In der aktuellen EMMA

Ich bin nicht privilegiert!

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Es ist drei, vier Jahre her. Ich saß in einer Kölner Buchhandlung in einer Diskussionsrunde zum Thema Feminismus. Die Diskussion neigte sich schon dem Ende zu, als es plötzlich um die Frage des Geschlechtsbegriffs ging. Ob es nicht retro sei, immer noch von „Männern“ und „Frauen“ zu sprechen, wollte die Moderatorin wissen. Ich erklärte, dass ich mir natürlich eine Gesellschaft wünsche, in der es keine Rolle mehr spielt, ob ein Mensch weiblich oder männlich ist – dass dies aber eine Vision sei und leider nicht die Realität. Dass wir diese Realität nicht verbessern könnten, indem wir sprachlich so täten, als gäbe es Männer und Frauen nicht. „Dem Vergewaltiger im Park“, sagte ich, „ist es egal, wie ich mich definiere“.

Daraufhin meldete sich eine junge Frau aus dem Publikum, Anfang 20, große Nerd-Brille. Das sei „privilegiertes Sprechen“, beschied sie mich.

Vor drei, vier Jahren war „Privileg“ noch kein Modewort und ich wusste ehrlich gesagt nicht genau, was die Frau mir sagen wollte. Heute, da die Idee, dass Menschen „erstmal ihre Privilegien reflektieren“ sollen, bevor sie den Mund aufmachen, aus Gender-Seminaren langsam in die Außenwelt diffundiert, habe ich es verstanden. Es ging um mein „Cis-Privileg“. Also um den Umstand, dass ich als mit einem weiblichen Körper ausgestatteter Mensch mit diesem Körper in Frieden lebe (ich hätte einige Verbesserungsvorschläge, aber das jetzt nur am Rande …) und mich daher als „Frau“ bezeichne. Da manche mit einem weiblichen Körper ausgestattete Menschen mit diesem in einem existenziellen Konflikt sind, bin ich in den Augen der jungen Frau, die vermutlich

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