„Frauen sollten viel mehr rumpimmeln!“

Furchtlos, diese Gleichstellungsbeauftragte Frau Jordan! Gespielt wird sie von Katrin Bauerfeind.
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Warum sind Gleichstellungsbeauftragte immer weiblich? Weil es billiger ist. Haha. Über Gleichstellungsbeauftragte wird sich gerne lustig gemacht. Du spielst eine. Was sagen die echten dazu?
Ich hab vor allem die Rückmeldung bekommen, dass es offenbar genauso in den Gleichstellungsbüros dieses Landes zugeht, nur eben weniger lustig als bei uns. Wir sind ja eine Comedyserie, wollten das Thema aber ernst nehmen. Also, drüber lachen ja, drüber lustig machen nein.

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Frauenthemen auf lustig – eine Rarität im deutschen Fernsehen …
Wir fanden es komisch, dass es diese Kombi aus Comedy und Thema nicht gibt, vor allem zum Thema Gleichberechtigung. Aber fernab des Themas stehen unsere Charaktere für echte Frauen und ihre Probleme in unserer Gesellschaft: Eine karrieregeile Chefin, die glaubt, sie schafft es nur, wenn sie angeht wie die Männer. Eine alleinerziehende Mutter in den 50ern, die sich nach einer Beziehung sehnt. Diese vielen Ebenen machen die Serie nicht nur lustig, sondern auch emotional und damit stark.

Für Frau Jordan ist Feminismus allein von Berufswegen selbstverständlich. Für dich persönlich auch?
Ich finde es schade, dass man sich als Feministin in Deutschland immer noch erklären muss. In anderen Ländern wie den USA gibt es gerade in der Unterhaltungsbranche einen breiten Konsens darüber, dass Frauen strukturell benachteiligt werden. Bei uns in Deutschland wird bei dem Thema immer noch gehüstelt, „Ihr habt doch alles, was ihr wollt!“ heißt es oft. Nein, es gehlen zum Beispiel immer noch 21 Prozent Lohn zur Gleichberechtigung.

Eine Haltung, mit der frau gerne aneckt …
Mit meinem Freundeskreis bin ich einmal durch. Da wird teilweise hart verhandelt und meine Erfahrung ist, dass man am Ende, sofern die Freundschaft bis dahin gehalten hat, immer einen Schritt weiter kommt. Das ist auch die Rückmeldung zur Serie: Viele sagen, sie wussten nicht, wo und wie Benachteiligung überall stattfinden kann. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, ist der wichtigste Schritt.

Wann hast du gemerkt, dass in Sachen Gleichberechtigung noch längst nicht alles rundläuft?
Ich bin ja nie als Mädchen erzogen worden, sondern eben als Kind. Ich war nie süß, hatte aber auch nie einen Nachteil, weil ich weiblich war. Wenn man Mist gebaut hat, gab´s Strafe, fair verteilt, egal ob Junge oder Mädchen. In der Schule sagen sie dir: Wenn du etwas leistest, bekommst du gute Noten, und zwar unabhängig vom Geschlecht. Unser ganzes Bildungssystem basiert auf dieser Idee. Als ich angefangen habe zu arbeiten, war das auf einmal ganz anders und ich oft die einzige Frau in Männerrunden. Es ist ein Unterschied, ob man in der Minderheit ist und ob ausschließlich Männer bestimmen, was gemacht wird.

In deinem Podcast verwendest du den Begriff „Rumpimmeln“. Was meinst du damit?
In den 90ern hatten viele Männer die Haltung: Nur, wenn ich von Null auf Cholerisch gehe, kann ich was erreichen. Es gab diesen Prototyp Mann, ich hatte ihn auch in der Familie, der immer, wenn etwas nicht gepasst hat, sofort mit der Faust auf den Tisch gehauen und gerufen hat: „Ich will den Geschäftsführer sprechen!“ Ich finde, das passende Wort dafür ist rumpimmeln. Ich hab kürzlich in einem Hotel Urlaub gemacht, das eine große Baustelle vor meinem Fenster hatte – natürlich ohne vorab darauf hinzuweisen. Und da hab ich zum ersten Mal in meinem Leben ordentlich rumgepimmelt! Es war toll, der Urlaub war danach gerettet, weil ich meine Wut da abgeladen hatte, wo sie hingehört! Trauen sich Frauen oft nicht, deswegen ist meine Empfehlung ab sofort viel mehr rumzupimmeln!

Die Comedy-Serie "Frau Jordan stellt gleich" läuft ab dem 1. April, 20.15 Uhr, auf Pro Sieben.

 

 

 

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Katrin Bauerfeind: "Ich gestehe..."

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