Kürzung beim Elterngeld: richtig
Die Familienministerin Karin Prien (CDU) legt gerade einen Gesetzesentwurf vor, nach dem das bisher über 14 Monate laufende Elterngeld auf 12 Monate gekürzt werden soll. Ich finde das richtig und nehme einen Shitstorm erhobenen Hauptes in Kauf. Denn so sehr ein gewisser Schutz der Mütter durch die Elternzeit – das Geld beziehen auf einen Vater drei Mütter – wünschenswert ist, so sehr kann er auch ins Gegenteil kippen und zur Gefahr für Mütter werden.
Es ist der energischen Familienpolitik der Ex-Familienministerin Ursula von der Leyen, Mutter von sieben Kindern, zu verdanken, dass die Fristen und Summen für das Elterngeld in der Regierungszeit von Merkel in die Höhe getrieben wurden. Von der Leyen führte auch die zusätzlichen „Vätermonate“ ein, verspottet als „Wickelvolontariat“.
Nun geht es wieder ans Sparen, nicht zuletzt wg. Krieg, und da wird gerne bei den Frauen gespart. Meist zu Unrecht. In diesem Fall zu Recht. Ein Jahr Elterngeld ist eine angemessene Sache. Für Väter sowieso, sie haben ja nicht die körperliche Mutterschaft zu verkraften. Von diesen 12 Monaten Elterngeld sollen zukünftig drei Monate pro Elternteil reserviert werden. In der Praxis bedeutet das: neun Monate für die Mutter und drei für den Vater. Denn 2025 bezogen gesamt 1.610.000 Menschen das Elterngeld, davon waren 1.190.000 Frauen. Es sind die alleinerziehenden Mütter und die Ehefrauen. Ein Viertel der Elterngeld-Bezieher waren Väter.
Die Lohnersatzleistung von 65 Prozent mit einer Maximalsumme von 1.900 Euro kann übrigens zukünftig auf 24 Monate ausgedehnt werden. Dann erhalten die EmpfängerInnen die Hälfte der Leistung.
Im Land der „Rabenmütter“ und Millionen teilzeitarbeitenden Frauen ist die Gefahr, dass ein langer Mutterschaftsurlaub die Frauen aus dem Berufsprozess reißt, besonders groß. Darum ist die Erhöhung des Väteranteils von zwei auf drei Monate zu begrüßen und die Verkürzung der Gesamtzeit des Elterngeldes ein Fortschritt.
ALICE SCHWARZER

