In der aktuellen EMMA

England: Sex matters!

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Großbritannien ist bekannt als „Insel der TERFs“. Denn im Gegensatz zu den USA und anderen europäischen Ländern haben wir uns gewehrt und es geschafft, die gefährlichsten Auswüchse der Transgender-Ideologie, -Politik und -Gesetzgebung zu verhindern.

So werden die „geschlechtsneutralen“ Toiletten, die in öffentlichen Gebäuden, einschließlich Krankenhäusern, Schulen und Büros, in den letzten Jahren immer mehr zur Normalität wurden, jetzt wieder abgeschafft. Feministische Initiativen hatten immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass sich Mädchen und Frauen in gemeinsamen Toilettenräumen nicht wohl und sicher fühlen. Die Initiative „Sex Matters“ (= das biologische Geschlecht spielt eine Rolle) hatte eine Umfrage gestartet, bei der sich 7.000 Frauen zu Wort meldeten. Fazit: Viele Frauen empfinden es als beängstigend und unangenehm, sich in einem geschlossenen Raum mit Männern aufzuhalten, die ihre Genitalien entblößen. Im Juli verkündete die britische Baubehörde schließlich: „Alle neuen Gebäude müssen mit separaten Toiletten für Männer und Frauen ausgestattet sein.“ Und Gleichstellungsministerin Kemi Badenoch erklärte, warum: „Es ist entscheidend, dass sich Frauen sicher und wohl fühlen, wenn sie öffentliche Toiletten benutzen, und dass ihre Bedürfnisse berücksichtig werden.“

Ganz im Gegensatz dazu hat in Deutschland gerade der „Verein Deutscher Ingenieure“ (VDI) nach einer „Beratung“ durch die „Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität“ (dgti) eine neue Richtlinie veröffentlicht: Öffentliche Sanitärräume sollen künftig ausnahmslos „unisex“ sein. Vielleicht sollten die Ingenieure einen Blick nach England werfen?

Immer wieder setzt sich „Sex Matters“ dafür ein, dass Gesetze gegen die Diskriminierung von Frauen eingehalten werden und klagt Organisationen ein, die dies nicht tun. Ein weiterer Sieg der Initiative: Das geplante Verbot der von Trans-Aktivisten als „Konversionstherapie“ bezeichneten Behandlung von „geschlechtsdysphorischen“ Personen, die glauben, „im falschen Körper gefangen zu sein“, wird nicht kommen. Der Gesetzentwurf hätte jede Art von „Gesprächsbehandlung“ und evidenzbasierte Therapien wie das „watchful waiting“ – also alle Therapieformen, die nicht sofortige Bestätigung bedeuten – kriminalisieren können. Stattdessen wäre ein reaktionärer Ansatz zur Geschlechtsidentität, der auf Ideologie und nicht auf Beweisen beruht, in das Gesetz aufgenommen worden. Das konnte verhindert werden: Der Vorstoß wurde inzwischen wieder rückgängig gemacht.

In Deutschland hingegen ist ein Gesetz zum Verbot von „Konversionsbehandlungen“ seit Mai 2020 in Kraft. TherapeutInnen, die wagen, den Transitionswunsch von Kindern und Jugendlichen zu hinterfragen, laufen seither Gefahr, sich strafbar zu machen.

In England hingegen wies der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) die Londoner Tavistock Klinik an, bis zum Frühjahr 2023 ihren Gender Identity Development Service (GIDS) zu schließen. Der Vorwurf: Viel zu schnell und ohne gründliche Untersuchung habe Tavistock Kinder und Jugendliche, die mit ihrem biologischen Geschlecht hadern, mit Pubertätsblockern und Hormonen behandelt. Es sei versäumt worden, nach eventuellen anderen Ursachen für die „Geschlechtsdysphorie“ der jungen PatientInnen zu forschen. Das Klinikpersonal habe sich „unter Druck gefühlt, einen nicht zu hinterfragenden, affirmativen Ansatz anzuwenden“. Außerdem habe die Klinik versäumt, systematisch Daten zu sammeln, sodass man den Weg der PatientInnen nicht nachverfolgen könne. Das Grundproblem: Eine „offene Diskussion“ über die Ursachen von Gender-Dysphorie sei nicht mehr möglich gewesen.

