Purl: Pixar goes Feminism?

Schöne neue Arbeitswelt: Purl zwischen den Jungs.
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Schon der Einstieg des neuen Pixar-Kurzfilms spricht Bände: Wir sehen einen gestriegelten, jungen Anzugträger, der im Aufzug darüber referiert, dass Purl ja am qualifiziertesten für den Job gewesen sei. Den Job im Investment bei B.R.O. Capital. Wo bisher nur Bros wie eben dieser gestriegelte Anzugträger arbeiten. Sie lachen schallend über flache Witze, debattieren aggressiv in Meetings, gehen abends gemeinsam auf einen Drink und sehen alle gleich glatt aus.

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Schwenk auf den neuen B.R.O.-Kollegen Purl - der eine Kollegin ist. Genauer: ein kreischrosafarbenes Wollknäuel mit großen Kulleraugen und viel Enthusiasmus. Neu im Büro, dekoriert Purl als erstes ihren Schreibtisch mit (gestrickten) Blümchen, Puschelstiften und dem ebenso eingehäkelten Laptop - und das alles auf einer lilafarbenen Strickdecke. Die Kollegen tuscheln schon.

Purl merkt schnell: Es läuft nicht. Über ihre Witze lacht niemand, in der Besprechung findet man ihren versöhnlichen Vorschlag „zu soft“ und zum Lunch wird sie auch nicht mitgenommen. Sodann entscheidet sich das Knäuel zu einem Schritt, der sicher vielen Frauen nicht fremd ist. Sie wird one of the guys. Mit den bekannten Konsequenzen.

„Purl“ ist unter den ersten drei Produktionen für die neue Reihe „Pixar SparkShorts“, in der sich vielversprechende Talente ausprobieren dürfen. Das vielversprechende Talent hinter Purl heißt Kristen Lester. Der Film beruht auf ihren eigenen Erfahrungen in der Animations-Branche, erzählt sie. „Bei meinem ersten Job war auch ich die einzige Frau weit und breit. Und anstatt das zu tun, was ich liebe, habe ich versucht, so wie diese Typen zu sein.“ Erst als sie zu Pixar gewechselt sei, habe sie angefangen, in Frauen-Teams zu arbeiten. Und „da ist mir dann klar geworden, wie viele Teile meiner weiblichen Persönlichkeit ich eigentlich begraben und zurückgelassen hatte.“

Aber warum bloß ein rosa Wollknäuel? Ist das nicht ein totales Klischee für die angebliche „Weiblichkeit“? Lester hatte jedoch keine Strick-Abende am Kamin im Kopf, als sie die putzige Purl entwarf. Sondern Guerilla-Stricken, eine Methode, mit der Menschen Objekte im öffentlichen Raum umstricken, um „sie komplett aus ihrem Kontext zu reißen“, so Lester. Mehr noch: „Aus Wolle kann man einfach alles machen“. Und Purls Wandelbarkeit ist ja auch ganz wesentlich für den Pixar-Kurzfilm.

Die Botschaft mag dann am Schluss nicht so überraschend sein. Aber dass das Animations-Studio aus dem Disney-Kosmos bei der neuen Reihe gleich ein feministisches Thema nach vorne bringt, ist schon eine Ansage. Wir erinnern uns: Pixar haben wir auch die allererste emanzipierte Disney-Prinzessin zu verdanken, nämlich Merida. Und eine Story, bei der es ausnahmsweise mal nicht darum ging, einen Prinzen zu bekommen, sondern um eine starke Mutter-Tochter-Geschichte. Wir sind schon gespannt auf Kristen Lesters Langfilm.

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Erfolg im Beruf: Mach's wie ein Mann?

© fotolia/biker3
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Zum 6. Januar ist das Gesetz zur Lohntransparenz in Kraft getreten. Ob es die diskriminierende Lohnungleichheit abschafft, wird man sehen, aber eines ist jetzt schon klar: 2018 wird das Jahr, in dem wir am häufigsten die Sätze hören werden: „Die Frauen haben halt schlecht verhandelt“ und „Aber die Männer müssen nun mal ihre Familien ernähren“. Beide Rechtfertigungsversuche sind so hanebüchen, dass es schwerfällt, darauf zu reagieren. Aber Fakten helfen dagegen, und sie finden sich in „What Works“, dem wegweisenden Buch der Verhaltensökonomin Iris Bohnet.

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Die Harvard-Professorin hat eine ganz klare Vorstellung davon, wie der Arbeitsmarkt sich optimieren lässt: Nicht die Frauen sollen sich ändern und in wichtigen Gesprächen männlich-dominant geben, um beruflich voranzukommen. Stattdessen sollen die Vorgesetzten und Personalchefs sich bewusst machen, dass tief verwurzelte Vorurteile ihre Entscheidungen beeinflussen und manche Strukturen kompetitive Naturen begünstigen – zu denen statistisch gesehen deutlich mehr Männer zählen. Zumal es Frauen überhaupt nichts bringt, wenn sie auftreten wie Männer und härter verhandeln: Bohnet zitiert Studien, die zeigen, dass eine Frau mit klassisch „männlichem“ Auftreten als unsympathischer wahrgenommen wird. Den Job bekommt in diesem Fall also weder die Frau, die sich sympathisch bescheiden gibt, noch die aktiv für sich werbende Frau, die damit ihre Sympathiepunkte verliert. Den Job bekommt der Mann, dessen Eigenwerbung ihn nicht unsympathisch wirken lässt, weil sie von ihm geradezu erwartet wird. „Bei Frauen funktioniert es nicht nur nicht, sondern Frauen, die es auf diese Weise versuchen, werden dafür auch noch bestraft“, schreibt Bohnet.

Frauen, die für sich werben wie Männer, werden als 'unweiblich' bestraft

Sich zu verstellen bringt also nichts. Aber was soll eine Frau in einem Unternehmen tun, das Männer begünstigt? Darauf warten, dass ihre Personalchefs „What Works“ lesen? Bohnet empfiehlt in ihrem äußerst praktischen Buch eine andere Maßnahme, die sich in einer experimentellen Studie bewährt hat: Sobald zum Beispiel die Frau beim Chef angibt, ihr Teamleiter habe ihr geraten, noch mal über die Vergütung zu verhandeln, bekommt sie weniger Sympathiepunkte abgezogen. Bohnet zitiert auch den Tipp der Facebook-Chefin Sheryl Sandberg, statt von „ich“ in solchen Gesprächen immer von „wir“ zu sprechen, also im organisatorischen Kontext zu argumentieren. Frauen sollten sich also, wenn sie die gleichen Chancen haben wollen wie Männer, immer noch am besten hinter anderen verstecken – was für ein fantastischer gesellschaftlicher Fortschritt. Iris Bohnet verkauft das nicht als Heilsversprechen, sondern ist selbst skeptisch: „Ich fühle mich immer unwohl, wenn ich meinen Studentinnen diese Ergebnisse präsentiere, aber ich denke dann auch immer, dass es noch schlechter wäre, wenn ich ihnen sagte, sie sollten einfach Geduld haben und noch einmal 100 Jahre warten, bis alles besser ist.“

Diese kleinen Tricks dürfen Frauen ­natürlich anwenden – aber Iris Bohnet ­arbeitet daran, dass sie es nicht mehr müssen. (...)

Der vollständige Artikel steht in EMMA März/April 2018. Ausgabe bestellen

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Iris Bohnet: What Works. Wie Verhaltensdesign die Gleichstellung revolutionieren kann. Ü: Ursel Schäfer (C.H. Beck, 26,95 €)
 

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