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Memory Banda: Afrikanische Heldin

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Manchmal müssen kleine Mädchen über sich hinauswachsen. Memory Banda nennt es „a big inner self“, das sie antreibt und ihr sagt: So nicht!

Memory ist in Malawi aufgewachsen, in einer Region, in der es eine grausame Tradition gibt: Ein „Initiationscamp“, in dem junge Mädchen, meist zwischen 10 und 13, lernen, was sie als erwachsene Frauen wissen müssen, vor allem Demut und Dankbarkeit gegenüber dem Mann. Das fünftägige Camp endet damit, dass alle Mädchen vergewaltigt werden. Jedes einzelne. Das mache sie zu erwachsenen Frauen, wird ihnen eingetrichtert.

Memorys Schwester kam von diesem Camp nicht nur traumatisiert zurück, sondern war auch noch schwanger. Von da an wusste Memory: „Ich gehe da nicht hin.“ Da war sie 13. Ihre Mutter unterstützt sie, gegen den Druck der Tanten, des ganzen Dorfs. „Wenn Du nicht gehst, wird ein schreckliches Unglück passieren, deine Mutter wird sterben. Willst Du das?“ Memory knickt nicht ein. Und als die Freundinnen merken, dass kein Unheil über sie kommt, machen sie mit. Sie gehen zu den Dorfältesten, die sie zunächst auslachen. Dann aber werden internationale Hilfsorganisationen auf die Mädchen aufmerksam. Das schüchtert die Oberhäupter ein. Daraufhin wird das Ritual verboten. Zuerst in ihrer Gemeinde, dann in den umliegenden.

Heute gehört in Malawi die rituelle Vergewaltigung kleiner Mädchen der Vergangenheit an. Für Memory Banda ging es da erst los: Sie sagte der Kinderehe den Kampf an, zog vor das Parlament, bombardierte die Abgeordneten mit Anfragen, sammelte Unterschriften, und hatte wieder Erfolg. Seit 2017 ist in Malawi die Ehe unter 18 Jahren verboten. Und Memory Banda ist für viele eine der größten Heldinnen Afrikas.

memorybanda.blogspot.com

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