Diesen Vorwurf erhebt nicht irgendwer, sondern Dr. Hilary Cass. Die ehemalige Präsidentin des „Royal College of Paediatrics and Child Health“ hatte im Auftrag der Nationalen Gesundheitsbehörde untersucht, was Whistleblower schon seit Jahren in haarsträubenden Berichten beklagt hatten.

Die 1920 gegründete Klinik war lange für ihre innovativen Ansätze in der psychoanalytischen Behandlung von Kindern gefeiert worden. Doch inzwischen hat man verstanden, dass das, was Kindern und Jugendlichen in Tavistock im Namen des Fortschritts angetan wurde, in Wahrheit einem reaktionären Verständnis von Geschlecht und Geschlechterrollen entsprang.

Und dann ist da noch die Volkszählung, die in England und Wales alle zehn Jahre stattfindet. Ursprünglich sollte diesmal nicht das biologische Geschlecht erfasst werden, sondern die „gefühlte“ Geschlechtsidentität der Befragten. Soziologie-Professorin Alice Sullivan, Leiterin des Social Research Institute an der Universität London, hatte jedoch immer wieder darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, das biologische Geschlecht zur Grundlage zu nehmen, wenn man über Sexismus und geschlechtsspezifische Diskriminierung sprechen will, also über Fragen wie: Warum werden Frauen schlechter bezahlt als Männer? Sind Frauen in erster Linie die Opfer von Häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen, und sind die Täter überwiegend Männer? Alice Sullivan war maßgeblich daran beteiligt, dass bei der letzten Volkszählung das Geschlecht und nicht die Geschlechtsidentität einer Person erfasst wurde.

Die Initiative „Fair Play for Women“ (FPFW) hat sich nach einer Reihe von Skandalen, bei denen männliche Athleten – darunter Gewichtheber und Rugbyspieler – das Geschlecht gewechselt haben und gegen Frauen antreten durften, für die Beibehaltung der Geschlechtertrennung im Sport eingesetzt. In diesem Jahr hat sich „Fair Play for Women“ mit über 30 nationalen Sportverbänden getroffen. Im Schwimmen, in der Rugby-Liga und im Triathlon wurden daraufhin die geschlechtsspezifischen Regelungen wieder eingeführt.

Das Justizministerium kündigte soeben an, dass es künftig keine transidenten Sexualstraftäter mehr in Frauengefängnissen unterbringen wird, nachdem das „Centre for Women’s Justice“ dagegen geklagt hatte und „Fair Play for Women“ sowie die Initiative „Keep Prisons Single Sex“ hartnäckig dafür gekämpft hatten.

Immer öfter setzen sich Feministinnen auch erfolgreich dagegen zur Wehr, dass ihre Redefreiheit eingeschränkt wird. Vor kurzem habe ich ein Gerichtsverfahren angestrengt und gewonnen und damit einen Präzedenzfall geschaffen. Ich sollte am 25. Juni 2022 auf einer Veranstaltung über Feminismus und Gewalt gegen Frauen in einer Bibliothek in Nottingham sprechen. Doch der Vortrag wurde in letzter Minute abgesagt, weil Trans-Aktivisten die Bibliothek und den Stadtrat von Nottingham bestürmten und erklärten, meine Ansichten stünden im Widerspruch zu ihrer „Strategie für Gleichstellung, Vielfalt und Integration“.

Ich beauftragte Anwälte damit, gegen diese rechtswidrige Absage zu klagen und Regressansprüche geltend zu machen. Nach drei Monaten haben wir gewonnen. Der Stadtrat musste sich entschuldigen.

Man mag uns abfällig als TERF-Land bezeichnen, aber die Wahrheit ist, dass unser Widerstand nichts mit Transphobie zu tun hat – er ist eine stolze und leidenschaftliche Verteidigung der geschlechtsspezifischen Rechte von Frauen.

Die Autorin ist eine der bekanntesten Feministinnen Großbritanniens und eine der engagiertesten Kämpferinnen gegen Prostitution und Pornografie.

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