Eklat auf dem Eiffelturm
Der Pariser Eiffelturm gilt als Symbol des französischen Fortschritts- und Aufklärungsdenkens. TouristInnen lieben ihn. So wollte auch eine hinduistische Organisation namens „Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha“, kurz BAPS, dieses Sinnbild für Wissenschaft, Technik und menschliche Gestaltungskraft besichtigen. Der Anlass: In Bussy-Saint-Georges, einem Vorort im Osten von Paris, wurde ein großer Hindutempel eingeweiht.
Das steht zutiefst im Widerspruch zu den Werten der Gleichberechtigung!
BAPS praktiziert eine strikte Trennung von Männern und Frauen in religiösen Bereichen. Die Geschlechtertrennung soll helfen, sexuelle Ablenkung zu vermeiden und die Konzentration auf Gott zu fördern. Um also nicht „sexuell abgelenkt“ zu werden, forderte die 100-köpfige Delegation der BAPS von der Betreibergesellschaft des Eiffelturms, dass doch bitte keine weiblichen Angestellten ihren Weg kreuzen sollten. Und die „Eiserne Lady“ beugte sich. Frauen räumten ihren Arbeitsplatz, verschwanden für den Besuch in Hinterzimmern oder wurden nach Hause geschickt. Nichts sollte die indisch-französische (Männer-)Freundschaft trüben. Die konservative und hindunationalistische BAPS steht dem indischen Premier Narendra Modi sehr nahe.
Das alles fanden nicht nur die Frauen, sondern auch ihre männlichen Kollegen unerhört - und legten die Arbeit nieder. Auch die Gewerkschaften stimmten ein: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien „schockiert“ gewesen, sich in einer Situation wiederzufinden, die „schwerwiegend und zutiefst im Widerspruch zu den Werten der Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung“ stehe.
Die Folge: Streik! Am Montag blieb der Eiffelturm geschlossen. Keine Tour auf La Tour Eiffel - TouristInnen vor Ort trauten ihren Augen nicht.
Auch der neue Bürgermeister der Stadt, der Sozialdemokrat Emmanuel Grégoire, zeigte sich empört. Frauen zu verbannen, entspreche nicht den Werten, die vom „Tour Eiffel“ getragen würden.
Die Betreibergesellschaft des Eiffelturms zeigte sich aufgrund der schlechten Außenwerbung schnell einsichtig: „Keine protokollarischen, kulturellen oder religiösen Erwägungen können eine Abweichung vom Grundsatz der Gleichstellung von Männern und Frauen rechtfertigen.“
Da war es wieder, das Leuchten der Aufklärung. Osez penser!

