nur schwer, dass Hillary Clinton 2,8 Millionen Stimmen mehr als er selbst erhalten hatte: Er twitterte, dass er „ohne die Millionen von Menschen, die illegal gewählt haben, die Mehrheit der Wählerstimmen gewonnen hätte“. Während er stets der Erste ist, wenn es darum geht, Fake News anzuprangern, hat er in seinen Golfklubs ein falsches Titelblatt der Zeitschrift Time mit seinem Porträt aufhängen lassen. Wie ein Kind, das das Gefühl hat, seine Eltern bevorzugten seine Geschwister, vergleicht er unaufhörlich die jeweiligen Vorteile in anderen Ländern und trifft danach seine Entscheidungen im internationalen Handel. Als die USA im zweiten Quartal 2018 ein Wachstum von 4,1 % im Jahresvergleich verzeichneten, sah sich ihr Präsident in seiner Gewissheit bestätigt, dass seine Politik der Deregulierung und der Steuersenkungen richtig sei, und er prahlte: „Seit unserem Amtsantritt können wir die Schaffung von 400.000 Arbeitsplätzen im verarbeitenden Gewerbe melden … Milliarden von Dollar fließen in die USA zurück… Fabriken öffnen wieder ihre Tore … Die ganze Welt beneidet uns.“

9. Zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Haltungen. Trump ist nicht einfach arrogant und eingebildet, er legt eine totale Verachtung gegenüber anderen an den Tag. Das erklärt seine Weigerung, sich für die Zukunft unseres Planeten zu interessieren, und seine feste Absicht, „Obamacare“ abzuschaffen. Und er bedrohte seine Rivalin Hillary Clinton indirekt mit dem Tod, als er seinen Zeigefinger wie einen Pistolenlauf ausrichtete, während er von denen sprach, die Clinton unterstützten und nicht seiner Meinung folgten. Die Arroganz ist bei ihm ein Abwehrmittel gegen Minderwertigkeitsgefühle: Er kann nie zugeben, wenn er sich geirrt hat. Vor allem aber verachtet er die Demokratie, denn für ihn ist die einzig wahre Macht das Geld.  MARIE-FRANCE HIRIGOYEN

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Marie-France Hirigoyen: Die toxische Macht der Narzissten – und wie wir uns dagegen wehren. Ü: Thomas Schultz (C.H.Beck, 16.95 €)

 

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