In der aktuellen EMMA

Die EMMAs & die grauen Haare

Die EMMAs*
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Als Birgit Schrowange öffentlich grau wurde, schrieb die Berliner Morgenpost tadelnd: „Dass es gerade Birgit Schrowange ist, die sich gegen den Jugendwahn auflehnt und nicht, sagen wir, Alice Schwarzer, die 74 Jahre alt ist und nicht wirklich ergraut aussieht, mag überraschen.“ Da zog Alice erstmal eine Schnute und klärte beim EMMA-Essen darüber auf, dass sie naturblond sei und erst vor 16 Jahren die ersten grauen Haare aufgetaucht seien.

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Inzwischen ist Alice „etwa ein Viertel Grau“, laut Andreas. Und das hellt eben dieser Andreas zweimal im Jahr mit Strähnchen auf, „im Sommer macht das die Sonne“. Andreas who? Er arbeitet im Salon Walz in Berlin und ist laut Alice „der beste Strähnchenmacher der Nation“.

Das findet auch die Chefin der Nation. Die Kanzlerin lässt ihre Strähnchen nämlich auch von Andreas machen. Muss er dafür im Kanzleramt vorstellig werden? Iwo. „Sie ruft an, macht einen Termin und kommt dann in den Salon.“ Ach, so kennen und lieben wir sie, unsere Angie!

Und die anderen EMMAs? Eine Umfrage ergab: Alexandra, 38, ist naturblond und „hat sich noch keine Gedanken über graue Haare gemacht“. Auch Annika, 38, ist entschlossen, „bei meiner rot-braunen Melange zu bleiben“. Recht hat sie! Aber, gesteht sie. „Wenn ich grau würde, würde ich tönen.“

Chantal, 49, ist von Natur „straßenköterblond“ und hat darum „immer schon gefärbt“. Aber seit sie, zusammen mit Alice, das Dossier zu „Grau ist sexy“ gemacht hat, fragt Chantal sich, ob sie nicht vielleicht doch … Die Frage stellt sich Angelika, 46, schon länger. Sie hat das Glück, einen rasanten dunklen Lockenkopf zu haben, durch den sich neuerdings ein paar graue Strähnchen ziehen. „Mal sehen, wie das weitergeht“, sagt sie und wirft selbstbewusst die Locken.

Silvie, 54, hat schon alles durch, von der „knallbunten Punk-Phase“ bis zum heutigen Blond. „Ich sehe keinen Grund, nicht mehr blond zu sein“, teilt sie mit. Ähnlich geht es Irina, 46, von Natur schwarzhaarig. „Ich bin immer die Dunkle gewesen. Und das möchte ich auch bis zum Grab bleiben.“ Irina beginnt zu tönen.

Ähnlich Anett, 58, immer blond gewesen. „Und das werde ich wohl auch bleiben, das habe ich von meinem Vater geerbt.“ Der war Kapitän. Doch ehrlich gesagt: Zweimal im Jahr geht Anett zum Strähnchenmachen, „für das gewisse Etwas“.

Bleibt Margitta, 56. Die war gestern noch von gestern und ist heute von morgen. Denn in ihre braunen Haare mischen sich seit einigen Jahren graue Strähnen, was den modebewussten EMMAs missfiel. Sie langweilten Margitta zunehmend mit Strähnchentipps. Das wagt jetzt keine mehr zu empfehlen. Im Gegenteil. „Helle doch die grauen Strähnchen auf, damit die strahlender weiß sind“, hat Alice heute geraten. Unverbesserlich.

Eure EMMAs

* Auf dem Foto von links unten: Angelika Mallmann, Chantal Louis, Alexandra Eul, Margitta Hösel, Alice Schwarzer (alle Redaktion, nicht auf dem Foto: Annika Ross); Silvia Kretschmer und Irina Rasimus (Grafik); Anett Keller (Verlag). 

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„Ich will eine coole Alte werden!“

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Birgit, schon Ihre Autobiografie 2016 war ja ein richtiges Mutmacherinnen-Buch. Jetzt auch noch die grauen Haare. Sie hatten schon lange damit geliebäugelt, nicht mehr zu färben.
Sehr lange. Ich habe immer zu meinen grauen Haaren gestanden. Ich hatte schon mit 30 eine richtige graue Strähne. Und dann sagte mein damaliger Chefredakteur, ein Wiener: „Naa, des is a Lifestyle-­Magazin, da brauch mer die jungen Zuschauer. Des geht sich nimmer aus. Da musst dir bittschön die Hoar färben!“ Da hab ich gedacht: So lange der von mir nicht verlangt, mir die Lippen aufzuspritzen, kann ich damit leben. Ich habe mir also fast 25 Jahre lang die Haare gefärbt, aber dann hab ich gedacht: Ich möchte eigentlich mal wissen, wie ich wirklich aussehe. (...)

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Sie hatten in diesem Jahr eine Perücke getragen.
Ja, und dieses Jahr mit der Perücke war sehr anstrengend. Das war ein ganz geheimes Projekt, das wussten nur eine Handvoll Leute. Mein Chef wusste es, meine Maskenbildnerin und natürlich mein Sohn. (...)

In diesem Jahr haben Sie ja auch Ihren neuen Lebensgefährten Frank kennengelernt – mit Perücke.
Ja. Und ich hatte totale Angst, dass das mit den grauen Haaren schwierig für ihn wird.

Obwohl er ja selbst graue Haare hat … Aber wenn wir diese indiskrete Frage stellen dürfen: Hat der Mann denn vorher nichts gemerkt?
Ich habe es ihm schon beim dritten Date gesagt. Man kann das ja ab einem gewissen Punkt nicht mehr verbergen.

Sie mussten es ihm quasi sagen …
Ja, genau. Und er hat etwas ganz Tolles geantwortet, nämlich: „Du strahlst so, das wird schon gut aussehen.“ Er war allerdings schon etwas skeptisch, weil er eine Tante mit grauen Haaren hat, die eher etwas ökomäßig aussieht. Eine Woche später konnte ich dann die Perücke absetzen – und er fand es super. Übrigens finden ja viele jüngere Männer Frauen mit grauen Haaren super. Es ist ja ein Vorurteil, dass sie das alle blöd finden. (...)

Das Gespräch führten Chantal Louis und Alice Schwarzer. Das ganze Interview in der März/April EMMA 2019 lesen. Ausgabe bestellen

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Birgit Schrowange: Es darf gern ein bisschen mehr sein (Herder, 12.99 €)

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